Pakistan-Krise Bush und Sarkozy fordern Musharraf zu freien Wahlen auf

US-Präsident Bush und Frankreichs Staatschef Sarkozy haben Pakistans Präsident Musharraf aufgefordert, sein Amt als Militärchef niederzulegen und freie Wahlen abzuhalten. Von Iran verlangten sie, Pläne zum Bau von Atomwaffen aufzugeben.


Washington - "Meine Botschaft an ihn war sehr klar und sehr leicht verständlich", sagte US-Präsident George Bush über ein Telefonat mit Pakistans Staatschef Pervez Musharraf. Er habe Musharraf aufgefordert, Wahlen abzuhalten und von seinem Posten als Militärchef zurückzutreten, erklärte Bush bei einer Pressekonferenz mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy in Mount Vernon. Mit den Worten "Ziehen Sie Ihre Uniform aus", habe er Musharraf erklärt, dass dieser nicht gleichzeitig Präsident und Militärchef sein könne, so Bush.

Sarkozy und Bush in Mount Vernon: "Ziehen Sie Ihre Uniform aus"
REUTERS

Sarkozy und Bush in Mount Vernon: "Ziehen Sie Ihre Uniform aus"

Auch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sprach sich für eine rasche Rückkehr zur Demokratie in dem Land aus, in dem Musharraf am Samstag den Ausnahmezustand verhängt hatte. Wahlen müssten nun "so schnell wie möglich" stattfinden, so Sarkozy. Auch im Konflikt mit Iran stellte sich der französische Staatschef an die Seite der USA: "Es ist nicht akzeptabel, dass Iran zu irgendeinem Zeitpunkt Nuklearwaffen haben könnte", sagte Sarkozy. Bush betonte, man wolle zusammen das iranische Regime überzeugen, seine Pläne aufzugeben. Sarkozy unterstrich jedoch, dass Iran ein ziviles Atomprogramm gestattet sein sollte.

In der Pakistan-Frage hatte US-Vizeaußenminister John Negroponte zuvor bereits erklärt, dass Musharraf weiter auf die Unterstützung der USA zählen könne. Im Kampf gegen den Terrorismus sei das Bündnis mit Pakistan für die USA "die einzige Option", erklärte Negroponte in Washington. Musharraf sei ein "unverzichtbarer Verbündeter" in der Terrorabwehr, hieß es weiter in der schriftlichen Fassung einer Stellungnahme, die Negroponte im Lauf des Tages vor dem Außenausschuss des Repräsentantenhauses vortragen wollte. "Eine Rückkehr in die Zeit der Entfremdung (zwischen den USA und Pakistan) können wir uns nicht leisten."

Der Vizeaußenminister machte klar, dass die USA auf einer Rückkehr Pakistans zur demokratischen Ordnung bestünden, dabei allerdings die Wahrung ihrer eigenen Interessen anstrebten: "Bei der Bewertung unserer Beziehungen zu Pakistan müssen wir unser wichtiges langfristiges Interesse an Pakistan wahren, indem wir das pakistanische Volk in seinem Voranschreiten hin zu Demokratie und Zivilherrschaft unterstützen." Musharraf ist für die USA seit Jahren ein Schlüsselverbündeter für den Kampf gegen islamischen Extremismus und für den Einsatz im Nachbarland Afghanistan.

Das Verteidigungsministerium in Washington äußerte sich unterdessen besorgt über das atomare Arsenal Pakistans. Die Nuklearwaffen des Landes seien "eine vordringliche Sorge" der USA, seit Musharraf den Ausnahmezustand verhängte, sagte Generalleutnant Carter Ham vom US-Generalstab im Pentagon. "Wir werden ein sehr scharfes Auge darauf haben", sicherte er zu. "Wann immer ein Regime mit Atomarsenal eine Lage wie zurzeit in Pakistan durchlebt, ist das für uns natürlich eine vordringliche Sorge." Pakistan hatte 1998 erstmals zu Testzwecken eine Atombombe gezündet.

tno/AP/dpa/AFP



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