Terror in Pakistan Massaker an Uni - Sicherheitskräfte stürmen Campus

Terroranschlag im Nordwesten Pakistans: Bewaffnete haben eine Universität in Charsadda angegriffen und offenbar gezielt auf Studenten und Lehrer geschossen. Etliche Menschen starben.


Auf eine Universität in der pakistanischen Stadt Charsadda hat es einen Terrorangriff gegeben. Bewaffnete Täter drangen in die Hochschule im Nordwesten Pakistans ein. Augenzeugen berichten von Schüssen und Explosionen auf dem Campus.

Polizisten und Soldaten sind im Einsatz, sie lieferten sich Schusswechsel mit den Attentätern in Universitätsgebäuden. Pakistanische Behörden melden mindestens 19 Opfer. Auch vier Angreifer sollen getötet worden sein. Nach Angaben des Militärs seien alle Terroristen ausgeschaltet worden und der Anschlag damit beendet. Die Soldaten hätten die Angreifer erschossen, bevor sie ihre Sprengstoffwesten zünden konnten, hieß es.

"Die Angreifer sahen aus wie wir. Sie waren sehr jung", sagte ein Student der Zeitung "Dawn".

Auf dem Campus befanden sich zum Zeitpunkt des Überfalls mehr als tausend Studenten, 3000 sind insgesamt an der Uni eingeschrieben. Ein Dozent der Uni sagte Reuters, die meisten Studenten seien im Unterricht gewesen, als der Angriff begann. Er habe einen Sicherheitsbeamten am Telefon "von vielen Toten und Verletzten" sprechen hören.

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Terror in Pakistan: Massaker an Universität

Nach Medienangaben hatte der Angriff auf die Bacha-Khan-Universität gegen 9.30 Uhr Ortszeit begonnen. Wie verschiedene pakistanische Medien berichten, schossen die Täter auf Schüler und Lehrer, sowohl in Seminarräumen als auch in Wohnheimen.

Auswärtige Studenten und Dozenten leben in vier Wohnheimen auf dem Campus. Die nach einem Kämpfer für die Unabhängigkeit Pakistans benannte Universität wurde erst im Juli 2012 eröffnet. Die Webseite der Einrichtung zeigt ein weitläufiges Gelände und langgezogene, mehrstöckige Gebäude. Zu sehen ist auch, dass der Campus teilweise nur von einer etwa zwei Meter hohen Mauer begrenzt wird. Der Angriff ereignete sich nur zwei Tage nach Semesterbeginn, erst am Montag waren die Studenten und Dozenten aus den Ferien zurückgekehrt.

Zum Zeitpunkt des Angriff sollen sich zudem zahlreiche Gäste auf dem Campus befunden haben, weil am Mittwoch ein Poesiewettbewerb zu Ehren von Bacha Khan stattfand.

Die Tehreek-e Taliban, der pakistanische Zweig der Taliban, ist sich offenbar uneins, ob die Miliz die Verantwortung übernehmen soll. Kommandeur Umar Mansoor sagte, seine Kämpfer seien in die Universität eingedrungen. Der offizielle Talibansprecher Muhammad Khorasani bestritt hingegen in einer schriftlichen Erklärung, dass seine Organisation das Attentat verübte.

In der Gegend rund um die Provinzhauptstadt Peschawar herrscht seit Tagen Terrorangst: Sowohl am Dienstag als auch am vergangenen Samstag waren alle Schulen geschlossen und Schüler nach Hause geschickt worden, nachdem es Gerüchte über Angreifer in Schulen gegeben hatte.

Der Gouverneur der Provinz Khyber Pakhtunkhwa bemühte sich, die Sorgen der Eltern zu zerstreuen. Die Polizei sei in Alarmbereitschaft versetzt worden, um einem möglichen Angriff zu begegnen. Alle staatlichen wie privaten Lehranstalten hätten seitdem die Pflicht, Sicherheitspersonal zu beschäftigen, Überwachungskameras laufen zu lassen und das Gelände mit Stacheldraht zu sichern.

Die Provinz Khyber Pakhtunkhwa ist eine Hochburg der pakistanischen Taliban. Im Dezember 2014 hatten sie in einer Schule in Peschawar 136 Kinder getötet. Danach hatte das pakistanische Militär mehrere große Offensiven gegen die Extremisten gestartet.

syd/cht/heb/puz/Reuters/dpa



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