Pakistan US-Geheimdienste warnten Bhutto vor Attentat

Pakistans ermordete Oppositionsführerin Bhutto wurde kontinuierlich von US-Geheimdiensten über ihre bedrohliche Lage informiert. Doch sie traf kaum Vorkehrungen. Ein privater Sicherheitsdienst wurde zwar kontaktiert, aber nicht engagiert.


Washington - Die ermordete pakistanische Oppositionspolitikerin Benazir Bhutto war von den USA über Bedrohungen informiert worden: Sie sei mit einem "stetigen Strom" an Geheimdienstinformationen versorgt gewesen, so US-Beamte zur Nachrichtenagentur AP. Zudem seien ihre Berater darüber unterrichtet worden, wie die Sicherheit der ehemaligen Ministerpräsidentin erhöht werden könnte. Doch Bhutto und ihr Umfeld hätten zentrale Vorschläge nicht befolgt.

Porträt der ermordeten Bhutto: "Sie wusste, dass es Attentatsversuche geben würde"
REUTERS

Porträt der ermordeten Bhutto: "Sie wusste, dass es Attentatsversuche geben würde"

Hochrangige US-Diplomaten sollen mehrfach mit der Führung von Bhuttos pakistanischer Volkspartei PPP gesprochen haben, um die Bedrohung der Politikerin zu diskutieren und deren Sicherheitsvorkehrungen zu überprüfen. Nach Auskunft der US-Beamten sei auch Pakistans Regierung über Bhuttos Bedrohungslage informiert worden.

Die nach Pakistan übermittelten amerikanischen Informationen handelten von der eher generellen Bedrohungen durch die Taliban und al-Qaida-Sympathisanten. Nach US-Angaben seien Bhutto und ihre Berater insbesondere nach dem Attentatsversuch im Oktober zwar beunruhigt gewesen, hätten aber aufgrund fehlender spezifischer Bedrohung darauf bestanden, wenn überhaupt nur wenige Veränderungen der Wahlkampagne vorzunehmen.

Bhuttos Berater kontaktierten Blackwater

"Sie wusste, dass es Attentatsversuche geben würde", sagte ein US-Geheimdienstmitarbeiter über Bhutto: "Wir halten keine Informationen über mögliche Angriffe auf ausländische Spitzenpolitiker oder Staaten zurück", so der Beamte zu AP. Doch es sei deren Sache, "was sie unternehmen wollen". Und weiter: "Wir übermittelten ihnen einen stetigen Strom an Geheimdienstinformationen."

Bhuttos Berater hatten sich in den Gesprächen mit US-Vertretern über die Möglichkeit eines Engagements privater britischer oder amerikanischer Bodyguards erkundigt. Doch die Amerikaner rieten ab: Sie fürchteten, bemerkbare westliche Sicherheitsvorkehrungen könnten die Bedrohung noch erhöhen und selbst zum Ziel werden. Stattdessen empfahlen sie einige pakistanische Sicherheitsfirmen, die auch von westlichen Botschaften zum Schutz des Personals eingesetzt werden.

Doch Bhuttos Ehemann Asif Zardari lehnte ab. Er fürchtete, regionale Sicherheitsunternehmen könnten von Extremisten unterwandert sein. Bhuttos Berater scheinen entgegen dem Rat der Amerikaner doch auf westliche Firmen gesetzt zu haben: Man habe sich bei ihrer Firma nach Schutzmöglichkeiten für Bhutto erkundigt, teilte eine Sprecherin des privaten US-Sicherheitsdienstes Blackwater mit: "Aber leider wurde nie ein Vertrag geschlossen."

Die US-Regierung hat sich dem Wunsch, internationale Experten an der Untersuchung des Bhutto-Attentats zu beteiligen, vorsichtig angeschlossen. Jedwedes amerikanisches Engagement werde begrenzt und zurückhaltend sein, so US-Beamte.

sef/AP/Reuters

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