Nach Panama-Enthüllung Zehntausende Isländer fordern Rücktritt ihres Premiers

Island ist erschüttert: Der Name des Premiers Sigmundur David Gunnlaugsson taucht in den Panama-Leaks auf. Bei einer Großdemonstration forderten wütende Bürger Konsequenzen.


Islands Regierungschef David Sigmundur Gunnlaugsson ist durch die Enthüllungen aus den Panama Papieren über Geheimkonten im Ausland massiv unter Druck geraten. Zehntausende Menschen zogen am Dienstagabend vor das Parlament in Reykjavik und forderten seinen Rücktritt.

"Übernehmen Sie Verantwortung", stand auf vielen Plakaten. Nach Angaben der Polizei protestierten mehr Menschen als nach dem Bekanntwerden der massiven Aufsichtspannen bei der schweren Bankenkrise 2009, die das Land fast in den Bankrott getrieben hatte.

Tausende der rund 330.000 Einwohner Islands unterschrieben zudem eine Onlinepetition für den Rücktritt des Premiers. Die Opposition beantragte ein Misstrauensvotum im Parlament. Wann abgestimmt wird, war zunächst noch offen.

Laut den vom internationalen Recherchenetzwerk ICIJ veröffentlichten Panama Papers der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca hat Gunnlaugsson vor neun Jahren mit seiner heutigen Ehefrau auf den britischen Jungfraueninseln eine Briefkastenfirma gegründet und dort Millionen Euro geparkt.

Ende 2009 überschrieb er laut der "Süddeutschen Zeitung" seiner Partnerin für einen symbolischen Betrag von einem Dollar seinen ganzen Anteil. Er war aber schon Mitte des Jahres ins Parlament eingezogen und hatte dabei sein Vermögen unterschlagen.

Der Ministerpräsident der rechtsliberalen Fortschrittspartei lehnte einen Rücktritt ab und bestritt die Absicht, Steuern zu hinterziehen. Er habe das Vermögen damals verheimlicht, damit der Reichtum seiner Frau im Wahlkampf nicht zum Thema werde, beteuerte er im Parlament.

Tausende der 330.000 Einwohner protestieren
DPA

Tausende der 330.000 Einwohner protestieren

sun/AFP



insgesamt 40 Beiträge
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conrath 04.04.2016
1. Island macht es vor. ..
...Rücktritt vom Amt und Rückzahlung entgangener Steuern. Was sonst? Wer hierzu meint, das sei der neue Stil in der Politik und an den müsse man sich eben gewöhnen, kann und darf nicht recht behalten. Island, bleibe hart.
foerster.chriss 04.04.2016
2. Steuersünder? Interessenkonflikt!
Lustig, er bestreitet, Steuern hinterzogen zu haben. Aber darum geht es nicht. Er meint, er könne sich wegen dem Vermögen, schlecht von seiner Frau scheiden lassen. Das verlangt jedoch niemand. Es verlangte aber auch niemand, dass seine Familie Anteile an den drei gecrashten Banken übernimmt und sie in einem Steuerparadies bündelt. Auch verlangte niemand von ihm, dass er sich nach dem Crash als Premierminister bewirbt, und diese Umstände verschweigt. Der Interessenkonflikt ist so offensichtlich, und das Verheimlichen dessen kann nur in eine Richtung führen: in seinen Rücktritt.
chemo13 05.04.2016
3. 10% der wahlberechtigten Isländer demonstrierten
22.000 bestätigte Demonstranten bei einer Einwohnerzahl von 330.000 - das macht rund 10% aller wahlberechtigten Isländer haben demonstriert. Und da mag der Regierungschef nicht zurücktreten? Vielleicht muss noch mehr Skyr an den Wänden des Parlaments landen. Des weiteren sollte man sich heute mal die Antworten auf Journalistenfragen der Sprecher der Bundeskanzlerin und des Finanzministers bei der heutigen Bundespressekonferenz zum Thema zu Gemühte führen (Steueroasen, da machen wir seit Jahren schon unser möglichstes).
StefanieTolop 05.04.2016
4. Ohhh,
die Politiker in Island können ja genauso gut lügen wie die bei uns!!!
NightToOblivion 05.04.2016
5.
Die CDU vertrat lieber die andere Seite... ??
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