Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Pakistan: Taliban attackieren mutmaßliches Atomlager

In Pakistan haben neun Taliban-Kämpfer einen strategisch wichtigen Luftwaffenstützpunkt attackiert. Dort sollen möglicherweise auch Atomwaffen gelagert werden. Zwei Soldaten und sechs Angreifer wurden getötet.

Noteinsatz: Ein Krankenwagen auf dem Gelände der Lufttwaffenbasis Zur Großansicht
DPA

Noteinsatz: Ein Krankenwagen auf dem Gelände der Lufttwaffenbasis

Islamabad - Die Angreifer kamen mit Sturmgewehren und Handgranaten: In Pakistan haben militante Taliban einen der größten Luftwaffenstützpunkte des Landes überfallen und sich dort heftige Gefechte mit Sicherheitskräften geliefert. Es wird vermutet, dass dort auch Atomwaffen lagern, schreibt die "New York Times". Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet indes unter Berufung auf pakistanische Militärangaben, dass an dem Luftwaffenstützpunkt kein Nuklearmaterial lagere.

Die Angreifer seien am Donnerstagmorgen auf das Gelände des Stützpunktes Minhas bei Kamra in der zentralen Provinz Punjab vorgedrungen, teilte die Luftwaffe mit. Auf dem Stützpunkt ist die Bauabteilung der pakistanischen Luftwaffe angesiedelt. Dort werden Kampfjets vom Typ "Mirage" und JF-17 gefertigt.

Die pakistanischen Taliban haben die Verantwortung für den Angriff übernommen. Ein Sprecher sagte, der Überfall sei eine Rache-Aktion für die Ermordung ihres Führers Baitullah Mehsud durch US-Drohnen vor drei Jahren und die Kommandoaktion gegen Osama bin Laden im vergangen Jahr gewesen.

Die Angreifer, einige von ihnen bewaffnet mit Sprengstoffgürteln, sind gegen 2 Uhr Ortszeit in die Basis eingedrungen. Nach Angaben der pakistanischen Luftwaffe haben sie zunächst einen Hangar mit Raketen beschossen und kletterten danach über eine beschädigte Mauer. Ein Militärsprecher sagte, es sei zu einem mehrstündigen Schusswechsel mit Sicherheitskräften gekommen. Nach offiziellen Angaben wurden acht der neun Angreifer noch in der Basis getötet, ein weiterer habe sich vor dem Gelände selbst in die Luft gesprengt. Ein Wachmann der Luftwaffe kam ums Leben, mehrere Soldaten, darunter der Leiter des Stützpunkts, wurden verletzt. Die Taliban behaupten, dass sie mindestens drei Kampfjets beschädigt haben.

In Pakistan, einem strategischen Verbündeten der USA, ist es wiederholt zu Anschlägen gekommen, für die Mitglieder der pakistanischen Taliban verantwortlich gemacht wurden. Dabei sind Schätzungen zufolge Zehntausende Menschen ums Leben gekommen. Angriffe auf Militärbasen, zudem eine derart gut bewachte Anlage wie in Minhas, sind indes ungewöhnlich. Das Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan gilt als Rückzugsgebiet der Taliban und der extremistischen al-Qaida.

Anfang Juli hatte Pakistan erstmals seit sieben Monaten wieder seine Grenze zur Versorgung westlicher Truppen in Afghanistan geöffnet. Im November hatte Pakistan die Nachschubrouten geschlossen, weil mehr als zwanzig pakistanische Soldaten bei einem Nato-Luftangriff getötet worden waren. Die Nato hatte dies als Versehen bezeichnet und bedauert, die USA hatten um Entschuldigung gebeten.

hen/Reuters/AFP

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Infektion!
rudlith 16.08.2012
"In Pakistan haben mutmaßlich militante Islamisten einen der größten Luftwaffenstützpunkte des Landes überfallen und sich dort heftige Gefechte mit Sicherheitskräften geliefert." Heilige Einfalt! "Mutmaßlich" militant und dann heftige Gefechte geliefert. Gehts noch? Das ist das gleiche wie mutmaßlich weißer Schimmel. Die PC hat schon die hintersten Gehirnwindungen der Schreiber infiziert.
2. Mehrstündiger Schußwechsel ...
mwroer 16.08.2012
direkt neben einer Luftwaffenbasis? Tschuldigung aber sind Spiegel-Redakteure wirklich so derart unerfahren dass sie ohne zu denken jeden Mist abschreiben der von irgendwoher kommt? Das ist so ähnlich wie die Meldung 'Stundenlange Suche nach Sand in der Sahara'. Alternativ war der Stützpunkt leer und nur vom lokalen Wachdienst 'besetzt'. Was ich aber irgendwie nicht glaube.
3. Kleine Bitte..
silberwolf 16.08.2012
..an die SPON-Redaktion: Bei der Überschrift des Artikels ist mir kalter Schauer über den Rücken gelaufen. Aus Atomen besteht die ganze Welt. Menschen bestehen aus Atomen, alles um uns herum auch. Bei solchen Nachrichtentiteln denken ungebildete Menschen oft automatisch "Atom = böse, schlimm, giftig". Evtl. halten Sie mich jetzt für kleinlich, aber eine genauere Wortwahl kann einigen Missverständnissen vorbeugen. Danke.
4. Der böse, böse Iran
walter_e._kurtz 16.08.2012
Zitat von sysopDPADie Gefechte dauerten Stunden: In Pakistan haben mutmaßlich militante Islamisten einen strategisch wichtigen Luftwaffenstützpunkt attackiert. Dabei wurden zwei Soldaten und sechs Angreifer getötet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,850322,00.html
...und in Pakistan werden sich Extremisten demnächst mit A-Waffen eindecken, wie im Supermarkt. Hier werden doch irgendwie falsche Schwerpunkte seitens der selbsternannten Weltpolizei gesetzt, oder sehe ich das jetzt falsch?
5.
eu-citizen 16.08.2012
Zitat von mwroerdirekt neben einer Luftwaffenbasis? Tschuldigung aber sind Spiegel-Redakteure wirklich so derart unerfahren dass sie ohne zu denken jeden Mist abschreiben der von irgendwoher kommt? Das ist so ähnlich wie die Meldung 'Stundenlange Suche nach Sand in der Sahara'. Alternativ war der Stützpunkt leer und nur vom lokalen Wachdienst 'besetzt'. Was ich aber irgendwie nicht glaube.
Ihre Kritik ist nicht nachvollziehbar. Haben Sie einen anderen Artikel gelesen als der Rest der Republik? Wo steht etwas von "neben einer Luftwaffenbasis"? Die Schießerei fand in der Kaserne statt.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fakten über Pakistan
Staatsgründung
REUTERS
Pakistan entstand 1947 aus den überwiegend muslimischen Teilen von Britisch-Indien. Zunächst bestand es aus den beiden Landesteilen West- und Ostpakistan, zwischen denen mehr als 1500 Kilometer Entfernung lagen. Beiden Teilen mangelte es jedoch an einer gemeinsamen nationalen Identität. Nach einem Krieg, bei dem Indien dem Osten half, entstand 1971 als neuer Staat Bangladesch .
Kaschmir-Konflikt
REUTERS
Seit der Staatsgründung führte Pakistan zwei große Kriege mit dem Nachbarn Indien um die Grenzregion Kaschmir , 1947/48 und 1965. Der Fürstenstaat Kaschmir hatte sich zunächst zu Indien zugehörig erklärt. Der islamische Staat Pakistan beanspruchte das überwiegend von Muslimen bewohnte Kaschmir jedoch für sich und gewann die Herrschaft über den westlichen und nördlichen Teil der Region. Doch auch Indien betrachtete Kaschmir als sein Territorium. Die von der Uno 1948 vorgeschlagene und vom indischen Premierminister versprochene Volksabstimmung, in der die kaschmirische Bevölkerung selbst über ihre Zukunft entscheiden sollte, wurde nie durchgeführt.

Seit den achtziger Jahren kämpfen im indischen Teil Kaschmirs muslimische Rebellen für die Unabhängigkeit der Region oder einen Anschluss an Pakistan. 1999 kam es wieder zu größeren militärischen Auseinandersetzungen mit mehreren hundert Toten, und 2001 standen die Atommächte Indien und Pakistan erneut am Rande eines Krieges. 2004 wurde ein Friedensprozess zwischen Neu-Delhi und Islamabad eingeleitet.

Der pakistanische Geheimdienst ISI steht im Verdacht, Kontakte zu islamistischen Terroristen zu pflegen. Indien wirft Pakistan die Unterstützung muslimischer Terroristen vor. Auch hinter der Anschlagserie in Mumbai 2008 vermutet Neu-Delhi islamistische Terroristen aus Pakistan.

Islam
AP
Mit der Verfassung von 1956 wurde Pakistan die erste islamische Republik der Welt. Der Islam ist Staatsreligion, gleichzeitig garantiert die Verfassung jedoch Religionsfreiheit. 96 Prozent der Pakistaner sind Muslime, der Präsident muss ebenfalls Muslim sein. Seit der Staatsgründung haben Spannungen zwischen verschiedenen Gruppen über die Rolle des Islam im Staatsverständnis die Innenpolitik beherrscht.

Immer wieder gab es auch islamistische Tendenzen. So führte Diktator Zia ul-Haq die Scharia , die islamische Rechtsprechung, ein. 1997 erkannte Pakistan als erster Staat das extremistische Taliban -Regime in Afghanistan an und unterstützte es bis zu den Anschlägen vom 11. September 2001 . Während die Zentralregierung in Islamabad zu einem der wichtigsten Verbündeten der USA im Anti-Terror-Krieg avancierte, erstarkte die islamistische Opposition im Land.

Macht der Taliban
REUTERS
In den Stammesgebieten in der nordwestlichen Provinz an der Grenze zu Afghanistan hat die pakistanische Zentralregierung nur begrenzten Einfluss. Dort herrschen islamistische Extremisten und pakistanische Taliban , die sich teilweise auf die Hilfe der regionalen Stammesführer stützen. Die Enttäuschung über die korrupte staatliche Justiz und Verwaltung erhöhte die Attraktivität des Islamismus in der Bevölkerung.

Verstärkung erhielten die radikalen Islamisten von afghanischen Taliban aus den Reihen von Mullah Omar sowie Qaida -Kämpfern, die aus Afghanistan geflohen sind. Militante betreiben hier in Waziristan auch Ausbildungslager für international operierende Dschihadisten.

Kampf gegen die Extremisten
dpa
Die pakistanische Armee führte ab 2003 wiederholt Militäraktionen im Nordwesten gegen die Taliban - und Quaida -Terroristen durch. Als Reaktion verübten Terroristen verheerende Anschläge in pakistanischen Städten.

Die Amerikaner versuchen, die islamistischen Extremisten in ihren pakistanischen Verstecken mit ferngesteuerten Präzisionsraketen zu treffen. Doch diese Drohnen -Angriffe sind bei der Bevölkerung äußerst unpopulär und treiben die Menschen in die Arme der militanten Islamisten.

Das pakistanische Militär scheute zunächst die ernsthafte Konfrontation mit den Extremisten. Die Armee und der pakistanische Geheimdienst ISI haben diese Gruppierungen zum Teil Anfang der achtziger Jahre selbst aufgebaut, um im Kampf gegen die Sowjets in Afghanistan mitzumischen, und haben sie später im Kaschmir-Konflikt eingesetzt. Und noch immer betrachten viele Offiziere die Taliban nicht als ihren eigentlichen Gegner – der wahre Feind sei Indien .

Um die Aufständischen in den Stammesgebieten ruhigzustellen, versuchte schon Präsident Pervez Musharraf , Abkommen mit ihnen zu schließen, und versagte. Im April 2009 scheiterte ein Friedensabkommen, das sein Nachfolger, Staatschef Asif Ali Zardari , ausgehandelt hatte: Die Taliban sollten die Waffen niederlegen und im Gegenzug in der Region Malakand, zu der das Swat-Tal und fünf weitere Distrikte gehören, die Scharia anwenden dürfen. Mit Hilfe des islamischen Rechts können sich die Taliban die Bevölkerung legal gefügig machen - wer sich gegen ihre Herrschaft auflehnt, wird geköpft. Statt einer Feuerpause brachten sie vom Swat-Tal aus mehrere Distrikte unter ihre Kontrolle und rückten bedrohlich nahe an die Hauptstadt Islamabad heran, bis die Armee im Frühjahr 2009 eingriff und die Gebiete zurückeroberte. Im Oktober 2009 begann das Militär außerdem einen Krieg gegen die Taliban in der Region Südwaziristan.

Atomwaffen
REUTERS
1985 wurde in Pakistan erstmals Uran angereichert, seit 1998 besitzt das Land nachweislich Atomwaffen : Nur Tage nach indischen Atomtests zündete Pakistan im Mai 1998 in der Nähe der unbewohnten Chagai-Berge erfolgreich Kernwaffen. Die genaue Zahl der atomaren Sprengköpfe ist nicht bekannt, aber es sollen 60 bis 100 sein, die an verschiedenen Stellen im Land gelagert und von rund 10.000 Soldaten bewacht werden.

Damit gehört Pakistan neben den fünf offiziellen Atommächten USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China sowie Indien, Israel und Nordkorea zum Kreis der neun Nuklearmächte, was die Bedeutung des verarmten Landes stark erhöht.

Militärbeobachter befürchten, Nuklearwaffen aus dem pakistanischen Waffenarsenal könnten aufgrund der Instabilität des Landes in die Hände von Extremisten fallen. Diese hätten damit ein Mittel in der Hand, dem Westen ihre Bedingungen zu diktieren. Geschürt wird die Angst vor diesem Horrorszenario dadurch, dass die Taliban in den vergangenen Monaten ihre Basis in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan ausgebaut haben. Im April 2010 rückten sie bis auf 100 Kilometer Entfernung auf die Hauptstadt Islamabad vor, bevor sie vom pakistanischen Militär zurückgedrängt wurden.


Fläche: 796.095 km²

Bevölkerung: 191,710 Mio.

Hauptstadt: Islamabad

Staatsoberhaupt:
Mamnoon Hussain

Regierungschef: Nawaz Sharif

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: