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Pakistan: Gouverneur bei Schießerei in Islamabad getötet

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Der Angriff erfolgte in einem bei Ausländern beliebten Einkaufszentrum in Islamabad - und er forderte ein hochrangiges Opfer. Salman Taseer, Gouverneur der Provinz Punjab, ist bei einem Schusswechsel in Pakistans Hauptstadt ums Leben gekommen.

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Gouverneur Taseer: Vom eigenen Leibwächter getötet

Hamburg/Islamabad - Der Khosar-Markt in Pakistans Hauptstadt Islamabad ist bei wohlhabenden Pakistanern und Besuchern aus dem Westen sehr beliebt - an diesem Dienstag kam es in der Nähe des Einkaufszentrums zu einer Schießerei. Dabei kam Salman Taseer, 64, Gouverneur der Provinz Punjab, ums Leben.

Er war gerade aus dem Wagen gestiegen, als die Schüsse fielen. "Ja er ist tot", sagte der Sprecher Taseers. Zunächst hatte es in TV-Berichten geheißen, Taseer sei bei dem Vorfall schwer verletzt worden. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wurde Taseer am Khosar-Markt, ganz in der Nähe seines eigenen Hauses, von seinem eigenen Leibwächter angeschossen. Augenzeugen berichteten, einer der für die Sicherheit Taseers abgestellten Polizisten habe das Feuer auf ihn eröffnet.

Der verletzte Politiker wurde in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht, wo er seinen Verletzungen erlag. Nach Polizeiangaben wurde der durch Schüsse verletzte Attentäter noch am Tatort überwältigt und verhaftet.

Taseer, Vertrauter des umstrittenen pakistanischen Präsidenten Asif Ali Zardari und wie dieser Mitglied der Pakistanischen Volkspartei (PPP), hatte sich in den vergangenen Wochen für die Abschaffung des umstrittenen Blasphemiegesetzes eingesetzt. Mit seiner Forderung nach einer "Politik der Toleranz" hatte er den Zorn vieler konservativer Politiker auf sich gezogen.

Kritisches Buch des unehelichen Sohns über den Vater

In seiner Provinz Punjab war Ende vergangenen Jahres eine Christin wegen angeblicher Beleidigung des Propheten Mohammed zum Tode verurteilt worden. Taseer hatte sich für die Frau starkgemacht, ihre Freilassung gefordert und sich damit zum Feind von Islamisten gemacht, die sich für eine Beibehaltung des Blasphemiegesetzes starkmachen.

Pakistans Innenminister Rehman Malik erklärte am Dienstagnachmittag, der Verhaftete habe die Tat eingeräumt und ausgesagt, er habe Taseer getötet, weil dieser gegen das Blasphemiegesetz gewesen sei.

Der Milliardär Taseer besaß die englischsprachige Tageszeitung "Daily Times" und galt als wenig religiös. Ihm wurden ein ausschweifender Lebensstil und diverse Liebesaffären nachgesagt. Im vergangenen Jahr geriet er in die Kritik, nachdem sein unehelicher Sohn Aatish Taseer ein Buch veröffentlicht hatte, in dem dieser beschreibt, wie er sich auf die Suche nach seinem bis dahin unbekannten Vater gemacht hatte und auf einen Mann stieß, für den der Islam nur ein Machtfaktor war. Das Buch "Terra Islamica", das auch auf Deutsch erschien, führte in Indien wochenlang die Bestsellerliste an und war Futter für die Feinde Salman Taseers.

Das Attentat verschärft die politische Krise, in der sich Pakistan befindet, seit zu Jahresbeginn die Regierungskoalition zerbrochen ist. Die von der PPP geführte Regierung hat seit dem Wechsel eines kleineren Partners in die Opposition keine eigene Mehrheit mehr und kämpft derzeit ums Überleben. Taseer hatte am Montag noch erklärt, seiner Meinung nach werde die Regierung die Krise überleben.

Seine Ermordung mitten in Islamabad dürfte das Land weiter destabilisieren.

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