Uno besorgt Pakistan plant offenbar Ausweisung Hunderttausender Afghanen

Viele Afghanen suchten vor Krieg und Krisen Schutz im Nachbarland. Doch ihr Aufenthalt in Pakistan ist gefährdet. Laut Uno setzt die Regierung den Flüchtlingen eine Ausreisefrist.

Afghanische Flüchtlinge in Pakistan
AFP

Afghanische Flüchtlinge in Pakistan


Die pakistanische Regierung will offenbar Hunderttausende afghanische Flüchtlinge in ihre Heimat zurückschicken. Für die Ausreise sollen ihnen 30 Tage bleiben. Das pakistanische Kabinett hatte die Entscheidung am 3. Januar gefällt. Die Uno zeigt sich besorgt.

"Diese Entscheidung kam aus dem Blauen", sagte ein Mitarbeiter des Flüchtlingshilfswerk UNHCR. Bei einer Konferenz im November sei man quasi übereingekommen, die Aufenthaltserlaubnis für die registrierten Flüchtlinge um ein Jahr zu verlängern. Doch davon ist plötzlich keine Rede mehr.

Aus dem zuständigen Ministerium für Staaten und Grenzregionen hieß es, man habe die Kabinettsentscheidung noch nicht in bindende Richtlinien gefasst. Pakistan hat in der Vergangenheit mehrmals mit ähnlichen Maßnahmen gedroht, sie aber nicht umgesetzt.

Mehr als 1,4 Millionen registrierte Flüchtlinge im Land

Pakistan beherbergt seit den afghanischen Kriegen und Bürgerkriegen in den Achtziger- und Neunzigerjahren Millionen afghanische Flüchtlinge. Jüngst hat sich das Verhältnis zwischen den Nachbarländern stark verschlechtert und Pakistan erhöht den Druck auf die Afghanen im Land. Afghanistan und auch die USA werfen Pakistan vor, die afghanischen Taliban zu unterstützen und so die Aufbaubemühungen in Afghanistan zu hintertreiben.

Beobachter halten die Entscheidung für eine Trotzreaktion auf die jüngst geäußerte Kritik - zuletzt in Form eines mit großer Empörung aufgenommenen Tweets von US-Präsident Donald Trump. Er hatte in seinem ersten Tweet des neuen Jahres Pakistan für dessen angebliche Unterstützung der afghanischen Taliban scharf angegriffen.

In der Nacht auf Freitag - also nach der pakistanischen Kabinettsentscheidung - hatte die US-Regierung dann angekündigt, Militärhilfen für Islamabad zu streichen.

2016 waren unter massiver internationaler Kritik in einer der größten Migrationsbewegungen der Welt knapp eine Million Afghanen aus Pakistan in ihr Land zurückgekehrt, das eines der ärmsten der Welt ist.

2017 war die Zahl der Rückkehrer wegen des sich verschärfenden Krieges in Afghanistan zurückgegangen. Es leben noch rund 1,4 Millionen als Flüchtlinge registrierte Afghanen in Pakistan, außerdem Hunderttausende, die als "undokumentiert" gelten.

mho/dpa



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