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Blasphemievorwurf: Pakistanische Christen fliehen vor Mob

Von , Islamabad

Nach Blasphemievorwurf: Marodierende Demonstranten in Lahore Fotos
AFP

Ein Mob hat im pakistanischen Lahore Häuser von Christen in Brand gesetzt. Ein Muslim hatte einem Christen Blasphemie vorgeworfen. Der Beschuldigte ist in Haft, doch Tausende ziehen weiter plündernd durch die Siedlung. Die Bewohner flüchten aus Angst um ihr Leben.

Es ist nur wenig bekannt: Ein 28-jähriger Christ soll sich häufiger beleidigend über den Propheten Mohammed geäußert haben. Beweise gibt es keine, nur diese eine Behauptung von Shahi Imran, einem mit ihm befreundeten muslimischen Friseur. Der 28-Jährige habe "immer mal wieder" Ungehöriges gesagt, um damit Muslime zu ärgern, sagen ein paar Leute, die vor dem Haus des Christen herumlungern. Ob sie es selbst gehört haben? Alle schütteln den Kopf. "Aber es wird schon stimmen. Warum sollte sonst unser Bruder diesem Mann Blasphemie vorwerfen?", sagt einer.

So wenig genügt in Pakistan, um einen Mob von mehreren tausend Randalierern zu mobilisieren, die Menschen schlagen, Steine werfen, Häuser anzünden und bereit sind zu morden. So auch in diesem Fall in der pakistanischen Millionenmetropole Lahore: Am Donnerstag soll der Christ vor seinen muslimischen Freunden angeblich wieder Böses über den Propheten gesagt haben. Die Männer sind betrunken, der Streit eskaliert. Einer der Männer droht ihm daraufhin mit einem Messer, doch der Christ zeigt sich unbeeindruckt. Daraufhin mobilisiert der Aufgebrachte am nächsten Tag mehrere Freunde, um dem Christen einen Denkzettel zu verpassen.

Auf dem Weg zu seinem Haus in einer ärmlichen Siedlung, in der etwa 150 christliche Familien leben, schließen sich immer mehr Menschen dem Mob an, vor allem aus einer nahegelegenen Moschee strömen junge Männer herbei. Sie marschieren zum Haus des Christen, schreien "Allah ist groß!" und werfen Steine auf das Gebäude. Enttäuscht stellen sie fest, dass der Gesuchte geflüchtet ist. Stattdessen finden sie seinen Vater und schlagen auf ihn ein. Ein Pastor aus der Nachbarschaft eilt herbei, um zu schlichten. Die Menge wirft Steine auf ihn und auf sein Auto.

"Wir werden ihn in Stücke schneiden"

"Wenn wir den Gesuchten finden, werden wir ihn in Stücke schneiden", ruft ein Mann in der Menge, den die anderen als Korangelehrten bezeichnen. Die Situation gerät außer Kontrolle. Immer mehr Menschen finden sich ein, randalieren, die Polizei spricht am Samstag von etwa 3000 Menschen. Ein paar Männer zünden das Haus an. Mehrere hundert Bewohner der Siedlung, darunter Frauen und Kinder, flüchten. Sie befürchten, Opfer der Selbstjustiz zu werden, die häufig auf Blasphemievorwürfe folgt.

Immer mehr Polizisten treffen ein, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Sie finden den der Blasphemie beschuldigten Christen. Auf Druck der Menge verhaften sie ihn, "vor allem zu seinem eigenen Schutz", sagt ein Polizeisprecher. Der Mann, der den Vorwurf erhoben hatte, reicht Klage wegen Blasphemie ein. Die Sicherheitskräfte reden auf die Protestierenden ein, sie versprechen, dass der Angeklagte gemäß dem Gesetz bestraft werde, sollten sich die Vorwürfe als wahr herausstellen.

Doch die Menge lässt sich nicht beruhigen. Bis zum Samstagmorgen dringen Plünderer in mehrere Häuser ein, zerren Möbel auf die Straßen, zünden sie neben Fahrrädern, Rikschas und Autos an. Mindestens 40 Häuser gehen in Flammen auf. Manche Beobachter sprechen sogar von 125 niedergebrannten Gebäuden. Am Samstagabend ist kaum noch einer der Bewohner in der Siedlung anzutreffen, fast alle haben sich in Sicherheit gebracht.

Regierung will Opfer finanziell entschädigen

Blasphemie ist in Pakistan ein ungeheuerlicher Vorwurf. Im schlimmsten Fall kann ein Todesurteil die Folge sein. Zwar wurde noch nie ein wegen Blasphemie zum Tode Verurteilter auch hingerichtet, doch oft werden die Beschuldigten Opfer von Lynchjustiz. Der Blasphemievorwurf wird bei Streitigkeiten gerne als Waffe eingesetzt.

Seit bald vier Jahren sitzt beispielsweise eine Frau in der Todeszelle, der in einem Nachbarschaftsstreit Blasphemie vorgeworfen wurde. Die ihr von der Regierung zugesicherte Hilfe bleibt aus, seitdem ein Gouverneur und ein Minister, die sich für sie eingesetzt hatten, ermordet wurden. Im vergangenen Herbst sorgte der Blasphemievorwurf gegen ein Mädchen weltweit für Aufsehen, das angeblich Seiten eines Lehrbuchs mit Koranversen verbrannt haben sollte. Später stellte sich heraus, dass ein Geistlicher die Seiten absichtlich in einen Müllbeutel gesteckt hatte.

Pakistans Präsident Asif Ali Zardari erklärte, er sei schockiert über den jüngsten Vorfall. Er ordnete an, dass Ordnungskräfte für die Sicherheit der Menschen in der Siedlung sorgen sollen. Der Schutz der Rechte aller Bürger, ob Muslime oder nicht, sei die "Hauptaufgabe der Regierung", ließ er am Samstag verbreiten. Die Regierung werde "dieses in der pakistanischen Verfassung verankerte Recht" verteidigen.

Der Justizminister der Provinz Punjab, deren Hauptstadt Lahore ist, sagte, es gebe "überhaupt keinen Grund für Gewalt, zumal der Beschuldigte festgenommen worden" sei. Gegen die Gewalttäter werde Klage wegen Vandalismus erhoben. Außerdem, verspricht der Minister, würden die Christen, die ihr Hab und Gut verloren hätten, "innerhalb von fünf Tagen" von der Regierung entschädigt werden.

Shahi Imran, der Klageführer, will mit der Randale nichts zu tun haben. Einem Fernsehsender sagt er, er trage keine Verantwortung für die Gewalt, er sei schließlich nicht vor Ort gewesen, als die Randalierer eintrafen. Er habe dem der Blasphemie bezichtigten Christen zwar eine Lektion erteilen wollen - doch die anderen Christen hätte man in Ruhe lassen sollen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 128 Beiträge
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1. typisch
Orthoklas 09.03.2013
Ja, typisch. Leider. Es gibt sie, die netten, moderaten, offenen Muslime. Aber wenn Muslime andere Muslime in Stücke sprengen oder Christen enthaupten, wundert sich kein Mensch mehr. Der Islam steckt schon längst in einem Zersetzungsprozess - wehe, wenn die unterdrückten und radikalisierten Muslime in Freiheit und wirtschaftlicher Sicherheit leben: sie werden zu hunderttausenden ihrer Religion den Rücken kehren.
2. Bildung, Bildung, Bildung
guntalk 09.03.2013
Ein erneuter Beweis dafür wie unheimlich wichtig Bildung ist. Ich wage jetzt mal zu behaupten, dass ein Großteil derer, die dort marodierend durch die Straßen ziehen, keinen Zugang zu ausreichender Bildung hatten und haben (Islamschule gilt nicht). Wer sich von der Behauptung einer einzelnen Person dazu verleiten lässt solch ein Chaos anzurichten kann nur Analphabet sein und ist in den muslimischen Ländern leider ganz und garnicht allein. http://www.omnia-verlag.de/oe_img/Kultur_Bildung/Analphabeten.jpg
3. Mittelalterliche Kulturen....
john_daniels 09.03.2013
....benötigen mittelalterliche Herrscher. Es ist doch in allen islamischen Ländern gerade dasselbe. Arabischer Frühling ? Eine Lachnummer linksträumerischer Medien ! - Wir sollten den Islam vielleicht einfach noch 100 Jahre sich selbst überlassen. Außer das er (noch) Öl hat, hat er ja im Moment nichts bereicherndes zur Welt beizutragen. Dann kann man die Sache ja nochmal neu bewerten.
4. haha
_busty 09.03.2013
und da spricht alle welt von einer friedensreligion, dass ich nicht lache..
5. ...
sponnerd 09.03.2013
Ersetzen Sie die Worte Bayern durch Saudi Arabien und Kirche durch Islam. Danach posten Sie diesen Beitrag in einem Internetforum in Saudi Arabien. Danach werden Sie Gott (dem christlichen) auf Knien danken, dass Sie nicht dort wohnen!
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Das Blasphemie-Gesetz
Was in dem Gesetz steht
Das Blasphemiegesetz ist im pakistanischen Strafgesetzbuch verankert. Es umfasst vier Paragraphen mit verschiedenen Unterpunkten. Grundsätzlich verbietet das Gesetz die Beleidigung jeder Religion. Die schwersten Strafen können bei der Schändung des Koran (darauf steht lebenslange Haft) und des Namens des Propheten Mohammed (dafür ist die Todesstrafe vorgesehen) verhängt werden. Zwar ist in Pakistan nie ein Todesurteil wegen Blasphemie vollstreckt worden, mehrere Angeklagte wurden aber nach ihrer Freilassung gelyncht.
Die Anklagen
Seit Einführung des Blasphemiegesetzes im Jahr 1986 kam es nach einer Statistik der christlichen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden (NCJP) mit Sitz im pakistanischen Lahore bis Ende 2010 zu 1072 Anklagen. 13 Prozent der Angeklagten waren demnach Christen - sie machen aber nach offiziellen Angaben nur knapp 1,6 Prozent der pakistanischen Bevölkerung aus. Die meisten Anklagen wurden gegen Ahmadis erhoben, Angehörige einer Reformgemeinschaft. Sie sehen sich selbst als Muslime, dürfen sich aber nach dem Gesetz nicht als solche bezeichnen.
Kritik an dem Gesetz
Pakistans Blasphemiegesetz ist international, aber auch in dem mehrheitlich muslimischen Land selbst umstrittenen. Islamisten halten es für ein von Gott gemachtes Gesetz, das daher nicht geändert werden darf. In seiner jetzigen Form wurde es 1986 von Militärdiktator Muhammad Zia ul-Haq eingeführt. Religiöse Minderheiten und liberale Muslime fordern einen besseren Schutz vor Missbrauch des Gesetzes. Minderheiten wie etwa Christen werden überproportional oft angeklagt.

Fakten über Pakistan
Staatsgründung
Pakistan entstand 1947 aus den überwiegend muslimischen Teilen von Britisch-Indien. Zunächst bestand es aus den beiden Landesteilen West- und Ostpakistan, zwischen denen mehr als 1500 Kilometer Entfernung lagen. Beiden Teilen mangelte es jedoch an einer gemeinsamen nationalen Identität. Nach einem Krieg, bei dem Indien dem Osten half, entstand 1971 als neuer Staat Bangladesch .
Kaschmir-Konflikt
Seit der Staatsgründung führte Pakistan zwei große Kriege mit dem Nachbarn Indien um die Grenzregion Kaschmir , 1947/48 und 1965. Der Fürstenstaat Kaschmir hatte sich zunächst zu Indien zugehörig erklärt. Der islamische Staat Pakistan beanspruchte das überwiegend von Muslimen bewohnte Kaschmir jedoch für sich und gewann die Herrschaft über den westlichen und nördlichen Teil der Region. Doch auch Indien betrachtete Kaschmir als sein Territorium. Die von der Uno 1948 vorgeschlagene und vom indischen Premierminister versprochene Volksabstimmung, in der die kaschmirische Bevölkerung selbst über ihre Zukunft entscheiden sollte, wurde nie durchgeführt.

Seit den achtziger Jahren kämpfen im indischen Teil Kaschmirs muslimische Rebellen für die Unabhängigkeit der Region oder einen Anschluss an Pakistan. 1999 kam es wieder zu größeren militärischen Auseinandersetzungen mit mehreren hundert Toten, und 2001 standen die Atommächte Indien und Pakistan erneut am Rande eines Krieges. 2004 wurde ein Friedensprozess zwischen Neu-Delhi und Islamabad eingeleitet.

Der pakistanische Geheimdienst ISI steht im Verdacht, Kontakte zu islamistischen Terroristen zu pflegen. Indien wirft Pakistan die Unterstützung muslimischer Terroristen vor. Auch hinter der Anschlagserie in Mumbai 2008 vermutet Neu-Delhi islamistische Terroristen aus Pakistan.

Islam
Mit der Verfassung von 1956 wurde Pakistan die erste islamische Republik der Welt. Der Islam ist Staatsreligion, gleichzeitig garantiert die Verfassung jedoch Religionsfreiheit. 96 Prozent der Pakistaner sind Muslime, der Präsident muss ebenfalls Muslim sein. Seit der Staatsgründung haben Spannungen zwischen verschiedenen Gruppen über die Rolle des Islam im Staatsverständnis die Innenpolitik beherrscht.

Immer wieder gab es auch islamistische Tendenzen. So führte Diktator Zia ul-Haq die Scharia , die islamische Rechtsprechung, ein. 1997 erkannte Pakistan als erster Staat das extremistische Taliban -Regime in Afghanistan an und unterstützte es bis zu den Anschlägen vom 11. September 2001 . Während die Zentralregierung in Islamabad zu einem der wichtigsten Verbündeten der USA im Anti-Terror-Krieg avancierte, erstarkte die islamistische Opposition im Land.

Macht der Taliban
In den Stammesgebieten in der nordwestlichen Provinz an der Grenze zu Afghanistan hat die pakistanische Zentralregierung nur begrenzten Einfluss. Dort herrschen islamistische Extremisten und pakistanische Taliban , die sich teilweise auf die Hilfe der regionalen Stammesführer stützen. Die Enttäuschung über die korrupte staatliche Justiz und Verwaltung erhöhte die Attraktivität des Islamismus in der Bevölkerung.

Verstärkung erhielten die radikalen Islamisten von afghanischen Taliban aus den Reihen von Mullah Omar sowie Qaida -Kämpfern, die aus Afghanistan geflohen sind. Militante betreiben hier in Waziristan auch Ausbildungslager für international operierende Dschihadisten.

Kampf gegen die Extremisten
Die pakistanische Armee führte ab 2003 wiederholt Militäraktionen im Nordwesten gegen die Taliban - und Quaida -Terroristen durch. Als Reaktion verübten Terroristen verheerende Anschläge in pakistanischen Städten.

Die Amerikaner versuchen, die islamistischen Extremisten in ihren pakistanischen Verstecken mit ferngesteuerten Präzisionsraketen zu treffen. Doch diese Drohnen -Angriffe sind bei der Bevölkerung äußerst unpopulär und treiben die Menschen in die Arme der militanten Islamisten.

Das pakistanische Militär scheute zunächst die ernsthafte Konfrontation mit den Extremisten. Die Armee und der pakistanische Geheimdienst ISI haben diese Gruppierungen zum Teil Anfang der achtziger Jahre selbst aufgebaut, um im Kampf gegen die Sowjets in Afghanistan mitzumischen, und haben sie später im Kaschmir-Konflikt eingesetzt. Und noch immer betrachten viele Offiziere die Taliban nicht als ihren eigentlichen Gegner – der wahre Feind sei Indien .

Um die Aufständischen in den Stammesgebieten ruhigzustellen, versuchte schon Präsident Pervez Musharraf , Abkommen mit ihnen zu schließen, und versagte. Im April 2009 scheiterte ein Friedensabkommen, das sein Nachfolger, Staatschef Asif Ali Zardari , ausgehandelt hatte: Die Taliban sollten die Waffen niederlegen und im Gegenzug in der Region Malakand, zu der das Swat-Tal und fünf weitere Distrikte gehören, die Scharia anwenden dürfen. Mit Hilfe des islamischen Rechts können sich die Taliban die Bevölkerung legal gefügig machen - wer sich gegen ihre Herrschaft auflehnt, wird geköpft. Statt einer Feuerpause brachten sie vom Swat-Tal aus mehrere Distrikte unter ihre Kontrolle und rückten bedrohlich nahe an die Hauptstadt Islamabad heran, bis die Armee im Frühjahr 2009 eingriff und die Gebiete zurückeroberte. Im Oktober 2009 begann das Militär außerdem einen Krieg gegen die Taliban in der Region Südwaziristan.

Atomwaffen
1985 wurde in Pakistan erstmals Uran angereichert, seit 1998 besitzt das Land nachweislich Atomwaffen : Nur Tage nach indischen Atomtests zündete Pakistan im Mai 1998 in der Nähe der unbewohnten Chagai-Berge erfolgreich Kernwaffen. Die genaue Zahl der atomaren Sprengköpfe ist nicht bekannt, aber es sollen 60 bis 100 sein, die an verschiedenen Stellen im Land gelagert und von rund 10.000 Soldaten bewacht werden.

Damit gehört Pakistan neben den fünf offiziellen Atommächten USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China sowie Indien, Israel und Nordkorea zum Kreis der neun Nuklearmächte, was die Bedeutung des verarmten Landes stark erhöht.

Militärbeobachter befürchten, Nuklearwaffen aus dem pakistanischen Waffenarsenal könnten aufgrund der Instabilität des Landes in die Hände von Extremisten fallen. Diese hätten damit ein Mittel in der Hand, dem Westen ihre Bedingungen zu diktieren. Geschürt wird die Angst vor diesem Horrorszenario dadurch, dass die Taliban in den vergangenen Monaten ihre Basis in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan ausgebaut haben. Im April 2010 rückten sie bis auf 100 Kilometer Entfernung auf die Hauptstadt Islamabad vor, bevor sie vom pakistanischen Militär zurückgedrängt wurden.


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