Anti-Polio-Kampagne: Fünf Impfhelfer in Pakistan erschossen

Sie wollten Kinder in Pakistan gegen die lebensgefährliche Kinderlähmung schützen - jetzt wurden fünf Mitarbeiter einer Anti-Polio-Kampagne getötet, unter ihnen vier Frauen. Ob die Taliban hinter den Attentaten stecken, war zunächst nicht klar.

Helfer bringen die Leiche eines Opfers weg: Taliban verbieten Polio-Impfung Zur Großansicht
DPA

Helfer bringen die Leiche eines Opfers weg: Taliban verbieten Polio-Impfung

Islamabad - Impfhelfer in Pakistan leben gefährlich. Die radikalislamischen Taliban verdächtigen sie, Spione zu sein. Die Islamisten haben deshalb Impfungen gegen den lebensgefährlichen Polio-Virus verboten. Jetzt sind fünf Helfer einer Impfkampagne in Karachi erschossen worden. Vier der Opfer sind Frauen, teilte die Polizei mit. Die Mitarbeiter waren im Auftrag des Gesundheitsministeriums unterwegs.

Die Attacke in drei verschiedenen Stadtteilen sei sehr gut organisiert und koordiniert gewesen, sagte der für die Provinz zuständige Gesundheitsminister Saghir Ahmed der Nachrichtenagentur AP. Das Attentat ereignete sich während einer dreitätigen Impfkampagne von Unicef.

Diese werde nun in Karachi und der südöstlichen Provinz Sindh, in der die 18-Millionen-Stadt liegt, ausgesetzt, teilten Vertreter der Gesundheitsbehörden mit.

Polio-Infektionen können zu schweren, dauerhaften Lähmungen oder gar zum Tod führen. Fast überall auf der Welt gilt die Krankheit als ausgerottet, doch in Pakistan werden noch regelmäßig Fälle gemeldet. Im Jahr 2011 waren es insgesamt 198 Erkrankungen, in diesem Jahr infizierten sich bereits 35 Kinder.

Bisher bekannte sich niemand zu der Tat. Bereits am Montag war ein Impfhelfer in Karachi erschossen worden, wie die Uno mitteilte. In der Stadt Peschawar im Nordwesten schossen am Dienstag Bewaffnete auf einem Motorrad ein 17-jähriges Mädchen an. Sie überwachte die Anti-Polio-Impfung, wie ein Regierungssprecher sagte. Über ihren Zustand gibt es unterschiedliche Meldungen, einige besagen, dass das Mädchen starb, andere sagen, sie sei verletzt worden.

Die Taliban lehnen die Impfungen auch aus Protest gegen US-Drohnenangriffe ab, wie sie betonen. Der islamistische Milizenführer Hafis Gul Bahadur aus Nordwaziristan war einer der ersten, der Impfungen untersagte. Als Sanitäter verkleidete Spione würden die Impfungen nutzen, um die Region für bevorstehende Drohnenangriffe auszuspionieren, so Bahadur.

Seit Jahren stellen Islamisten solche Behauptungen auf. Die Tötung von Qaida-Chef Osama Bin Laden 2011 sahen sie als Bestätigung für ihren Verdacht. Im Rahmen einer vorgetäuschten Polio-Vorsorgeaktion in Bin Ladens Versteck Abbottabad soll ein pakistanischer Arzt den Amerikanern geholfen haben, an DNA-Proben der Familie zu kommen. Im Mai wurde der Arzt Schakil Afridi zu 33 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestreitet, dass Afridi eine Polio-Impfung durchgeführt hat.

heb/Reuters/AP/AFP

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insgesamt 39 Beiträge
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1.
de-be 18.12.2012
tja, leider nicht ganz grundlos diese Behauptung ...
2. Was willst Du sagen zu den Geschichten ?
Gerdtrader50 18.12.2012
Sollen Ihren Allerwertesten aus islamischen Ländern mit hohem Fundamentalistenanteil draußen halten, dann haben sie den Salat nicht. Du kannst aber diesen Gutmenschen mit ihrem ausgeprägten Helfersyndrom eigentlich nicht helfen und zum Psychiater begeben sie sich ja auch nicht. Bleiben nur noch die Kugeln, das ist aber auch nicht lehrreich, weil lethal meist und die Übergebliebenen lernen trotzdem meistens nicht daraus. Mein Beileid trotzdem.
3. optional
TheBlackJack 18.12.2012
Anscheinend wollen die US-Lobbys nicht das in Pakistan gesunde Kinder bleiben.
4.
XRay23 18.12.2012
Zitat von TheBlackJackAnscheinend wollen die US-Lobbys nicht das in Pakistan gesunde Kinder bleiben.
Würden sie das mal genauer ausführen? Zum Artikel selbst: Absoulut erschreckend wie sehr religiöser Wahnsinn die Menschen beeinträchtigt. Wahrscheinlich sind die Herren aber selbst geimpft, wenn andere Leute sterben weil man ihnen das verweigerte ist es halt Allahs Wille. Klar - ist bei der katholischen Kirche ja ähnlich irre (Kondome=böse,HIV=Gottes Wille), aber das dafür Leute erschossen werden welche uneigennützig helfen wollen ist schon verdammt krank.
5. widerlich
irgendwer_bln 18.12.2012
Zitat von de-betja, leider nicht ganz grundlos diese Behauptung ...
4 Menschen, die wirklich nur helfen wollten wurden _grundlos _getötet. Und das erste was Sie schreiben, ist eine Verteidigung der Motivation der Täter. SIND *_SIE_* KRANK???? Sie glauben also, dass man Spione nach Pakistan schickt, um bevorstehende Angriffe vorzubereiten. Sie als Verschwörungstheoretiker müssten doch von der Satellitenüberwachungstechnik überzeugt sein. Wieso glauben Sie, dass man für ein paar Fotos Menschenleben riskiert? Aber statt ein Wort des Mitgefühls zu verlieren, muss natürlich Verständnis aufgebracht werden. Denn es geht ja um Amerikaner... Sie widern mich an!!!
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Fakten über Pakistan
Staatsgründung
REUTERS
Pakistan entstand 1947 aus den überwiegend muslimischen Teilen von Britisch-Indien. Zunächst bestand es aus den beiden Landesteilen West- und Ostpakistan, zwischen denen mehr als 1500 Kilometer Entfernung lagen. Beiden Teilen mangelte es jedoch an einer gemeinsamen nationalen Identität. Nach einem Krieg, bei dem Indien dem Osten half, entstand 1971 als neuer Staat Bangladesch .
Kaschmir-Konflikt
REUTERS
Seit der Staatsgründung führte Pakistan zwei große Kriege mit dem Nachbarn Indien um die Grenzregion Kaschmir , 1947/48 und 1965. Der Fürstenstaat Kaschmir hatte sich zunächst zu Indien zugehörig erklärt. Der islamische Staat Pakistan beanspruchte das überwiegend von Muslimen bewohnte Kaschmir jedoch für sich und gewann die Herrschaft über den westlichen und nördlichen Teil der Region. Doch auch Indien betrachtete Kaschmir als sein Territorium. Die von der Uno 1948 vorgeschlagene und vom indischen Premierminister versprochene Volksabstimmung, in der die kaschmirische Bevölkerung selbst über ihre Zukunft entscheiden sollte, wurde nie durchgeführt.

Seit den achtziger Jahren kämpfen im indischen Teil Kaschmirs muslimische Rebellen für die Unabhängigkeit der Region oder einen Anschluss an Pakistan. 1999 kam es wieder zu größeren militärischen Auseinandersetzungen mit mehreren hundert Toten, und 2001 standen die Atommächte Indien und Pakistan erneut am Rande eines Krieges. 2004 wurde ein Friedensprozess zwischen Neu-Delhi und Islamabad eingeleitet.

Der pakistanische Geheimdienst ISI steht im Verdacht, Kontakte zu islamistischen Terroristen zu pflegen. Indien wirft Pakistan die Unterstützung muslimischer Terroristen vor. Auch hinter der Anschlagserie in Mumbai 2008 vermutet Neu-Delhi islamistische Terroristen aus Pakistan.

Islam
AP
Mit der Verfassung von 1956 wurde Pakistan die erste islamische Republik der Welt. Der Islam ist Staatsreligion, gleichzeitig garantiert die Verfassung jedoch Religionsfreiheit. 96 Prozent der Pakistaner sind Muslime, der Präsident muss ebenfalls Muslim sein. Seit der Staatsgründung haben Spannungen zwischen verschiedenen Gruppen über die Rolle des Islam im Staatsverständnis die Innenpolitik beherrscht.

Immer wieder gab es auch islamistische Tendenzen. So führte Diktator Zia ul-Haq die Scharia , die islamische Rechtsprechung, ein. 1997 erkannte Pakistan als erster Staat das extremistische Taliban -Regime in Afghanistan an und unterstützte es bis zu den Anschlägen vom 11. September 2001 . Während die Zentralregierung in Islamabad zu einem der wichtigsten Verbündeten der USA im Anti-Terror-Krieg avancierte, erstarkte die islamistische Opposition im Land.

Macht der Taliban
REUTERS
In den Stammesgebieten in der nordwestlichen Provinz an der Grenze zu Afghanistan hat die pakistanische Zentralregierung nur begrenzten Einfluss. Dort herrschen islamistische Extremisten und pakistanische Taliban , die sich teilweise auf die Hilfe der regionalen Stammesführer stützen. Die Enttäuschung über die korrupte staatliche Justiz und Verwaltung erhöhte die Attraktivität des Islamismus in der Bevölkerung.

Verstärkung erhielten die radikalen Islamisten von afghanischen Taliban aus den Reihen von Mullah Omar sowie Qaida -Kämpfern, die aus Afghanistan geflohen sind. Militante betreiben hier in Waziristan auch Ausbildungslager für international operierende Dschihadisten.

Kampf gegen die Extremisten
dpa
Die pakistanische Armee führte ab 2003 wiederholt Militäraktionen im Nordwesten gegen die Taliban - und Quaida -Terroristen durch. Als Reaktion verübten Terroristen verheerende Anschläge in pakistanischen Städten.

Die Amerikaner versuchen, die islamistischen Extremisten in ihren pakistanischen Verstecken mit ferngesteuerten Präzisionsraketen zu treffen. Doch diese Drohnen -Angriffe sind bei der Bevölkerung äußerst unpopulär und treiben die Menschen in die Arme der militanten Islamisten.

Das pakistanische Militär scheute zunächst die ernsthafte Konfrontation mit den Extremisten. Die Armee und der pakistanische Geheimdienst ISI haben diese Gruppierungen zum Teil Anfang der achtziger Jahre selbst aufgebaut, um im Kampf gegen die Sowjets in Afghanistan mitzumischen, und haben sie später im Kaschmir-Konflikt eingesetzt. Und noch immer betrachten viele Offiziere die Taliban nicht als ihren eigentlichen Gegner – der wahre Feind sei Indien .

Um die Aufständischen in den Stammesgebieten ruhigzustellen, versuchte schon Präsident Pervez Musharraf , Abkommen mit ihnen zu schließen, und versagte. Im April 2009 scheiterte ein Friedensabkommen, das sein Nachfolger, Staatschef Asif Ali Zardari , ausgehandelt hatte: Die Taliban sollten die Waffen niederlegen und im Gegenzug in der Region Malakand, zu der das Swat-Tal und fünf weitere Distrikte gehören, die Scharia anwenden dürfen. Mit Hilfe des islamischen Rechts können sich die Taliban die Bevölkerung legal gefügig machen - wer sich gegen ihre Herrschaft auflehnt, wird geköpft. Statt einer Feuerpause brachten sie vom Swat-Tal aus mehrere Distrikte unter ihre Kontrolle und rückten bedrohlich nahe an die Hauptstadt Islamabad heran, bis die Armee im Frühjahr 2009 eingriff und die Gebiete zurückeroberte. Im Oktober 2009 begann das Militär außerdem einen Krieg gegen die Taliban in der Region Südwaziristan.

Atomwaffen
REUTERS
1985 wurde in Pakistan erstmals Uran angereichert, seit 1998 besitzt das Land nachweislich Atomwaffen : Nur Tage nach indischen Atomtests zündete Pakistan im Mai 1998 in der Nähe der unbewohnten Chagai-Berge erfolgreich Kernwaffen. Die genaue Zahl der atomaren Sprengköpfe ist nicht bekannt, aber es sollen 60 bis 100 sein, die an verschiedenen Stellen im Land gelagert und von rund 10.000 Soldaten bewacht werden.

Damit gehört Pakistan neben den fünf offiziellen Atommächten USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China sowie Indien, Israel und Nordkorea zum Kreis der neun Nuklearmächte, was die Bedeutung des verarmten Landes stark erhöht.

Militärbeobachter befürchten, Nuklearwaffen aus dem pakistanischen Waffenarsenal könnten aufgrund der Instabilität des Landes in die Hände von Extremisten fallen. Diese hätten damit ein Mittel in der Hand, dem Westen ihre Bedingungen zu diktieren. Geschürt wird die Angst vor diesem Horrorszenario dadurch, dass die Taliban in den vergangenen Monaten ihre Basis in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan ausgebaut haben. Im April 2010 rückten sie bis auf 100 Kilometer Entfernung auf die Hauptstadt Islamabad vor, bevor sie vom pakistanischen Militär zurückgedrängt wurden.


SPIEGEL ONLINE

Fläche: 796.000 km²

Bevölkerung: 184,753 Mio. Einwohner

Hauptstadt: Islamabad

Staatsoberhaupt:
Mamnoon Hussain

Regierungschef: Nawaz Sharif

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