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Proteste gegen Mohammed-Film: "Tag der Liebe für den Propheten" mündet in blutige Gewalt

Von , Islamabad

Hunderttausende haben am Freitag gegen das Mohammed-Schmähvideo demonstriert. In Pakistan war eigens ein "Tag des Ausdrucks der Liebe für den Propheten" ausgerufen worden. Mindestens 16 Menschen kamen dort ums Leben - weniger als befürchtet. In anderen islamischen Staaten blieb es friedlich.

AFP

So makaber es angesichts der Todeszahlen klingen mag: Die Demonstrationen gegen den Film "Die Unschuld der Muslime", in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird, verliefen in den islamischen Staaten insgesamt friedlicher als befürchtet. Vor allem in Pakistan, wo die Regierung diesen Freitag eigens zum Feiertag des "Ausdrucks der Liebe für den Propheten" ausgerufen und zu Protesten aufgefordert hatte, war ein Flächenbrand erwartet worden. Ganz so schlimm kam es nicht - trotzdem starben in Folge der Unruhen mindestens 16 Menschen.

Die schwersten Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften ereigneten sich in der Hafenstadt Karatschi. Dort steckten Randalierer mehrere Kinos in Brand und lieferten sich mit der Polizei Straßenschlachten. Ein Polizist wurde tödlich von einer Kugel getroffen. Zu heftigen Gefechten kam es auch, als Randalierer versuchten, Barrikaden am Zugang zum US-Generalkonsulat zu überwinden. Insgesamt zwölf Menschen starben in der Stadt.

Auch in der westpakistanischen Stadt Peschawar zündete der Mob Kinos an. Aus der Stadt wurden mindestens drei Tote gemeldet, darunter der Mitarbeiter eines pakistanischen Fernsehsenders, der von einem Polizisten erschossen wurde.

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Proteste in Pakistan: Gewaltsamer "Tag der Liebe für den Propheten"
Mehrere Kommentatoren warfen der Regierung vor, die Gewalt mit der Ausrufung des Feiertags und der Aufforderung zum Protest provoziert zu haben. Führende Journalisten schrieben in Blogs, die Regierungspartei PPP wolle wenige Monate vor der Wahl von ihrem Versagen ablenken und im islamistischen Revier Stimmen sammeln. Wie es aus Regierungskreisen hieß, war von radikalislamischen Parteien Druck auf die Regierung ausgeübt worden, diesen Freitag zum Feiertag zu erklären.

Protest als "religiöse Pflicht"

Premier Raja Pervez Ashraf hatte am Vormittag in Islamabad vor Journalisten und Parlamentariern gefordert, die Menschen sollten gegen das Video demonstrieren. Der Protest sei "religiöse Pflicht" aller Muslime. "Frieden, Toleranz und Harmonie stehen im Zentrum des Islam. Aber ein Angriff auf den Propheten, Friede sei mit ihm, ist ein Angriff auf den Glauben von 1,5 Milliarden Muslimen. Das ist inakzeptabel."

Läden, Hotels, Restaurants und Tankstellen im ganzen Land blieben geschlossen. Viele Geschäftsleute befürchteten, Opfer der Randalierer zu werden, sollten sie doch öffnen. Der Pakistan-Direktor von Human Rights Watch, Ali Dayan Hasan, twitterte, er habe kein Verständnis für den offiziellen Protesttag. "Sehen Sie mir mein Unverständnis nach, aber bewirkt das Abschalten der pakistanischen Wirtschaft für einen Tag, dass diese schrecklichen Filmemacher in der Hölle schmoren werden?"

Die landesweit berühmte Fernsehmoderatorin Qatrina Hosain schrieb, alle Pakistaner - sie selbst eingeschlossen - müssten sich schämen, weil sie die Chance nicht genutzt hätten, öffentlich über das Leben des Propheten zu sprechen und zu diskutieren. Stattdessen hätten sich alle aus Angst vor den Unruhen in ihren Häusern verbunkert. "Wir haben keine andere Wahl, als unsere Stimmen öffentlich zu machen, vielleicht am kommenden Freitag", schlug sie vor.

In der Hauptstadt Islamabad versuchten die Demonstranten, den Schutzwall aus Containern zu überwinden und zur US-Botschaft vorzudringen. Nur wenigen gelang es, ins Botschaftsviertel zu kommen. Sie wurden von den Sicherheitskräften zurückgedrängt. Der Sprecher der US-Botschaft lobte das Sicherheitsmanagement der Pakistaner als "vorbildlich".

In Pakistan wächst die Wut auf die USA

Der amtierende US-Botschafter Richard Hoagland wurde ins Außenministerium einbestellt. Dort wurde ihm offiziell der Protest der pakistanischen Regierung übermittelt. Auch ihm wurde mitgeteilt, man empfinde das Video aus den USA als "Angriff auf 1,5 Milliarden Muslime". Die US-Regierung möge sich dafür einsetzen, dass der Film aus dem Internet entfernt werde. US-Präsident Barack Obama und Außenministerin Hillary Clinton hatten zuvor in einem in Pakistan ausgestrahlten Fernsehspot betont, dass die US-Regierung nichts mit dem Film zu tun habe und sich von dessen Inhalt "absolut" distanziere.

Grund für den Gewaltausbruch in Pakistan dürfte nicht allein das Video oder Mohammed-Karikaturen sein. Die Bilanz der pakistanischen Regierung ist miserabel. Lebensmittel, Benzin- und Gaspreise sind in den vergangenen Monaten drastisch gestiegen, die Arbeitslosigkeit ist nach wie vor hoch. Mehr als die Hälfte der knapp 200 Millionen Menschen muss mit weniger als zwei US-Dollar am Tag auskommen, lebt also in Armut.

Zudem hat die Wut der Menschen auf die USA zugenommen - wegen der seit Jahren andauernden Drohnenangriffe im Westen des Landes, wegen einer Episode mit einem CIA-Söldner im Frühjahr 2011, bei dem zwei Pakistaner getötet wurden, wegen der Tötung Osama Bin Ladens in Abbottabad ohne Einbindung Pakistans und wegen eines angeblich versehentlichen Angriffs auf einen pakistanischen Grenzposten im November 2011 mit 26 toten Soldaten.

Kundgebung in Freiburg verlief friedlich

Eine Pleite erlebten salafistische Gruppen in Ägypten, die zu einer Demonstration vor der französischen Botschaft in Kairo aufgerufen hatten. Weniger als hundert Teilnehmer beteiligten sich an dem Protest, der sich gegen die Karikaturen in der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" richtete. Auch in Beirut folgten weniger als tausend Muslime dem Demonstrationsaufruf eines salafistischen Predigers.

In Malaysia zogen nach Polizeischätzungen etwa 5000 Menschen vor der US-Botschaft und einer nahe gelegenen Moschee auf. In Kabul protestierten Hunderte Afghanen friedlich.

Auch in Deutschland verlief der erste Protest gegen den islamfeindlichen Film ohne Zwischenfälle. Unter dem Motto "Meinungsfreiheit ja, Beleidigung nein" zogen etwa 400 Menschen durch die Freiburger Innenstadt. Die Polizei begleitete die Demonstration mit einem massiven Aufgebot, betonte aber, dass die Veranstaltung ordnungsgemäß angemeldet gewesen sei und der Veranstalter sich vor und während des Umzugs ausgesprochen kooperativ gezeigt habe.

Ursprünglich waren die Behörden von der doppelten Teilnehmerzahl ausgegangen. Unter den Demonstranten waren auch Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche, die den Muslimen ihre Solidarität aussprachen und für einen Dialog der Religionen warben. "Die erste Veranstaltung zu diesem emotionalen Thema auf deutschem Boden hat wunderbar geklappt", sagte ein Polizeisprecher SPIEGEL ONLINE nach der zweistündigen Kundgebung. Ein Großteil der Demonstranten waren schiitische Muslime, einige waren eigens aus Frankreich angereist. Dort haben die Behörden Demonstrationen gegen den Film verboten.

Keine Zwischenfälle in Münster

Auch im nordrhein-westfälischen Münster versammelten sich etwa 500 Muslime zu einer Demonstration mit dem Motto "Gegen den religionsbeleidigenden Film im Internet". Die Gläubigen wollten deutlich machen, so der Mitveranstalter Abdul-Amir Hallal, dass sie die Beleidigung ihrer Heiligen nicht länger hinnähmen. "Wir können das nicht mehr ignorieren."

Der Protestzug, der sich gegen 17.30 Uhr vom Hauptbahnhof durch das Zentrum Münsters schlängelte, skandierte immer wieder: "Diesen Film wollen wir nicht!"

Die Organisatoren hatten die Teilnehmer vor Beginn der Veranstaltung dazu aufgerufen, unbedingt friedlich zu bleiben. "Wir dürfen uns nicht provozieren lassen", so einer der Wortführer. Nach Angaben der Polizei kam es tatsächlich zu keinerlei Zwischenfällen. "Von deren Disziplin", so formulierte es einer der erfahrenen Beamten, "können sich andere wirklich eine Scheibe abschneiden."

Mitarbeit: Jan Lukas Strozyk, Christoph Sydow und Jörg Diehl

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 170 Beiträge
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1. Der Tag der Liebe!
hatomune 21.09.2012
So man eine auf die linke Backe kriegt , halte man auch die rechte hin! Ich bin kein Christ - halt Agnostiker. Aber was Jesus (falls es ihn gab) da vorschlägt, ist große Philosophie. Seine Nachfolger haben sich selten danach gerichtet. Man denke nur an Urban II. Und doch ist das Mittelalter hier im Großen und Ganzen vorbei. Kolossale Leistung der Aufklärer. Was des Propheten Protagonisten unter Liebe verstehen, wird seit der Jasminischen Revolution auch dem verbohrtesten Wohlmeinenden klar
2. Stimmung
Izmi 21.09.2012
Zitat von sysopAFPHunderttausende haben am Freitag gegen das Mohammed-Schmähvideo sowie gegen Karikaturen des Propheten demonstriert. In Pakistan war dafür eigens ein Feiertag ausgerufen worden, ein "Tag des Ausdrucks der Liebe für den Propheten". Doch dabei kamen mindestens 16 Menschen ums Leben. Pakistan: Tote durch Gewalt am "Tag der Liebe für den Propheten" - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,857281,00.html)
Dann und wann scheint selbst hier im Forum die Erkenntnis durch, dass diese Proteste nicht nur Aktionen pro Islam sind, sondern gleichzeitig auch Ausdruck einer ansonsten hilflosen und unterdrückten Armut, die wir im "Westen" wenigstens mit zu verantworten haben - wobei viele der Ursachen bestimmt genauso hausgemacht sind. Das ist aber egal. Solange wir hier nicht erkennen, dass Armut und Ausbeutung zu Aufständen führen, und solange wir nicht die Lebensumstände der Menschen dort verbessern helfen und gezielte Hilfe leisten, werden solche Ausbrüche immer wieder vorkommen. Und wir sollten durchaus auch Angst haben: Pakistan hat die Bombe! Man könnte auch sagen: Die Pakistani haben die Bombe...
3.
Number-Cruncher 21.09.2012
Zitat von IzmiDann und wann scheint selbst hier im Forum die Erkenntnis durch, dass diese Proteste nicht nur Aktionen pro Islam sind, sondern gleichzeitig auch Ausdruck einer ansonsten hilflosen und unterdrückten Armut, die wir im "Westen" wenigstens mit zu verantworten haben - wobei viele der Ursachen bestimmt genauso hausgemacht sind. Das ist aber egal. Solange wir hier nicht erkennen, dass Armut und Ausbeutung zu Aufständen führen, und solange wir nicht die Lebensumstände der Menschen dort verbessern helfen und gezielte Hilfe leisten, werden solche Ausbrüche immer wieder vorkommen. Und wir sollten durchaus auch Angst haben: Pakistan hat die Bombe! Man könnte auch sagen: Die Pakistani haben die Bombe...
Erklären Sie mir bitte a) Wieso wir die Armut in Pakistan mit zu verantworten haben b) Wie die Leute ihrer Armut entgegenwirken, indem sie sich gegenseitig die Köpfe einschlagen. Danke:)
4. Na dann ist die Religion ja doch nicht so friedlich....
hanfiey 21.09.2012
und eine wahre Aussage vorhanden. Ich habe den Film selbst nicht gesehen, er interessiert mich nicht!.
5. Mit der Realität kommt die Satire nicht mit
ditor 21.09.2012
Zitat von sysopAFPHunderttausende haben am Freitag gegen das Mohammed-Schmähvideo sowie gegen Karikaturen des Propheten demonstriert. In Pakistan war dafür eigens ein Feiertag ausgerufen worden, ein "Tag des Ausdrucks der Liebe für den Propheten". Doch dabei kamen mindestens 16 Menschen ums Leben. Pakistan: Tote durch Gewalt am "Tag der Liebe für den Propheten" - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,857281,00.html)
Wenn es nicht so traurig wäre - das ist doch alles Realsatire vom feinsten. Tote am Tag der Liebe, Gewalt direkt nach dem Gebet ,...
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US-Islamophobe: Die Hintermänner des Mohammed-Films

Fläche: 796.095 km²

Bevölkerung: 191,710 Mio.

Hauptstadt: Islamabad

Staatsoberhaupt:
Mamnoon Hussain

Regierungschef: Nawaz Sharif

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