Pakistan: Präsident schließt Pakt mit Taliban

Trotz Warnungen und gegen Proteste aus dem Westen hat Pakistans Präsident Zardari mit den Taliban einen Vertrag geschlossen, der ihnen im Swat-Tal erlaubt, die Scharia anzuwenden. Während Zardari sich Frieden erhofft, fürchten Kritiker einen neuen Zufluchtsort für Terroristen.

Islamabad - Pakistans Präsident Asif Ali Zardari hat der Einführung des islamischen Rechts im Swat-Tal im Nordwesten des Landes zugestimmt und einen entsprechenden Friedensvertrag mit den Taliban unterschrieben. Die Taliban haben der dortigen Provinzregierung im Gegenzug einen Waffenstillstand angeboten.

Präsident Zardari: Scharia erlaubt
REUTERS

Präsident Zardari: Scharia erlaubt

Zuvor hatte ihn das Parlament einstimmig dazu aufgefordert. Eine kleinere Partei boykottierte die Abstimmung allerdings, die Muttahida Quami Bewegung aus Karachi. "Wir können das nicht bei vorgehaltener Pistole akzeptieren", sagte der Abgeordnete Faroog Sattar. Die Taliban hatten zuvor erklärt, abtrünnige Abgeordnete als Ungläubige zu betrachten - eine klare Drohung.

Ministerpräsident Jusuf Raza Gillani verteidigte das Abkommen jedoch: "Das ganze Land unterstützt die Swat-Regelung." Kritiker in Pakistan und im Westen sehen darin jedoch einen gefährlichen Kniefall vor den Fundamentalisten und haben vehement protestiert. Zudem wird befürchtet, dass durch die Einführung der Scharia das Swat-Tal zu einem Zufluchtsort für militante Extremisten unweit von Afghanistan wird.

Die Provinzregierung im Nordwesten des Landes hatte sich im Februar nach langen und blutigen Kämpfen in der Bergregion mit den radikalislamischen Taliban auf einen Frieden verständigt. Die Kämpfe von Sicherheitskräften und Taliban sollten eingestellt werden, dafür sollte künftig das islamische Recht, die Scharia, in dem Tal Anwendung finden.

Zeugen zufolge kontrollieren die Taliban bereits weite Teile des Gebiets. Der Armee war es trotz einer langen Offensive nicht gelungen, die militanten Extremisten in dem Tal zu besiegen. Etwa ein Drittel der 1,5 Millionen Bewohner sind während der monatelangen Kämpfen geflohen.

Pakistanische Regierungsvertreter hatten zuvor erklärt, dass drakonische Maßnahmen wie beispielsweise die Schließung von Mädchenschulen, wie sie von vielen Taliban befürwortet werden, nicht eingeführt werden sollen. Die Taliban hatten in dem Tal politische Gegner geköpft und zahlreiche Mädchenschulen niedergebrannt.

bim/AP/Reuters/dpa

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