Nahost-Konflikt Abbas nennt US-Botschafter "Hundesohn"

Nach dem Mordanschlag auf den palästinensischen Premier beschuldigt Präsident Abbas die Hamas - und wirft den USA vor, die Islamisten zu unterstützen. Den US-Botschafter in Israel beschimpft er unflätig.

Mahmoud Abbas
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Mahmoud Abbas


Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas hat die im Gazastreifen herrschende Hamas direkt für den Mordversuch an Ministerpräsident Rami Hamdallah verantwortlich gemacht. Bei einer Versammlung in Ramallah sagte Abbas, man warte nicht die Ergebnisse einer Hamas-Untersuchung ab, "weil wir wissen, dass sie - die Hamas-Bewegung - hinter dieser Tat steht".

Vor dem Hintergrund der Anschuldigungen warf er den USA vor, gemeinsame Sache mit der Hamas zu machen: Die Amerikaner würden einen "Staat Gaza" anstreben, anstatt eines Palästinenserstaates im Gazastreifen und Westjordanland mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt. Er beschimpfte den US-Botschafter in Israel, David Friedman, als "Hundesohn" und "Siedler" - Friedman hatte in der Vergangenheit gesagt, die Siedlungen seien "Teil Israels".

Am vergangenen Dienstag war neben Hamdallahs Konvoi kurz nach der Einfahrt in den Gazastreifen ein Sprengsatz explodiert. Auch Geheimdienstchef Madschid Faradsch befand sich bei ihm. Beide blieben unverletzt.

Abbas weist US-Friedensangebot zurück

Abbas drohte der Hamas mit "nationalen, juristischen und finanziellen Maßnahmen". Die Fatah-Partei von Abbas und die Hamas hatten nach mehr als zehn Jahren Bruderzwist am 12. Oktober in Kairo ein Versöhnungsabkommen vereinbart. Ziel war eine einheitliche Herrschaft im Gazastreifen und im Westjordanland. Der Prozess verlief bisher aber sehr schleppend.

Wegen ihrer vermeintlichen Zusammenarbeit mit der Hamas und der Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt kritisierte Abbas die Trump-Regierung scharf. Er wies ein erwartetes Friedensangebot des Weißen Hauses vorsorglich zurück. In seiner wütenden Ansprache verurteilte Abbas zudem die Entscheidung der Amerikaner, ihre Botschaft nach Jerusalem zu verlegen und Hilfen für palästinensische Flüchtlinge zu streichen.

"Wir werden nicht warten"

"Manche sagen, wir sollen auf ihren Plan warten", sagte er auf die US-Regierung bezogen. "Worauf sollen wir warten? Nein, wir werden nicht warten, wir werden das nicht erlauben."

Die Hamas hatte 2007 die alleinige Macht im Gazastreifen an sich gerissen. Die EU, die USA und Israel stufen die Hamas als Terrororganisation ein. Israel hat eine Blockade über das Küstengebiet verhängt, die mittlerweile von Ägypten mitgetragen wird.

ans/dpa/AP/Reuters



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