Pakistan Ex-Diktator Musharraf flieht vor Festnahme

Am Ende blieb Pakistans ehemaligem Diktator nur die Flucht in einem Geländewagen: Pervez Musharraf muss in seinem Land eine Festnahme fürchten. Ein Gericht verweigerte ihm freies Geleit gegen eine Kaution. Die Personenschützer des Politikers schleusten ihn dennoch aus dem Saal.

DPA

Islamabad - Die Lage spitzt sich zu für Pakistans früheren Militärdiktator Pervez Musharraf. Ein Gericht in Islamabad bestimmte, dass der Politiker in Haft genommen werden soll. Allerdings setzten die Sicherheitskräfte im Saal die Order nicht sofort um. Umringt von seinen Personenschützern verließ Musharraf fluchtartig das Gebäude und fuhr in einem schwarzen Geländewagen davon.

Sein Sprecher sagte SPIEGEL ONLINE, Musharraf sei vor Gericht erschienen, um zu erwirken, dass gegen ihn vorerst kein Prozess geführt wird. "Die Entscheidung des Richters, ihn festnehmen zu lassen, kam völlig unerwartet." Seine vom Staat gestellten Sicherheitsleute hätten ihn in der Annahme, "dass Gefahr für Musharrafs Leib und Leben besteht", aus dem Gericht gebracht und in sein hoch gesichertes Farmhaus am Stadtrand Islamabad gefahren.

Gegen den früheren Militärmachthaber laufen drei Verfahren, bei denen er bislang gegen Kaution auf freiem Fuß gewesen ist. Das Gericht lehnte eine Verlängerung ab. Polizisten versuchten daraufhin, Musharraf festzunehmen, drangen aber wegen der vielen Bodyguards nicht zu ihm durch.

In dem Prozess geht es um Ereignisse im Jahr 2007. Musharaf werden unter anderem ein Putsch und die Beteiligung an der Ermordung der Oppositionspolitikerin und zweimaligen Premierministerin Benazir Bhutto vorgeworfen. Außerdem wird ihm angelastet, den Notstand verfassungswidrig ausgerufen zu haben sowie die Obersten Richter unrechtmäßig abgesetzt zu haben.

Musharraf war im März aus dem rund vierjährigen selbsterwählten Exil zurückgekehrt, um am 11. Mai bei der Parlamentswahl zu kandidieren. Am Dienstag hatte ein Gericht wegen der Vorwürfe seine Kandidatur untersagt.

Eigentlich wollte Musharraf in insgesamt vier Wahlkreisen über das Land verteilt antreten, um seine Chance auf einen Erfolg zu erhöhen. Doch in allen vier Regionen ließ ihn die Wahlkommission mit Verweis auf laufende Verfahren gegen ihn nicht zu. Seine Partei APML hatte angekündigt, der Ex-Präsident werde dagegen vor das Verfassungsgericht ziehen.

jok/kaz/Reuters/AP

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
thanks-top-info 18.04.2013
1.
peinlich für die Richter der drei Anklagen, aber vermutlich gut für deren Kontostand, oder einfach nur lebenserhaltend?
born1979 18.04.2013
2. Das ultimative Ende
Damit dürfte seine politische Karriere wohl beendet sein
ralf_gabriel 18.04.2013
3. x
Zitat von sysopDPAAm Ende blieb Pakistans ehemaligen Diktator nur die Flucht in einem Geländewagen: Pervez Musharraf muss in seinem Land eine Festnahme fürchten. Ein Gericht verweigerte ihm freies Geleit gegen eine Kaution. Die Personenschützer des Politikers schleusten ihn dennoch aus dem Saal. http://www.spiegel.de/politik/ausland/pakistan-gericht-ordnet-festnahme-von-ex-praesident-musharraf-an-a-895049.html
Was für ein Land.... Und die haben Atomwaffen....
tamtamm 18.04.2013
4. Das ist doch wieder nur
eine Farce.... wieso sollte Musharraf Benazir Bhutte umgebracht haben. Es war doch längst bekannt geworden, dass die ein gemeinsamen Spiel gemacht hatten. Das hatte doch die Nichte der Bhutto öffentlich bekannt gegeben, dass die vor der Kamera einen Schaukampf geführt hatten und sich privat bestens verstanden. Musharraf hatte und hätte überhaupt nichts vom Tod der Bhutto gehabt. Denn damals konnte er sowieso nicht mehr als Präsident antreten, weil er nicht drei Mal hintereinander Präsident werden konnte.
englishgentleman 18.04.2013
5.
Ich dachte das deutsche Wort sei Leibwächter?
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