Welterbestätte in Syrien IS-Terroristen sprengen Baalschamin-Tempel in Palmyra

Die Terrororganisation "Islamischer Staat" hat einen der bedeutendsten antiken Tempel des Nahen Ostens zerstört. Der Baalschamin-Tempel von Palmyra wurde vor 1900 Jahren errichtet, nun haben die Dschihadisten ihn gesprengt.


Die schlimmsten Befürchtungen der Archäologen haben sich bewahrheitet: Terroristen des "Islamischen Staats" (IS) haben eines der wichtigsten antiken Bauwerke in der syrischen Ruinenstadt Palmyra zerstört: den Baalschamin-Tempel, der im 2. Jahrhundert n. Chr. errichtet worden war.

Der Direktor der syrischen Antikensammlungen, Maamoun Abdulkarim, und mehrere Einwohner aus Palmyra berichten übereinstimmend, dass der IS den Tempel mit einer großen Menge Sprengstoff in die Luft gejagt habe. Das Gebäude sei in großen Teilen zerstört, sagte Abdulkarim. Bei der Explosion sei die sogenannte Cella des Tempels, ihr innerster heiliger Bereich, zerstört worden. Die umgebenden Säulen seien eingestürzt.

Seit der Eroberung der Stadt im Mai hatte der IS mehrfach mit der Zerstörung der antiken Stätte gedroht, zu der unter anderem eine lange Kolonnadenstraße, römische Grabmäler und mehrere Tempel gehören.

Baalschamin war eine im Altertum in der Levante verehrte Gottheit. Der Tempel war reich verziert und bis zum Ausbruch des Bürgerkriegs eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Syrien.

In der vergangenen Woche hatten die Dschihadisten Khaled al-Asaad, den Chef-Archäologen von Palmyra, enthauptet. Der 82-Jährige hatte sich für den Erhalt der antiken Stätte eingesetzt.

Mehrfach veröffentlichte der IS in den vergangenen Monaten Gewaltvideos aus Palmyra. Auf einem ist zu sehen, wie etwa 25 Kinder und Jugendliche im antiken Theater vor Hunderten Zuschauern gefangene syrische Soldaten erschießen. Ein anderes zeigt den österreichischen Dschihadisten Mohamed Mahmoud und den Deutschen Yamin A.-Z. Auch sie töteten Geiseln und drohten zudem Bundeskanzlerin Angela Merkel.

syd/AFP/AP/Reuters

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.