Protest in Pakistan Mit Kindergesichtern gegen Drohnenangriffe

Wenn US-Soldaten künftig Drohnenangriffe planen, blicken sie in Kinderaugen. Künstler haben auf Feldern in Pakistan riesige Plakate mit Kindergesichtern ausgelegt. Sie protestieren gegen die Luftangriffe, bei denen seit 2004 mehr als 300 Jungen und Mädchen getötet wurden.

Anti-Drohnen-Plakat in Pakistan: 330 Kinder wurden seit 2004 bei Luftangriffen getötet
AFP PHOTO / INSIDE OUT PROJECT

Anti-Drohnen-Plakat in Pakistan: 330 Kinder wurden seit 2004 bei Luftangriffen getötet


Islamabad - Bug Splat. Dieser Begriff bezeichnet im Englischen den Fleck, den ein Insekt hinterlässt, wenn es zerquetscht wird. US-Soldaten, die Drohnen fernsteuern, sollen mit diesem Begriff auf zynische Weise auch die Menschen bezeichnen, die sie per Knopfdruck in Pakistan, Jemen oder Afghanistan töten.

Doch oft töten die Drohnenangriffe keine Terroristen, sondern unschuldige Zivilisten. Eine Künstlergruppe will genau darauf aufmerksam machen: Sie hat auf Feldern riesige Plakate ausgelegt, auf denen aus der Luft Kindergesichter zu sehen sind. Die Aktion steht unter dem Motto "Not a Bug Splat".

"Wir wollen den Unterschied zwischen einem Menschen als kleinem Punkt auf der Erde und einem großen Gesicht zeigen", sagte einer der Künstler über die Kampagne. Die Initiatoren hofften auf "Mitleid" und eine "Selbstprüfung" der Verantwortlichen.

Das Kind, das auf dem ersten Großplakat zu sehen ist, hat nach Angaben der Initiatoren seine Eltern und zwei jüngere Geschwister bei Drohnenangriffen verloren. Die Region Khyber-Pakhtunkhwa, in der die Kunstaktion stattfindet, ist in den vergangenen Jahren häufig aus der Luft attackiert worden. Nach Angaben von Amnesty International sind dabei landesweit seit 2004 etwa 900 Menschen bei Drohnenangriffen getötet worden, unter ihnen 330 Kinder.

Die pakistanische Regierung in Islamabad prangert die Einsätze offiziell als Verletzung der Souveränität an, duldet die Luftschläge aber bislang.

syd/AFP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 69 Beiträge
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Seite 1
romeov 09.04.2014
1. Auch davon wird sich keiner abschrecken lassen!
Der Krieg ist zur Computeranimation geworden. Ist ja nur ein Knopfdruck ein paar tausend Kilometer entfernt. Der Westen versteht sich eh als die Leitkultur und weil er das Recht auf seiner Seite hat, darf er offensichtlich auch richten, wie es ihm passt.
muellerthomas 09.04.2014
2.
Zitat von romeovDer Krieg ist zur Computeranimation geworden. Ist ja nur ein Knopfdruck ein paar tausend Kilometer entfernt. Der Westen versteht sich eh als die Leitkultur und weil er das Recht auf seiner Seite hat, darf er offensichtlich auch richten, wie es ihm passt.
Und als noch Mann gegen Mann gekämpft wurde, war die Welt viel friedlicher?
Artgarfunkel 09.04.2014
3.
Als wenn das jemanden störte..... Das Großkapital wird schon dafür sorgen und entsprechend Einfluss nehmen, dass die Waffen, egal wo und gegen wen, auch verwendet werden. Schliesslich muss ja für Umsatz gesorgt werden. Bei Zahnbürsten und anderen Konsumgütern geht das durch eine vorher festgelegte Soll-Lebensdauer, Waffen müssen eben abgeschossen werden. Was wäre die Welt ohne Wirtschaftswachstum? So'n paar Kinder stören da doch nur.
Higans 09.04.2014
4.
Zitat von muellerthomasUnd als noch Mann gegen Mann gekämpft wurde, war die Welt viel friedlicher?
ja ganz genau, damals waren die sogenannten Kollataralschäden deutlich geringer
kuddemuddel 09.04.2014
5. Unfassbar
Die Tötung unschuldiger Menschen ohne Rechtsgrundlage unter Verletzung der Souveränität eines fremden Staates auf feige Art und Weise mit Drohnen durch den demokratischsten und friedliebendsten Staat der Welt, angeführt von einem Friedensnobelpreisträger. Scheint irgendwie keinen zu stören.
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