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Pakistan: Luftwaffe tötet Dutzende Taliban im afghanischen Grenzgebiet

Taliban-Kämpfer im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet (Archivbild): Pakistanische Armee nach Anschlag in Karatschi unter Druck Zur Großansicht
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Taliban-Kämpfer im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet (Archivbild): Pakistanische Armee nach Anschlag in Karatschi unter Druck

Pakistans Luftwaffe hat acht Stellungen von Aufständischen im Grenzgebiet zu Afghanistan bombardiert. Angeblich wurden mehr als hundert Kämpfer getötet - als Vergeltung für den Terrorangriff auf den Flughafen von Karatschi.

Islamabad - Die pakistanische Luftwaffe hat am Sonntagmorgen Stellungen von mutmaßlichen Aufständischen im Nordwesten des Landes bombardiert. Dutzende Extremisten, unter ihnen Kämpfer aus Usbekistan, seien bei dem Einsatz getötet worden, erklärten Vertreter der örtlichen Sicherheitsbehörden. Der Angriff ereignete sich demnach nahe Miranshah, der Hauptstadt der Unruhegerion Nord-Waziristan.

Über die genaue Opferzahl lagen zunächst keine gesicherten Informationen vor. Die Nachrichtenagenturen berichten mit Bezug auf unterschiedliche Quellen von einigen Dutzend bis zu 150 Toten. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurden bei den Luftangriffen acht Verstecke der Taliban und anderer Extremistengruppen zerstört. Einem Geheimdienstmitarbeiter zufolge wurden auch mehrere usbekische Kämpfer getötet.

Die halbautonomen Stammesgebiete an der Grenze zu Afghanistan gelten als Hochburg des Terrornetzwerks al-Qaida und anderer islamistischer Gruppen wie der Taliban. Der Angriff der pakistanischen Luftwaffe ist der zweite gezielte Schlag gegen die Gruppen in der Region innerhalb einer Woche. Bei US-Drohnenangriffen in Nord-Waziristan waren Mitte der Woche 16 mutmaßliche Extremisten getötet worden. Zugleich flog die pakistanische Luftwaffe Angriffe auf mehrere Ziele in der Region an und tötete dabei mindestens 25 mutmaßliche Aufständische.

Die pakistanische Regierung hatte sich in den zurückliegenden Monaten um Verhandlungen mit den verschiedenen Extremistengruppen bemüht. Anfang März hatten die pakistanischen Taliban eine Waffenruhe ausgerufen, um Friedensgespräche mit der Regierung in Islamabad zu erleichtern. Wenig später kündigten sie diese jedoch wieder auf. Seitdem kam es wieder vermehrt zu Anschlägen der Taliban sowie Angriffen der Armee auf Stellungen der Extremisten.

Seit dem Angriff der Gruppe Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) auf den Flughafen in Karatschi steht die pakistanische Armee unter Druck, Ergebnisse gegen die Aufständischen zu erzielen. Bei den Gefechten um den zeitweilig besetzten Flughafen Anfang der Woche wurden 38 Menschen getötet. An dem Attentat waren nach Angaben der Taliban auch usbekische Extremisten beteiligt. Die TTP und andere islamistische Gruppierungen kämpfen seit 2007 gegen die Regierung Pakistans, Tausende Menschen wurden dabei getötet.

Der Luftwaffenangriff vom Sonntagmorgen richtete sich offenbar gezielt gegen TTP: Mit Abu Abdul Rehman al-Maani wurde bei der Attacke angeblich einer der Planer der Flughafen-Besetzung getötet. Die Nachrichtenagentur AP berichtet, dass Führer der verschiedenen Extremistengruppen zu einer Beratung über ein von der pakistanischen Armee gestelltes Ultimatum zusammensaßen, als der Luftangriff erfolgte.

Elf Tote bei Autobombenanschlag in Afghanistan

Auch die Stichwahl um dieafghanische Präsidentschaft wird von einem weiteren Anschlag überschattet. Bei der Explosion einer am Straßenrand versteckten Bombe seien elf Menschen getötet worden, teilte der Gouverneur der nördlichen Provinz Samangan am Sonntag mit. Unter den Opfern seien auch Vertreter der Wahlbehörden.

Der Anschlag ereignete sich am Samstagabend nach Schließung der Wahllokale. Bereits im Laufe des Tages hatten Extremisten nach Angaben des Innenministeriums Hunderte Angriffe verübt. Sie setzten dabei unter anderem Sprengsätze und Raketen ein. Mindestens 20 Zivilisten starben, zudem wurden elf Polizisten und 15 Armeeangehörige getötet, wie das Ministerium mitteilte, bevor der Anschlag in Samangan bekannt gegeben wurde. Dennoch war die Wahlbeteiligung hoch.

Ein vorläufiges Ergebnis der Abstimmung soll am 2. Juli vorliegen. Zur Wahl standen Exaußenminister Abdullah Abdullah und der frühere Weltbank-Experte Aschraf Ghani. Amtsinhaber Hamid Karsai durfte nach zwölf Jahren an der Macht nicht erneut antreten. Die Wahl gilt als Test, ob dem Land ein demokratischer Machtwechsel gelingt.

pat/AP/AFP/Reuters

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insgesamt 36 Beiträge
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1. Das geht
knowit 15.06.2014
mit Drohen viel einfacher...
2.
cryn 15.06.2014
Vergeltung? Ihr seit so leichtgläubig..
3. Grundsatzentscheidung fällig
fridolin.gaertner 15.06.2014
Gut so. Ich weiß nicht, ob es nicht Zeit ist für einen weltweiten RAF (Raid against Fascism). Taliban, Boko Haram, Putin, Isis - überall kriechen Faschismus, Westenhass und Gewalt aus ihren Löchern. Der Westen muss eine Grundentscheidung fällen: Mit dem Faschismus verhandeln oder Verteidigung von Demokratie, Menschen- und Völkerrecht.
4. Warum haben ...
freddygrant 15.06.2014
... Pakistan und die USA nicht den Mumm mit der Taliban im afghan.-pakistan. Gretzgebiet politisch und wenn nötig miltärisch aufzuräumen? Die politischen Saktionen und Ultimaten sind möglich, und die militärischen Mittel längst vorhanden (siehe Bin Laden). Oder haben die Pakistanis und Amis immer noch die Hosen voll vor einem langanhaltenden Konflikt, der er doch schon lange genug ist.
5. Gehts noch
elcamel666 15.06.2014
...ein bisschen weniger reißerisch, lieber Spiegel? Schön, dass ihr versucht Klicks zu generieren, indem ihr einfach mal nur "Luftwaffe" ohne Länderkennzeichnung in den Titel nehmt. Wohlwissend, dass man erst mal an die deutsche Luftwaffe denkt znd entsetzt den Artikel anklickt. Schlechter Stil. Peinlich.
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