Pakistan Dutzende Tote bei Bombenanschlag auf Schiiten

Verheerender Anschlag im Südwesten Pakistans: Eine ferngezündete Bombe hat auf dem Marktplatz von Quetta mindestens 81 Menschen getötet, bis zu 200 wurden verletzt. Die meisten Opfer sind Schiiten.

AFP

Quetta - Schon wieder ein blutiger Angriff auf Schiiten im südwestlichen Pakistan: Bei einem Bombenanschlag in der Stadt Quetta sind an diesem Samstag mindestens 81 Menschen getötet und knapp 200 verletzt worden. Die Explosion habe sich auf einem belebten Gemüsemarkt in einem schiitisch geprägten Wohnviertel ereignet, teilte die Polizei mit. Die meisten Opfer seien Schiiten, unter den Toten seien auch Kinder.

Durch die Wucht der Explosion wurde ein großes Gebäude zerstört, zahlreiche Läden wurden beschädigt, wie ein Polizeichef sagte. Viele der Opfer wurden unter den Trümmern begraben, doch genaue Zahlen konnte die Polizei noch nicht nennen. Zahlreiche Verletzte befänden sich in einem kritischen Zustand.

Der Sprengsatz ist jüngsten Angaben zufolge offenbar in einem Wasser-Tankwagen versteckt gewesen und ferngezündet worden. Die Täter hätten bis zu 80 Kilogramm Sprengstoff eingesetzt. Laut der Nachrichtenagentur Reuters hat sich die verbotene extremistische sunnitische Gruppe Lashkar-i-Jhangvi zu der Tat bekannt. Es wäre nicht der erste blutige Anschlag dieser Gruppierung.

Schiitische Gruppen riefen aus Protest zu Streiks auf. Schiiten sind in der Provinz wiederholt zum Ziel von Anschlägen geworden. Örtliche Nationalisten kämpfen für einen größeren Anteil am Gewinn aus den Gas- und Mineralvorkommen der Region. Neben der sektiererischen Lashkar-i-Jhangvi sind militante Islamisten in der Provinz aktiv.

Premierminister Raja Pervez Ashraf verurteilte den Anschlag und bekräftige die Entschlossenheit Pakistans, den Terrorismus zu bekämpfen. "Die Terroristen werden es nicht schaffen, unseren Willen durch solch feige Taten zu brechen", sagte Ashraf.

Mitte Januar hatte Pakistans Regierungschef die Provinzregierung entlassen, nachdem bei einem Doppelanschlag in Quetta mehr als 90 Menschen getötet worden waren. Familien der Opfer hatten sich damals aus Protest gegen den fehlenden Schutz durch die Regierung tagelang geweigert, ihre Toten zu bestatten und stellten Dutzende Särge in der Hauptstraße von Quetta auf. Für Sonntag kündigte die neue Provinzregierung nun einen offiziellen Tag der Trauer an.

hpi/sun/Reuters/AFP/AP/dpa

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