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Pakistan: Geheimdienst ISI kooperiert mit al-Qaida

Eigentlich soll der pakistanische Geheimdienst (ISI) den amerikanischen Kollegen von der CIA bei der Fahndung nach den Hintermännern der Terroranschläge vom 11. September helfen. Doch laut "New York Times" arbeiten ISI-Agenten seit Jahren mit der Terrororganisation al-Qaida zusammen.

Das Satellitenbild zeigt ein Militärgebäude der Taliban in Kabul
AP/ Department of Defense

Das Satellitenbild zeigt ein Militärgebäude der Taliban in Kabul

Washington - Die USA sind bei ihrem Kampf gegen den internationalen Terrorismus auf die Zusammenarbeit islamischer Geheimdienste angewiesen. Besonders der pakistanische Dienst Inter Service Intelligence (ISI), der als einer der mächtigsten und am besten ausgestatteten Geheimdienste der islamischen Welt gilt, soll die USA unterstützen, nach den Tätern des schlimmsten Terroranschlags der Geschichte zu suchen. Die Zusammenarbeit mit den ISI-Geheimen ist jedoch umstritten: Der "New York Times" zufolge arbeiten Agenten des pakistanischen Geheimdienstes mit Mitgliedern der Terrororganisation al-Qaida zusammen.

US-Sicherheitsexperten gehen außerdem davon aus, dass der ISI jahrelang das wachsende Beziehungsgeflecht zwischen dem Top-Terroristen Osama Bin Laden und den afghanischen Taliban ignoriert hat. Der pakistanische Geheimdienst soll dem Zeitungsbericht zufolge Trainingscamps in Afghanistan benutzt haben, um dort seine Kämpfer für den Kaschmir-Konflikt auszubilden.

Nach den Terroranschlägen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania bombardierten US-Streitkräfte im August 1998 ein mutmaßliches Trainingscamp der Terrororganisation al-Qaida nahe des Dorfes Khost im Osten Afghanistans. Wie US-Behörden später bekannt gaben, sollen sich unter den Toten auch pakistanische Guerillakämpfer befunden haben. Dies galt als Beweis für eine Verbindung zwischen dem ISI und den Taliban.

Die "New York Times" zitiert in ihrem Bericht einen US-Militärstrategen, der behauptet, die Angst der USA vor den Guerillakämpfern und den afghanischen Taliban habe im Laufe der neunziger Jahre ständig zugenommen. Aus Sicherheitsgründen hätten die USA im vergangenen Jahr sogar erwogen, einen Besuch des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton in Pakistan abzusagen. Washington habe befürchtet, dass die Beziehungen zwischen dem pakistanischen Geheimdienst und den Terroristen so eng seien, dass diese von der Reiseroute des Präsidenten erfahren könnten und möglicherweise einen Anschlag planen würden. Gegen den Rat der US-Geheimdienste sei Clinton schließlich dennoch nach Pakistan gereist - allerdings nur unter sehr hohen Sicherheitsvorkehrungen.

Musharraf entließ ISI-Chef

Bush und CIA-Chef George J. Tenet in der CIA-Zentrale in Langley, Virginia
AP

Bush und CIA-Chef George J. Tenet in der CIA-Zentrale in Langley, Virginia

Nach den Terroranschlägen in den USA sicherte Pakistan den USA seine Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus zu. Pakistans Präsident, General Pervez Musharraf, suspendierte den Chef des ISI, Mahmood Ahmed, vom Dienst. Dieser habe laut "New York Times" einer Allianz mit den USA womöglich feindlich gegenüber gestanden. Unterdessen sagte der frühere Chef des pakistanischen Geheimdienstes, Hamid Gul, gegenüber einer pakistanischen Tageszeitung, die USA würden die ISI-Agenten für ihre Zwecke benutzen, als wären sie ihre Söldner. "Die ISI ist ein nationaler Geheimdienst, dessen Potenzial und Output weder mit anderen Ländern geteilt noch an diese verliehen werden darf", kritisierte Gul.

US-Militärfachleute machen mittlerweile ihr eigenes Land für die teils ablehnende teils misstrauische Haltung vieler ISI-Agenten gegenüber den USA verantwortlich. Die CIA habe es in den neunziger Jahren versäumt, die engen Verbindungen zu pflegen, die sie während des Afghanistan-Konflikts gegen die russischen Besatzer mit dem ISI aufgebaut habe. Die gute Zusammenarbeit zwischen den beiden Geheimdiensten, zu der auch Gul beigetragen haben soll, seien immer mehr verkümmert. "Nachdem die Sowjets aus Afghanistan abgezogen waren", ergänzte der pakistanische Botschafter der Uno, Shamshad Ahmad, "ließen die USA das Land mit den Flüchtlingsproblemen und dem Drogen- und Waffenhandel allein".

Laut US-Sicherheitsexperten haben die USA Pakistan in den vergangenen Jahren nur wenig Anreize dafür geboten, sich gegen die Taliban und deren Regime stark zu machen. Washington habe sein Augenmerk vielmehr auf das Atomwaffenprogramm Pakistans oder auf Menschenrechtsverletzungen des Landes gerichtet. Warnungen vor einer zunehmenden Gefahr durch Terroristen seien indes ungehört geblieben, erklärte ein Anti-Terror-Beauftragter der US-Regierung. "Sie glichen einem dumpfen Geräusch, das niemanden interessierte."

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