140 Tote und Ex-Premier in Haft Pakistan im Chaos-Wahlkampf

Ein Ex-Premier in Haft, Anschläge mit zahlreichen Todesopfern und Schwerverletzten. Kurz vor der Wahl zur Nationalversammlung eskaliert in Pakistan die Gewalt.

Demo für Sharif
AP

Demo für Sharif


In weniger als zwei Wochen wählen mehr als 100 Millionen wahlberechtigte Pakistaner eine neue Nationalversammlung sowie Provinzparlamente. Doch die Unsicherheit in dem Land ist groß.

Nach dem verheerenden Selbstmordanschlag in der Südprovinz Baluchistan ist die Zahl der Toten nach offiziellen Angaben auf mindestens 140 gestiegen. Weitere 200 Menschen seien verletzt worden, als sich ein Selbstmordattentäter am Freitag bei einer Wahlkampfveranstaltung in die Luft sprengte.

Ein Vertreter des Krankenhauses in der Provinzhauptstadt Quetta sagte, man befürchte, dass die Zahl der Toten noch weiter steigen könnte, weil sich viele der Verletzten in einem kritischen Zustand befänden.

"IS" und Taliban reklamierten Anschlag für sich

Nur wenige Stunden nach dem Attentat reklamierten sowohl die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) als auch die Ghazi-Gruppe der radikalislamischen Taliban die Tat für sich. Der Anschlag hatte einer großen Zusammenkunft der Baluchistan Awami Partei gegolten. Unter den Toten ist auch ein Kandidat für die Provinzparlamentswahl.

Es war der tödlichste Anschlag in Pakistan seit Jahren. Ähnlich viele Tote gab es zuletzt im Dezember 2014 bei einem Angriff der Taliban auf eine Armeeschule in Nordpakistan. Damals starben rund 150 Menschen, meistens Kinder. Danach ging wegen massiver Militäroffensiven gegen einige Extremistengruppen die Zahl der Anschläge in dem vom Terror geplagten Land stark zurück.

Sharif will Berufung gegen Haftstrafe einlegen

Unterdessen wurde auch bekannt, dass Pakistans Ex-Premier Nawaz Sharif Berufung gegen eine zehnjährige Haftstrafe einlegen werde. Er war am Freitag am Flughafen der ostpakistanischen Großstadt Lahore festgenommen worden. Zudem werde sich Sharif am Montag um eine Freilassung gegen Kaution bemühen, sagte einer seiner Anwälte.

Sicherheitskräfte hatten Sharif sowie seine Tochter und politische Erbin Maryam am Freitag nach ihrer Rückkehr aus dem Ausland festgenommen und inhaftiert. Die beiden wurden in ein Hochsicherheitsgefängnis in der Garnisonsstadt Rawalpindi gebracht.

Ein pakistanisches Gericht hatte Sharif, der drei Mal Ministerpräsident war und als einer der mächtigsten Politiker des Landes gilt, vor einer Woche in Abwesenheit wegen Korruption zu zehn Jahren Haft verurteilt. Maryam Nawaz soll für acht Jahre ins Gefängnis.

Proteste für Ex-Premier

Sharif-Anhänger halten das Gerichtsverfahren für eine Verschwörung. Viele vermuten, das mächtige Militär, mit dem Sharif überkreuz liegt, habe die Hände im Spiel gehabt. Das Urteil und die öffentliche Verhaftung könnten Auswirkungen auf die Chancen der Sharif-Partei PML-N bei der Parlamentswahl am 25. Juli haben.

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Pakistans Ex-Premier: Proteste für Sharif

Die PML-N ist eine Volkspartei. In vielen Städten versammelten sich am Freitag Zehntausende Anhänger zu großen Demonstrationen und Protestmärschen. In Lahore, wo der Polit-Klan von Sharif seine Basis hat, waren Berichten zufolge rund 19.000 Polizisten im Einsatz.

dop/dpa



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