Pakistan Viele Tote bei Selbstmordanschlag auf Sufi-Schrein

An einem Schrein liberaler Sufi-Muslime hat sich in Südpakistan ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Nach Polizeiangaben kamen rund 70 Menschen ums Leben.

Sufi-Schrein in Sehwan (Archivbild)
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Sufi-Schrein in Sehwan (Archivbild)


Tausende Gläubige zieht es jede Woche zum Lal Shahbaz Qalandar-Schrein in der südpakistanischen Stadt Sehwan. Jetzt ist die religiöse Stätte liberaler Sufi-Muslime Ziel eines der schwersten Terroranschläge in der Geschichte des Landes geworden. Ein Selbstmordattentäter sprengte sich in die Luft. Laut Angaben der Polizei wurden dabei mindestens 72 Menschen getötet.

Zuvor hatte es unterschiedliche Informationen über die Opferzahl gegeben. Einige Medien berichteten zunächst von bis zu 35 Toten, andere von mindestens 50. Bis zu 250 weitere Menschen seien verletzt worden, berichtete der Sender Geo TV unter Berufung auf den Polizeichef der Provinz Sindh, Allahdino Khawaja.

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) reklamierte die Tat für sich. Pakistanische Journalisten berichteten, ein Kommandeur der Gruppe habe sie angerufen. Kurz darauf veröffentlichte das IS-Sprachrohr Amak eine schriftliche Stellungnahme. In der hieß es, ein Selbstmordattentäter habe seine Sprengstoffweste inmitten einer schiitischen Menschenmenge in die Luft gesprengt.

Der IS ist früher bereits ähnlich vorgegangen. Manchmal haben allerdings auch andere Extremistengruppen die vom IS reklamierten Anschläge für sich beansprucht.

"Feindliche Mächte"

Laut pakistanischer Regierung hat der IS im Land keine Organisationsstruktur. In einer Erklärung der Armee hieß es, "feindliche Mächte" ordneten Terroranschläge in Pakistan an, die dann von sicheren Häfen in Afghanistan aus durchgeführt würden

Der Schrein, Ziel des jetzigen Anschlags, stammt aus dem 14. Jahrhundert. Auf Bildern ist ein großes Gelände zu sehen, das mit Hunderten Lichterketten geschmückt ist. Die Bombe soll während eines traditionellen Sufi-Tanzes im Hof des Schreins explodiert sein. Die Zeitung "Dawn" berichtete, der Tempel sei donnerstags besonders gut besucht.

Die sunnitischen islamistischen Gruppen im Land verachten den Sufi-Zweig. Es gibt in Pakistan regelmäßig Anschläge auf Sufi-Stätten. Zuletzt waren im November bei einem Anschlag auf einen Tempel in Baluchistan mindestens 52 Menschen getötet worden.

Der Anschlag in Sehwan war der jüngste einer ganzen Reihe von Attentaten im Land. Allein seit Montag sind nun mindestens 94 Menschen als Folge von Anschlägen getötet worden. Die meisten hat die Gruppe Jamaat ul-Ahrar für sich reklamiert. Sie kündigte weitere Anschläge an.

Nach zwei relativ ruhigen Jahren ist diese neue Gewaltwelle ein Schock für Pakistan. Nach massiven Militäroffensiven gegen Taliban und andere Terrorgruppen ab 2014 war die Zahl der Anschläge und ihrer Opfer in Pakistan für eine Weile stark zurückgegangen.

kev/dpa/AFP/Reuters



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