Pakistan Führer der Roten Moschee bietet Waffenstillstand an

Hochspannung an der Roten Moschee in Islamabad: Mindestens zwölf Tote gestern, erneute Schusswechsel heute Morgen. Nun bot der führende Geistliche des islamistischen Zentrums einen bedingten Waffenstillstand an.


Islamabad - "Wir sind bereit, die Waffen niederzulegen, wenn wir die schriftliche Garantie bekommen, dass die Sicherheitskräfte nicht angreifen", sagte Abdul Rashid Ghazi, hoher Geistlicher an der Roten Moschee (Lal Masjid) in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad einem privaten Fernsehsender. "Wir haben unsere Schüler angewiesen, nicht das Feuer zu eröffnen", fügte Ghazi, der die radikalislamische Moschee und ihre Koranschule zusammen mit seinem Bruder leitet, hinzu. Den Sicherheitskräften warf er vor, das Feuer bei der Versammlung zum Morgengebet eröffnet zu haben.

Rote Moschee: Armee bezieht Stellung
AP

Rote Moschee: Armee bezieht Stellung

Bei Kämpfen am Morgen kam nach Angaben aus Krankenhauskreisen ein Koranschüler ums Leben. Zudem starben in der Nacht im Krankenhaus den Angaben zufolge drei Verletzte. In der Nacht hatten hunderte Soldaten um die Lal Masjid Stellung bezogen. Die Regierung hatte zuvor eine Ausgangssperre verhängt und gedroht, Bewaffnete zu erschießen. Panzerfahrzeuge bezogen Stellung. Der Strom in der Umgebung der Moschee und ihrer Koranschule wurde abgestellt.

"Es wurde die Entscheidung getroffen, einen Einsatz zu beginnen. Das heißt nicht, dass wir die Moschee stürmen werden, aber wir werden keine Verletzung der Ausgangssperre zulassen", sagte Vize-Innenminister Zafar Warriach. "Das ist eine wichtige Entscheidung, sie könnte historisch sein. Diese ungesetzlichen Aktivitäten werden wir nicht mehr zulassen."

Die Behörden setzten den Führern eine Frist, bis zu der sie die Waffen niederlegen sollten. Nach Ablauf dieser Frist um 11.00 Uhr Ortszeit (8.00 Uhr MESZ) ergaben sich zahlreiche Schüler der radikalen Koranschule. Der Nachrichtensender Geo TV meldete, mehr als 100 Schüler hätten nach den schweren Kämpfen ihre Waffen niedergelegt.

Der Geistliche Ghazi dementierte Angaben, wonach sich Selbstmordattentäter in der Moschee aufhielten. Geistliche der Moschee hatten gestern angesichts der Toten Rache für das "Blut der Märtyrer" durch Selbstmordattentate geschworen. Auch Abdul Rashid Ghazis Bruder Abdel Aziz hatte im April mit Selbstmordattentaten gedroht.

Mit den neuen Opfern stieg die Zahl der Toten auf mindestens 16. Rund 150 Menschen waren nach Angaben von Ärzten verletzt worden. Die Lal Masjid befindet sich seit mehreren Monaten im Konflikt mit der Regierung. Präsident Pervez Musharraf hatte in der vergangenen Woche erklärt, Selbstmordattentäter einer mit der Terrororganisation al-Qaida in Verbindung stehenden militanten Gruppe versteckten sich in dem Gotteshaus. Von einer Stürmung hatten die Behörden bisher abgesehen, vor allem, um die tausenden Schüler und besonders die Schülerinnen zu schützen.

Die Entscheidung zu weiteren Einsätzen der Armee gegen die Moschee fiel gestern am Abend nach Beratungen von Musharraf mit Ministerpräsident Shaukat Aziz und hochrangigen Sicherheitsbeamten über das weitere Vorgehen angesichts der Eskalation.

asc/AFP/Reuters/dpa



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