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Zwei Selbstmordattentäter: Dutzende Tote bei Anschlag auf Kirche in Pakistan

Die Besucher verließen gerade den Gottesdienst: Bei einem Anschlag vor einer christlichen Kirche im unruhigen Nordwesten Pakistans sind mindestens 60 Menschen getötet worden. Augenzeugen berichten von grausigen Szenen vor dem Gotteshaus.

Peshawar - Vor einem christlichen Gotteshaus in Peschawar haben zwei Selbstmordattentäter sich in die Luft gesprengt und dabei mindestens 60 Menschen getötet. Dies bestätigten hochrangige Polizeivertreter der Provinz Khyber Pakhtunkhwa. Etwa 130 Menschen seien bei dem Doppelanschlag verletzt worden, sagte der diensthabende Arzt im Leady Reading Hospital, Iftikhar Ali.

Der Anschlag ereignete sich vor einer der ältesten Kirchen der Stadt, in einer belebten Zone mit vielen Märkten und Einkaufszentren. Die Explosionen erfolgten genau zu dem Zeitpunkt, als Besucher des Sonntagsgottesdienstes die Kirche verließen. Insgesamt hätten sich 600 Gläubige in der Kirche befunden, sagte ein Polizeisprecher.

"Ich hörte zwei Explosionen. Die Leute fingen an zu rennen. Überall waren menschliche Überreste vor der Kirche", berichtete eine weinende Augenzeugin, die verzweifelt ihre Schwester suchte. "Es war die Hölle für uns alle", sagte Nazir John, einer der Kirchenbesucher. "Als ich wieder zu Sinnen kam, sah ich überall nur Rauch, Staub, Blut und schreiende Menschen." Laut Polizei starben mindestens vier Kinder bei dem Anschlag. Niemand bekannte sich bisher zu der Tat.

Einige Bewohner protestierten unmittelbar nach der Tat lautstark gegen die mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen nahe der Kirche. Geschäfte wurden geschlossen.

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Anschlag auf Kirche in Peschawar: "Überall menschliche Überreste"

Es war der schlimmste Anschlag in Pakistan, seit Premierminister Nawaz Sharif von der Muslimliga im Juni vereidigt wurde. Sharif erklärte nach dem Attentat, "dass Terroristen keine Religion haben und dass es gegen die Lehre des Islam und aller Religionen ist, unschuldige Menschen anzugreifen".

Pakistan ist eines der gefährlichsten Länder der Welt für religiöse Minderheiten, hier Christen oder Schiiten, die immer wieder Opfer von Gewalttaten werden. Der an Afghanistan grenzende Nordwesten Pakistans ist eine Hochburg islamistischer Aufständischer.

Nur etwa vier Prozent der 180 Millionen Pakistaner sind Christen. Im Jahr 2009 steckten aufgebrachte Muslime in der Stadt Gojra im Punjab 40 Häuser und eine Kirche in Brand. Damals starben mindestens sieben Christen in den Flammen. Auslöser der Übergriffe waren Berichte über Koran-Schändungen.

ala/dpa/AP/Reuters

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