Pakistan Polizei tötet Dutzende Verdächtige nach Selbstmordanschlag

Es war einer der größten Anschläge in der Geschichte Pakistans - und auch in den Stunden danach nimmt die Gewalt kein Ende. Bei landesweiten Razzien wurden mehr als hundert Personen getötet.

Sufi-Schrein in Sehwan
AFP

Sufi-Schrein in Sehwan


Geschlossene Grenzen, viele Festnahmen, Dutzende Tote: Nach dem verheerenden Anschlag auf einen Schrein in Pakistan greifen die Behörden hart durch. Bei landesweiten Razzien in den Stunden nach dem Selbstmordattentat wurden nach Angaben der Armee "mehr als hundert Terroristen" getötet. Ein Regierungsvertreter sagte, es seien zudem "sehr viele Verdächtige in mehreren Städten" inhaftiert worden. Pakistans Regierungschef Nawaz Sharif erklärte, Aufständische würden "mit aller Kraft des Staates" bekämpft.

Ein Selbstmordattentäter hatte sich am Donnerstag in einem jahrhundertealten Sufi-Schrein in Sehwan in der südlichen Provinz Sindh inmitten Hunderter Gläubiger in die Luft gesprengt. Dabei wurden jüngsten Angaben aus Krankenhäusern zufolge mindestens 83 Menschen getötet, darunter mindestens 20 Kinder. Rund 250 Menschen wurden verletzt.

Laut dem Regierungsvertreter soll der Einsatz der Ermittler nun in den kommenden Tagen fortgesetzt werden. Ein Militärsprecher gab zudem an, dass die lange und durchlässige Grenze zu Afghanistan geschlossen worden sei, da die Behörden dort Extremisten vermuteten. Die afghanische Regierung sei aufgefordert worden zu handeln und "76 Terroristen, die sich in Afghanistan verstecken", auszuliefern.

IS reklamierte Tat für sich

Die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) hatte das Attentat für sich reklamiert. Es war der folgenschwerste Anschlag in Pakistan seit dem Attentat auf eine Schule in Peshawar Ende 2014, als mehr als 150 Menschen getötet wurden. Im vergangenen November wurden bei einem Bombenattentat der IS-Dschihadisten auf einen Sufi-Schrein in der Provinz Belutschistan 50 Menschen getötet. Die Provinzregierung von Sindh rief eine dreitägige Trauer aus.

Der angegriffene Schrein von Lal Shahbaz Qalandar, einem muslimischen Sufi-Meister aus dem 13. Jahrhundert, gehört zu den am meisten verehrten Heiligtümern in Pakistan. Radikalsunnitische Gruppen wie der IS sehen die Anhänger der mystisch-sufistischen und als liberal geltenden Strömung im Islam als Ketzer an.

Der Fernsehsender Geo TV berichtete, dass landesweit die öffentlichen Areale und Parkplätze vor Sufi-Schreinen geschlossen worden seien. Es gibt in Pakistan mindestens ein Dutzend großer, hochverehrter Sufi-Tempel und viele kleinere.

Immer wieder Bombenanschläge

In Pakistan verüben Islamisten immer wieder Bombenanschläge. Allein am Mittwoch sprengten sich vier Selbstmordattentäter im Nordwestens des Landes in die Luft und töteten sechs Menschen. Die Regierung bestreitet, dass der IS in Pakistan präsent ist und spricht stattdessen von Einzeltätern.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amts verurteilte in Berlin den "hinterhältigen Terroranschlag gegen friedliche, nichtsahnende Pilger". Das "Kalkül der Terroristen, Hass zu schüren und so Pakistan zu destabilisieren", dürfe nicht aufgehen.

Wegen befürchteter Racheanschläge warnte das Auswärtige Amt vor Reisen nach Khyber-Pakhtunkhwa, in die Stammesgebiete an der Grenze zu Afghanistan und nach Belutschistan.

kev/AFP/dpa



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