Grenzort Pacaraima Brasilianer greifen Flüchtlinge aus Venezuela an

Zehntausende Menschen aus Venezuela sind wegen der Wirtschaftskrise in ihrem Land nach Brasilien geflohen. In einem Ort kam es zu Zusammenstößen mit Einheimischen. Soldaten sollen die Lage nun unter Kontrolle bringen.

Brennende Reifen in Pacaraima
AFP

Brennende Reifen in Pacaraima


Tausende Venezolaner campieren im brasilianischen Grenzort Pacaraima während ihrer Flucht vor den Folgen der Wirtschaftskrise in ihrem Land. Nun ist es dort zu schweren Zusammenstößen zwischen Einheimischen und venezolanischen Flüchtlingen gekommen.

Dutzende aufgebrachte Einwohner der Stadt griffen am Samstag zwei Lager mit Flüchtlingen aus Venezuela an und zerstörten sie teilweise. Der Nachrichtenagentur dpa zufolge setzten die Angreifer die Zelte der rund 2000 Flüchtlinge in Brand.

Medienberichten zufolge war zuvor ein brasilianischer Händler beraubt und verprügelt worden. Seine Familie machte dafür venezolanische Flüchtlinge verantwortlich. Wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die brasilianische Militärpolizei meldete, wurden drei Brasilianer verletzt. Zu Opfern unter den Venezolanern lagen zunächst keine Angaben vor. Viele von ihnen flüchteten den Angaben zufolge zu Fuß zurück in ihr Heimatland.

Der brasilianische Präsident Michel Temer berief eine Dringlichkeitssitzung der Regierung ein. Er beriet am Sonntag unter anderem mit den Ministern für Verteidigung, öffentliche Sicherheit und Außenpolitik über die Lage in dem Ort.

Der Nachrichtenagentur AP zufolge plant die Regierung, Truppen der Armee an die venezolanische Grenze zu schicken. Mindestens 60 Soldaten sollen demnach nach Pacaraima geschickt werden.

Viele Venezolaner gelangen über den Bundesstaat Roraima, in dem Pacaraima liegt, nach Brasilien. Den örtlichen Behörden zufolge hätten mehr als 50.000 venezolanische Flüchtlinge die Grenze dort übertreten und in Zelten, auf der Straße oder öffentlichen Plätzen übernachtet.

REUTERS

Venezuela steckt infolge von Ölpreisverfall und Misswirtschaft in einer tiefen Wirtschaftskrise. Die Hyperinflation, Knappheit bei Nahrungsmitteln und Medikamenten sowie Engpässe bei der Strom- und Wasserversorgung machen vielen Venezolanern zu schaffen.

Seit 2017 haben mehr als 127.000 Venezolaner ihr Land verlassen und die Grenze nach Brasilien passiert, davon sind rund 69.000 in andere Länder weitergereist, wie die brasilianischen Behörden mitteilten. Im ersten Halbjahr dieses Jahres beantragten demnach rund 56.000 Venezolaner Bleiberecht in Brasilien.

kry/AFP/dpa/AP



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