US-Präsidentschaftskandidat Romney empört Palästinenser

Mitt Romney macht auf seiner Auslandsreise Wahlkampf - und bringt damit die Palästinenser gegen sich auf: Die Israelis seien aufgrund ihrer Kultur ökonomisch überlegen und Jerusalem die Hauptstadt Israels, polterte der Herausforderer von US-Präsident Obama.

Mitt Romney in Jerusalem: "Ich sehe die Kraft der Kultur und anderen Dingen"
REUTERS

Mitt Romney in Jerusalem: "Ich sehe die Kraft der Kultur und anderen Dingen"


Jericho - Mitt Romney ist auf Stimmenfang. Während seiner Israelreise versucht er die heimischen jüdischen Wähler für sich zu gewinnen. Nachdem er bereits mitgeteilt hatte, Israel niemals kritisieren zu wollen und immer an dessen Seite zu stehen, soll er zum Abschluss seines Besuchs die wirtschaftliche Überlegenheit Israels gegenüber den Palästinensergebieten auf einen "kulturellen Unterschied" zurückgeführt haben. "Kultur ist entscheidend", zitiert ihn die "New York Times".

Vor einer Gruppe israelischer Geldgeber in Jerusalem sprach Romney über die ökonomischen Unterschiede zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten. Das mehr als doppelt so hohe Pro-Kopf-Einkommen der Israelis lasse einen extremen Unterschied wirtschaftlicher Stärke erkennen. "Wenn ich hierherkomme, über die Stadt schaue und die Errungenschaften dieser Nation betrachte, erkenne ich die Kraft der Kultur und einiger anderer Umstände", sagte Romney.

Palästinenser reagierten empört. Der ranghohe palästinensische Politiker Sajeb Erakat warf Romney Rassismus vor. "Das ist ein rassistisches Statement. Dieser Mann sieht nicht, dass die palästinensische Wirtschaft ihr Potential aufgrund der israelischen Besatzung nicht ausschöpfen kann", sagte Erakat gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Romney mangele es offenbar an Informationen, Wissen, Verständnis und einer Vision für die Region, so Erakat weiter.

Romney würde die US-Botschaft nach Jerusalem verlegen

Romney bemüht sich nun um Schadensbegrenzung. Die Zitate seien aus dem Kontext gerissen, teilten seine Mitarbeiter mit. Der designierte Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner liegt Umfragen zufolge bei den Jüdischen Wählern weit hinter seinem Konkurrenten: 68 Prozent der amerikanischen Juden würden derzeit Präsident Barack Obama wählen, nur 25 Prozent seinen Herausforderer.

Erakat verurteilte auch andere Äußerungen Romneys während dessen Besuch in Israel als "absolut inakzeptabel". Romney hatte am Sonntag erklärt, Jerusalem sei die Hauptstadt Israels. Zugleich ließ er erkennen, dass er die US-Botschaft nach Jerusalem verlegen würde, wäre er Präsident. Erakat sagte am Montag, Romneys Äußerungen seien beunruhigend und belohnten "Besatzung und Aggression". Zudem widersprächen sie der langjährigen politischen Haltung der USA.

Damit habe Romney bei dem Friedensprozess geschadet, zitierte die palästinensische Zeitung "Al-Quds" Erakat. Der Ostteil Jerusalems wurde von Israel 1967 erobert und später annektiert. Seither siedeln sich dort mehr als 200.000 jüdische Siedler an. Von der Uno wird die Annexion nicht anerkannt. Die Palästinenser wollen Ost-Jerusalem zur Hauptstadt ihres eigenen Staates machen.

Das Weiße Haus distanziert sich von Romneys Äußerungen

Auch das Weiße Haus kritisierte die Äußerungen Romneys. Präsidentschaftssprecher Josh Earnest sagte am Montag, die Verärgerung der Palästinenser sei verständlich. Der Herausforderer von Obama solle sich "ausführlicher dazu äußern, was er habe sagen wollen". Wenn Romney Jerusalem am Sonntag als "Israels Hauptstadt" bezeichnet habe, so entspreche dies nicht der Position der US-Regierung.

Die Hauptstadtfrage müsse in Verhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern über den Endstatus Jerusalems geklärt werden. Das sei die Haltung auch früherer US-Regierungen gewesen, egal ob diese von den Demokraten oder den Republikanern gestellt worden sei, sagte der Sprecher. Wenn Romney damit nicht einverstanden sei, sei er auch nicht mit der Position von Präsidenten wie Bill Clinton und Ronald Reagan einverstanden.

"Wird es weitere Patzer geben?" schrieb die linksliberale "Gazeta Wyborcza" am Montag vor der Ankunft des Republikaners auf seiner letzten Station in Polen. Romney hatte bereits zum Auftakt seiner Reise in Großbritannien die Olympia-Gastgeber brüskiert, indem er ihre Organisationsfähigkeit in Frage stellte.

Romney will im November zum neuen Präsidenten der USA gewählt werden und wollte auf der Reise sein außenpolitisches Profil schärfen.

lgr/AP/dpa/AFP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 49 Beiträge
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Seite 1
der_pirat 30.07.2012
1. Auslosung
Ich glaube, die Amerikaner sollten ihren Präsidenten besser aus ihren Bürgern auslosen.
simon23 30.07.2012
2.
Zitat von sysopREUTERSMitt Romney macht auf seiner Auslandsreise Wahlkampf - und bringt damit die Palästinenser gegen sich auf: Die Israelis seien aufgrund ihrer Kultur ökonomisch überlegen und Jerusalem die Hauptstadt Israels, polterte der Herausforderer von US-Präsident Obama. Palästinenser empört über Äußerungen Romneys zu Israel und Jerusalem - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,847281,00.html)
Ein Trampeltier auf Reisen. Das macht sich im Nahen Osten doch schon recht gut. ;-) Eine so billige Anbiederung schreckt wahrscheinlich auch die vernünftigen Israelis und die Juden in Amerika, die über den Freibrief für die Hardliner wahrscheinlich nur den Kopf schütteln können. Meine Prognose: Er gewinnt kaum bei den jüdischen Wählern dazu und verliert vollständig bei den muslimischen.
ada-pazari 30.07.2012
3. Er hat bestimmt keine Ahnung,
wo Israel sich auf der Weltkarte befindet. Palästinenser sollten mit Rusland zusammenarbeiten, Wie man im Syrien-Konflikt sehen kann, USA traut sich nicht mal in die Nähe von Syrien.
frunabulax 30.07.2012
4. Oh Mann
Zitat von sysopREUTERSMitt Romney macht auf seiner Auslandsreise Wahlkampf - und bringt damit die Palästinenser gegen sich auf: Die Israelis seien aufgrund ihrer Kultur ökonomisch überlegen und Jerusalem die Hauptstadt Israels, polterte der Herausforderer von US-Präsident Obama. Palästinenser empört über Äußerungen Romneys zu Israel und Jerusalem - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,847281,00.html)
Oh Mann, der Kerl ist echt waffenscheinpflichtig.
gerd2006 30.07.2012
5. Eigentlich...
hat er damit mal wieder die Wahrheit ausgesprochen. Die wird nur nicht so gern gehört, liebe Mitkommentatoren.
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