Von Hasnain Kazim, Islamabad
Die Ärzte im Militärkrankenhaus in Rawalpindi sind zufrieden. Der Zustand von Malala Yousafzai sei stabil, am Sonntag habe man sogar kurzzeitig das Beatmungsgerät abgeschaltet, sagte ein Sprecher der Armee am Montag. "Die besten Ärzte, die das Militär zu bieten hat, sowie ein britisches Ärztepaar haben sie versorgt. Wir können zufrieden sein."
Das 14-jährige Mädchen war am vergangenen Dienstag von zwei Taliban angegriffen worden, als es in einem Schulbus auf dem Weg nach Hause saß. Yousafzai hatte 2009, damals nur elf Jahre alt, auf der Website der BBC über ihr Leben unter den Taliban gebloggt. Sie berichtete auch während der Zeit ab dem Frühjahr 2009, als das Militär die Extremisten aus der Region vertrieb. Im Dezember 2011 erhielt sie dafür einen Friedenspreis von der pakistanischen Regierung - und stand fortan erst recht im Visier der Radikalen.
Bei dem Mordversuch durchschlug ein Projektil ihren Kopf und blieb in ihrer Schulter stecken. "Glücklicherweise blieb ihr Gehirn unversehrt", sagte ein Arzt. Zwei weitere Mädchen wurden ebenfalls verletzt.
Am Montagmorgen wurde das Mädchen mit einer Sondermaschine von der pakistanischen Hauptstadt Islamabad nach England ausgeflogen, um dort weiter behandelt zu werden. Die Entscheidung, sie ins Ausland zu verlegen, hätten die Militärärzte in Beratung mit internationalen Experten sowie mit ihrer Familie getroffen, teilte das Militär mit. Bisher sei ihre medizinische Betreuung "optimal" verlaufen, und man wolle ihr nun eine best- und schnellstmögliche Erholung ermöglichen und gewappnet sein für eventuelle Komplikationen.
Wohin genau Yousafzai gebracht wird, wollte die Armee aus Sicherheitsgründen nicht mitteilen. Die Taliban haben ihre Absicht, das Mädchen zu töten, bekräftigt. Das Mädchen stehe auf der Todesliste der Taliban, weil es einer "Gehirnwäsche unterzogen" worden sei, sagte Sirajuddin Ahman, Sprecher der Taliban im Swat-Tal, mehreren Journalisten. "Sie hat westliche Propaganda verbreitet und uns beschimpft." Deshalb bleibe sie weiter ein Ziel für die Taliban, ebenso ihr Vater, der sie "zu diesen Schandtaten angestiftet" habe.
In Pakistan wie in der ganzen Welt hatte die Tat Empörung ausgelöst. Pakistans Premierminister verurteilte die Extremisten und sagte, Malala Yousafzai sei für ihn "wie die eigene Tochter". Man müsste die Geisteshaltung bekämpfen, die hinter der Tat stecke. "Wenn sich die Geisteshaltung der Täter durchsetzt, wessen Tochter ist dann je sicher?", fragte er im Parlament.
Ob das Mädchen je vollständig genesen wird, ist ungewiss. Man sei sich jedoch einig, dass sie eine "langwierige Versorgung benötigt, um sich gänzlich von den physischen und psychologischen Folgen zu erholen", heißt es in der Militärmitteilung. Die Behandlung in England werde einige Zeit in Anspruch nehmen. Als Erstes solle sie am Schädel operiert werden.
Der Flug erfolgt mit einer speziell für den Transport von Verletzten ausgerüsteten Maschine aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Kosten für den Flug wie auch für die Behandlung in England übernimmt die pakistanische Regierung, teilte die Armee weiter mit. Außerdem ist ein Kopfgeld von mehr als 100.000 Dollar auf die Täter ausgesetzt. Inzwischen wurden zwar mehrere Männer verhaftet. Ob es sich dabei um die Täter handelt, ist jedoch unklar.
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