Seenot im Mittelmeer Küstenwache entdeckt Dutzende Migranten auf Segeljacht

Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit hat die griechische Küstenwache auf einer Segeljacht zahlreiche Einwanderer entdeckt. Das Schiff war südlich von Kreta in Seenot geraten.

Gerettete Flüchtlinge im Mittelmeer (Archivbild)
DPA

Gerettete Flüchtlinge im Mittelmeer (Archivbild)


Südlich der griechischen Insel Kreta hat die Küstenwache eine Segeljacht mit rund 60 Migranten an Bord entdeckt. Unter ihnen waren zahlreiche Kinder, wie eine Beamtin der Küstenwache aus der kleinen Hafenstadt Paleochora sagte. "Es sind etwa 60 Menschen, auch Kinder sind dabei. Alle sind augenscheinlich wohlauf."

Das Boot war am Samstagabend rund 50 Seemeilen südlich von Kreta in Seenot geraten. Die Besatzung eines Patrouillenboots nahm die Jacht ins Schlepptau und brachte sie nach Paleochora.

Beamte der Küstenwache vermuteten, dass die Menschen von der türkischen oder ägyptischen Küste gestartet und auf dem Weg nach Italien waren. Bereits am Freitag hatte die griechische Küstenwache eine Segeljacht mit 65 Migranten Bord im Ionischen Meer entdeckt. Ein mutmaßlicher Schleuser wurde festgenommen.

Ärger auf Lampedusa

Seit der Schließung der Balkanroute wagen wieder mehr Menschen die gefährliche Route über das Mittelmeer, um nach Italien zu gelangen. Auf der italienischen Insel Lampedusa sieht der neue Bürgermeister derweil die öffentliche Sicherheit durch Migranten und fehlende Polizeikontrollen bedroht. "Im vergangenen Monat sind wir in die Anarchie gestürzt, die Regeln des bürgerlichen Lebens werden nicht respektiert", sagte Salvatore Martello der Zeitung "La Repubblica".

Lampedusa stand lange im Mittelpunkt der Flüchtlingskrise. Mittlerweile kommen aber deutlich weniger Migranten dort an - auch weil die italienische Regierung die Mittelmeerroute ganz schließen will und libysche Kräfte eine riesige Meeresfläche zu ihrem Quasihoheitsgebiet erklärt haben.

Insgesamt erreichten in diesem Jahr rund 6200 Flüchtlinge Lampedusa. In den Erstaufnahmeeinrichtungen werde aber zu wenig kontrolliert, ob sich die Ankömmlinge dort überhaupt aufhielten, beklagte Martello. Sie zögen durch die Straßen, würden sich betrinken und Passanten anpöbeln, zitierte die Nachrichtenagentur Ansa aus einem offenen Brief. Am Samstag hatte Martello deshalb die Schließung des Hotspots gefordert.

Die ehemalige Bürgermeisterin und mehrfach für ihr Engagement in der Flüchtlingskrise ausgezeichnete Giusi Nicolini warf Martello daraufhin "Terrorismus" vor. "Hier wird versucht, das Klima der Angst, das es auf Lampedusa vor meiner Wahl gab, wiederherzustellen", sagte sie Ansa. Nicolini war seit 2012 im Amt, bis sie die Kommunalwahl im Sommer gegen ihren Herausforderer verlor. In einem gab sie Martello aber recht: Seit weniger Flüchtlinge über die Libyenroute Italien erreichten, nehme der Zustrom von Tunesien aus wieder zu.

hut/dpa



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