Schmähvideo: Pakistanischer Minister setzt Kopfgeld auf Mohammed-Filmemacher aus
Tausende Muslime haben friedlich gegen das verunglimpfende Mohammed-Video und Karikaturen des Propheten demonstriert. Ein pakistanischer Minister setzt dagegen auf Gewalt: Er verspricht demjenigen, der den Produzenten des Films tötet, 100.000 Dollar. Die Regierung distanziert sich.
Hamburg/Islamabad - Der pakistanische Eisenbahnminister Ghulam Ahmed Bilour hat ein Kopfgeld auf den Produzenten des islamfeindlichen Films aus den USA ausgesetzt. Er versprach an diesem Samstag demjenigen, der "diesen Gotteslästerer" töte, 100.000 Dollar.
Bilour forderte die Taliban und das Terrornetzwerk al-Qaida auf, sich der "noblen Sache" anzuschließen. Er will das Geld aus seiner eigenen Tasche zahlen, berichtete die BBC.
"Wenn jemand anderes in Zukunft ähnliches Material produziert, dann werde ich seinen Mördern ebenfalls 100.000 Dollar zahlen", sagte der Eisenbahnminister. "Länder, in denen es eine Meinungsfreiheit gibt, brauchen Gesetze gegen Menschen, die unseren Propheten beleidigen. Wenn sie keine Gesetze erlassen, dann wird die Zukunft sehr gefährlich." Ihm sei klar, dass es eine Straftat sei, Menschen zum Mord aufzurufen, sagte der Minister. Es gebe aber keinen anderen Weg, "Gotteslästerern" Furcht einzuflößen. "Ich würde ihn sogar eigenhändig umbringen", sagte er.
Ein Regierungssprecher verurteilte die Worte des Ministers und sagte, es werde überlegt, ob man gegen ihn vorgehe. Auch der Pressesprecher des Premierministers, Shafqat Jalil, sagte der BBC, dass sich die Regierung von der Aussage Bilours distanziere.
Am Samstag herrschte in Pakistan erhöhte Alarmbereitschaft - doch die Lage blieb bislang ruhig. In der Hauptstadt Islambad marschierten mehr als 5000 Menschen, darunter Hunderte Frauen, auf das Parlament zu. Am Freitag waren dort mindestens 23 Menschen ums Leben gekommen. In Bangladeschrief eine Allianz von zwölf islamischen Parteien für Sonntag zu einem landesweiten Generalstreik auf.
Die Wut der Massen richtet sich gegen ein Schmähvideo aus den USA, das den Propheten Mohammed verunglimpft. Seit eineinhalb Wochen gibt es deswegen in islamischen Ländern Massenproteste.
In Deutschland versammelten sich am Samstag in Dortmund rund 1500 Menschen aus Protest gegen den islamfeindlichen Mohammed-Film. Zu der Kundgebung hatte eine muslimische Privatperson aufgerufen. Auch in Karlsruhe war eine Demonstration angemeldet. Am Freitag hatten bereits in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen insgesamt rund 1600 Menschen friedlich gegen das Video protestiert. Die Bundesregierung und die Berliner Landesregierung sprachen sich dagegen aus, das umstrittene Video in Deutschland vorzuführen.
Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) ist weiter der Überzeugung, dass das islamfeindliche Mohammed-Video den öffentlichen Frieden stören könnte. "Das islamkritische Video enthält Beschimpfungen, Beleidigungen und Schmähungen, die geeignet sind, den öffentlichen Frieden zu stören", sagte Friedrich der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Das hätten die Reaktionen und Demonstrationen von Menschen muslimischen Glaubens in den vergangenen Tagen gezeigt.
"Radikale, islamistische und salafistische Gruppen missbrauchen weltweit diese Aktionen für ihre Zwecke", zitierte die "FAS" Friedrich weiter. Der Innenminister mahnte, niemand solle sich bei den Demonstrationen in Deutschland durch Provokateure anstacheln lassen.
Der Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU) kritisierte die rechtspopulistische Partei Pro Deutschland, die den Film zeigen möchte. Sie ziele mit ihren Aktionen ganz klar darauf ab, "unsere Gesellschaft zu spalten und Bevölkerungsteile gegeneinander aufzustacheln". Pro Deutschland geht allerdings davon aus, dass ihr die angekündigte Vorführung von den Berliner Behörden gestattet wird. "Innensenator Henkel wird sich doch nicht lächerlich machen, indem er sagt, er könne in Berlin die öffentliche Sicherheit nicht garantieren", sagte der Vorsitzende von Pro Deutschland, Manfred Rouhs, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("FAS"). Er kündigte an, den Film im November in einer Lagerhalle in Berlin zu zeigen.
Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) forderte, eine öffentliche Vorführung des islamfeindlichen Videos in Deutschland zu verbieten.
In Frankreich waren am Samstag jegliche Protestaktionen verboten. Im pakistanischen Lahore veranstaltete die islamistische Gruppe Jamaat-ud-Dawa eine Protestkundgebung vor dem US-Konsulat. Auch in Karatschi waren Proteste geplant. Auch im Norden Nigerias protestierten am Samstag Tausende Menschen gegen das Video. Trotz wütender Parolen blieben die Demonstranten friedlich.
kha/kaz/AFP/dpa
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