Pakistan Viele Tote und Verletze bei Anschlag auf Schiitenprozession

Bei einem Bombenanschlag auf eine schiitische Prozession sind in Pakistan sieben Menschen getötet worden, Dutzende wurden verletzt. Die Taliban haben sich zu dem Anschlag bekannt - die Behörden fürchten weitere Angriffe.

Mann mit Metalldetektor am Anschlagsort: Bombe am Straßenrand platziert
AFP

Mann mit Metalldetektor am Anschlagsort: Bombe am Straßenrand platziert


Islamabad - Ein am Straßenrand deponierter Sprengsatz hat in Pakistan bei einer Schiitenprozession sieben Menschen getötet und mehrere Dutzend Personen verletzt. Die Bombe sei nahe der Stadt Dera Ismail Khan in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa in einem Mülleimer deponiert gewesen, teilte die Polizei mit. "Es gab sieben Tote, darunter vier Kinder, und rund 30 Verletzte", sagte ein Krankenhaussprecher. Laut Polizeiangaben war die Explosion kilometerweit zu hören.

Die Tehrik-i-Taliban Pakistan (TTP), die pakistanische Taliban-Dachorganisation, bekannte sich zu dem Anschlag. Ein Sprecher sagte, man habe mehr als 20 Selbstmordattentäter im ganzen Land zu Angriffen auf die Schiiten entsandt.

An der Prozession nahmen etwa hundert Personen teil. Sie waren auf dem Weg zu einer größeren Versammlung, als die Bombe explodierte. Die Prozession fand zum Gedenken an den Tod von Imam Hussein, einem Enkel des Propheten Mohammed, statt. Am Sonntag feiern die Schiiten Aschura, bei dem des Todes von Imam Hussein bei der Schlacht von Kerbela im Jahr 680 gedacht wird. Es ist das wichtigste Fest der Schiiten und war bereits wiederholt Anlass für Anschläge.

Aus Sorge vor Angriffen verschärften die pakistanischen Behörden daher im Vorfeld die Sicherheitsvorkehrungen. Insbesondere schalteten sie in den großen Städten die Mobilfunknetze ab, da Handys oft als Fernzünder von Bomben benutzt werden.

Sunnitische Extremisten betrachten Schiiten als religiöse Abweichler. Die Taliban verüben immer wieder Anschläge auf Schiiten, die knapp ein Fünftel der Bevölkerung in dem überwiegend sunnitischen Land stellen. Erst vor wenigen Tagen waren in Karachi und Rawalpindi bei zwei Anschlägen der Taliban auf die schiitische Minderheit 25 Menschen getötet worden.

Die Stadt Dera Ismail Khan, an deren Rand sich der Anschlag ereignete, liegt unweit der unruhigen Stammesgebiete, die als Hochburg der Taliban und als Rückzugsgebiet für andere sunnitische Extremistengruppen wie al-Qaida gelten.

ulz/AFP/AP/dpa

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