Pakistan Ex-Premier Sharif bei Rückkehr verhaftet

In London abgeflogen, im Gefängnis gelandet: Dem ehemaligen pakistanischen Ministerpräsidenten Nawaz Sharif drohen zehn Jahre Haft. Der Prozess könnte Auswirkungen auf die bevorstehenden Wahlen haben.

REUTERS

Dreimal war Nawaz Sharif Ministerpräsident Pakistans. Vor einem Jahr war erwegen Korruptionsvorwürfen zurückgetreten. Im Zusammenhang mit den Panama Papers wurden ihm unter anderem Steuerhinterziehung und Geldwäsche zur Last gelegt. In der vergangenen Woche wurde er in Abwesenheit zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Zum Zeitpunkt des Urteils hielt sich Sharif in London auf, wo seine Frau in ärztlicher Behandlung ist. Die Finanzierung mehrerer Wohnungen in der britischen Hauptstadt war Hauptbestandteil des Verfahrens gegen den Politiker.

Nachdem er am Freitag aus London in die ostpakistanische Metropole Lahore zurückkehrte, wurde er am Flughafen festgenommen und über Islamabad in ein Hochsicherheitsgefängnis in der Garnisonsstadt Rawalpindi gebracht. In mehreren pakistanischen Großstädten demonstrierten Zehntausende Anhänger Sharifs gegen die Verurteilung. Allein in Lahore sollen Medienberichten zufolge 19.000 Polizisten im Einsatz gewesen sein, um die Proteste unter Kontrolle zu bringen.

Sharif gehört der Regierungspartei PML-N an. Seine Anhänger sehen in dem Verfahren eine "politische Verschwörung", hinter der sie das Militär vermuten, mit dem sich Sharif überworfen hat. Sie glauben, der Prozess gegen Sharif und seine öffentliche Verhaftung seien ein Versuch, Einfluss auf die am 25. Juli stattfindenden Parlamentswahlen zu nehmen.

Sharif hatte aus London angekündigt, dass er nach Pakistan zurückkehren und Berufung gegen das Urteil einlegen würde. Sein Parteifreund Mohammad Mehdi sagte, Sharif wisse den "Kampfeswillen" seiner Anhänger zu schätzen. Er rechne mit einer "Welle der Sympathie". Gemeinsam mit dem ehemaligen Premierminister wurde auch seine mit ihm reisende Tochter Maryam verhaftet. Sie war wegen "Begünstigung eines Verbrechens" zu sieben Jahren Haft verurteilt worden.

mmm/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.