Fall Warmbier vor Nordkorea-Symposium "Ottos Tod darf nicht umsonst gewesen sein"

"Das beschämt sie": Die Mutter des US-Studenten Otto Warmbier will Nordkorea immer wieder an den Tod ihres Sohns erinnern. Vor einem Uno-Symposium fand sie emotionale Worte.


Koreanisches Gipfeltreffen, eine anstehende Zusammenkunft von Donald Trump und Kim Jong Un und die mögliche Freilassung inhaftierter US-Bürger in Nordkorea: Die Zeichen auf der koreanischen Halbinsel stehen auf Entspannung. Und genau in dieser Phase erinnert Cindy Warmbier mit einer emotionalen Rede daran, wie ihr Sohn in Nordkorea verhaftet wurde, schwere Hirnschäden erlitt und anschließend starb.

"Ottos Tod darf nicht umsonst gewesen sein", sagte sie einem Uno-Symposium zur Situation der Menschenrechte in Nordkorea. Ihre Familie werde weiter offen über den Fall sprechen: "Das Einzige, war wir tun können, ist ihre Nasen darin zu reiben. Das beschämt sie", sagte die Mutter weiter. "Sie mögen es nicht, wenn die Welt denkt, dass sie kein Mitglied dieser Welt sein wollen. Und sie mögen es, wie ein Opfer aufzutreten, als ob sie schlecht behandelt worden sind."

Ende 2015 war der damals 21 Jahre alte Otto Warmbier nach Nordkorea geflogen. Am letzten Tag seiner Gruppenreise, am 2. Januar 2016, wurde er festgenommen und später wegen "feindlicher Handlungen gegen den Staat" zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt. Ihm wurde vorgeworfen, ein Propagandaposter gestohlen zu haben.

Während seiner Haft fiel Warmbier ins Koma und wurde schließlich "aus humanitären Gründen" freigelassen. Wenige Tage nach seiner Rückkehr in die USA im Juni 2017 starb er - er hatte damals bereits 15 Monate lang im Koma gelegen. Er wurde 22 Jahre alt. (Eine Chronologie der Ereignisse zum Fall Warmbier lesen Sie hier.)

"Es wird nicht wirklich einfacher"

Cindy Warmbier sagte, ihr Sohn sei bereits nach vier Monaten Gefangenschaft hirntot gewesen. Nordkorea hätte dann sagen müssen: "Wir haben es vermasselt, lasst uns ihm medizinische Hilfe holen." Aber stattdessen habe Nordkorea ihren Sohn an einem furchtbaren Ort ohne medizinische Versorgung vegetieren lassen. Anschließend habe das Regime so getan, als tue es der Welt einen Gefallen, als es den Studenten freiließ.

Damals gab Nordkorea an, Warmbier sei an Botulismus, auch als Fleischvergiftung bekannt, erkrankt, amerikanische Ärzte haben das aber nie bestätigt. Vor dem Uno-Symposium beendete Cindy Warmbier ihre Aussagen mit den Worten: "Es tut mir Leid, dass ich so emotional bin. Aber es wird nicht wirklich einfacher."

Mittlerweile hat die Familie des US-Studenten Nordkorea wegen "brutaler Folter und Mord" verklagt. "Uns ist klar geworden, dass Nordkorea möchte, dass wir uns in einem Raum einschließen und nichts tun. Und wir glauben, das ist eine schlechte Idee", sagte Fred Warmbier, Ottos Vater, dazu. Otto sei als Geisel gehalten und als Pfand benutzt worden. Nun aber versuche die Familie, "einen Weg direkt zu Kim und seinem Regime zu bauen", um ihn für seine Handlungen verantwortlich zu machen.

aev/AP

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