Pakistan: Islamabad plant Freilassung aller gefangenen afghanischen Taliban

Pakistans Außenminister will alle afghanischen Taliban-Kämpfer im Land aus der Haft entlassen. Unter den Gefangenen ist auch die ehemalige Nummer zwei der Islamisten. Die afghanische Regierung hatte die Amnestie der Taliban seit Jahren gefordert - und hofft nun auf Friedensgespräche.

Abu Dhabi/Islamabad/Kabul - Pakistans Außenminister Jalil Jilani kündigte auf einer Pressekonferenz in Abu Dhabi an: "Das Ziel ist es, alle freizulassen." Dies solle allerdings nach und nach geschehen.

Es ist die dritte Entlassung von Taliban-Kämpfern, die in den vergangenen Jahren verhaftet wurden. Zuletzt hatte das pakistanische Außenministerium Ende Dezember acht Extremisten amnestiert, darunter den früheren Taliban-Justizminister Nuruddin Turabi. Mit der neuesten Ankündigung kommt Pakistan der afghanischen Regierung von Präsident Hamid Karzai weiter entgegen. Kabul hofft, die Taliban eher von Gesprächen überzeugen zu können, wenn führende Kommandeure freikommen.

Entscheidend dürfte die Freilassung von Mullah Abdul Ghani Baradar werden - die ehemalige Nummer zwei der Taliban. Baradar ist im August 2010 in Karatschi festgenommen worden. Seitdem fordern die Regierung Karzai und die Taliban in seltener Eintracht seine Entlassung. Aus Sicht der afghanischen Regierung hängt an ihm eine vollständige Versöhnung mit den Taliban. Wann Baradar aus der Haft kommen wird, sagte Außenminister Jilani nicht.

Grundsätzlich sind die pakistanisch-afghanischen Beziehungen von gegenseitigem Misstrauen geprägt. Beide Länder werfen dem jeweils anderen vor, Terror in der Region zu schüren. Die Entscheidung alle übrigen Taliban im Land freizulassen, verdeutlicht Pakistans Bereitschaft den Friedensprozess in Afghanistan nach Abzug der Nato-Truppen im Jahr 2014 voranzubringen.

In der pakistanischen Bevölkerung sind die Freilassungen umstritten. Immer wieder verüben Taliban Anschläge im Land.

lab/Reuters

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insgesamt 5 Beiträge
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1.
shb.afzal 18.01.2013
Zitat von sysopAFPPakistans Außenminister will alle afghanischen Taliban-Kämpfer im Land aus der Haft entlassen. Unter den Gefangenen ist auch die ehemalige Nummer Zwei der Islamisten. Die afghanische Regierung hatte die Freilassung der Taliban seit Jahren gefordert - und hofft nun auf Friedensgespräche. http://www.spiegel.de/politik/ausland/pakistan-will-alle-taliban-freilassen-a-878454.html
Geiselnahme in Algerien: Entführer wollen Islamisten aus US-Haft freipressen und Pakistan: Islamabad plant Freilassung aller gefangenen afghanischen Taliban : was ist der Unterschied zwischen beiden Überschriften und welche klingt gefährlicher? Lang lebe die Politik des Westens
2. Es fällt schwer, eine derartige Freilassung
echo0815 18.01.2013
mit unserem Urteils- und Bewertungsvermögen dortiger Entwicklungsvorgänge einzuordnen. Die Taliban beweisen stets auf´s neue, an ihren extrem islamistischen Ansichten festzuhalten und diese auch durchzusetzen. Und so wird man 2014 nach Abzug aller Nato-Truppen wohl sukzessive beobachten und akzeptieren müssen, dass am Schluss die Taliban dann doch die Macht in Afghanistan erringen werden. Allen bisherigen Anstrengungen und Opfern der westlichen Welt zum Trotz.
3. Die Taliban
jochen1978 18.01.2013
wollen die Macht, bzw. angeblich eine Beteiligung an der Macht. Wie stellt sich Hr. Karzai das vor? Ihn dürften die Taliban doch als erstes beseitigen wollen. Diese Land ist doch seit Jahrzehnten geprägt von internen Streitereien und wechselnden Bündnissen. Steckt da eine tolle Strategie dahinter die ich als Deutscher nicht verstehen kann?
4.
karsten rohde 18.01.2013
Karzai wird das Schicksal Najibullahs teilen, wenn er über den Abzug hinaus im Land bleibt.
5. Friedensprozess
darthmax 19.01.2013
durch Freilassung von Terroristen ? Irgendwas stimmt da doch nicht. Oder haben die Gefangenen ihrer Religion abgeschworen?
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