Panama Papers Datenleck enthüllt Offshoredeals reicher Putin-Freunde 

Es soll das bislang größte Datenleck sein: Millionen Dokumente einer Anwaltskanzlei in Panama bieten Einblick in die Geschäfte internationaler Superreicher - darunter Freunde des russischen Präsidenten Putin. Spuren führen auch direkt zu ihm.

Russlands Präsident Wladimir Putin
REUTERS

Russlands Präsident Wladimir Putin


Es geht um E-Mails, Urkunden, Kontoauszüge und Geschäftsbriefe: Ein enormes Datenleck aus Panama legt die Geschäfte von 214.000 Briefkastenfirmen in internationalen Steueroasen offen. Das berichten mehrere Medien, die an der Recherche beteiligt waren, darunter die "Süddeutsche Zeitung", der britische "Guardian" und die französische "Le Monde". Ihnen wurden bereits vor zwei Jahren umfassende Daten zugespielt, jetzt präsentierten sie erste Ergebnisse der Auswertung.

In den 11,5 Millionen Dokumenten tauchen demnach die Namen von bekannten Unternehmern, Sportlern, Politikern sowie zwölf früheren oder amtierenden Staatschefs auf.

Der Name Wladimir Putin wird in den Dokumenten kein einziges Mal erwähnt. Doch laut "Süddeutscher Zeitung" und dem britischen "Guardian", die den gewaltigen Datensatz ausgewertet haben, soll ein Netzwerk aus Briefkastenfirmen in den engsten Zirkel um den russischen Präsidenten führen.

Dieses Netzwerk der Putin-Freunde soll dem "Guardian" zufolge in wenigen Jahren Offshoredeals in Höhe von zwei Milliarden Dollar gemacht haben. Die Freunde hätten Millionen an Deals verdient, die ohne die Gunst Putins wohl nicht möglich gewesen wären. Schon seit Jahren wird spekuliert, dass Putin über ein geheimes Vermögen verfügen könnte. Doch noch nie führte die Spur des Geldes so nah an Putin heran wie durch die Panama Papers, schreibt die "SZ".

Sie legten nahe, dass ein großes Vermögen in ein Netz von geheimen Offshorefirmen geflossen sei, und, dass Millionen aus diesem Topf nicht nur an Wladimir Putins engsten Zirkel gegangen seien, sondern offenbar auch dessen Familie davon profitiert haben dürfte. Die "SZ" schreibt, es spräche viel dafür, dass mit einem Teil dieses Geldes die Immobilie finanziert worden ist, in der im Februar 2013 die pompöse Hochzeit von Putins zweiter Tochter Katerina stattgefunden haben soll.

Konkret werden in den Berichten folgende Namen genannt:

  • Sergei Roldugin, angeblich Putins bester Freund und Taufpate seiner ältesten Tochter. Der Cellist soll laut "Guardian" über mehrere Briefkastenfirmen ein Vermögen von mehr als 100 Millionen Dollar verwalten. Unter anderem halte er Anteile an Russlands größter Agentur für Fernsehwerbung und der Bank Rossija. Der "New York Times" hatte Roldugin hingegen noch 2014 erklärt, er sei kein Geschäftsmann und besitze "keine Millionen".
  • Jurij Kowaltschuk, Chef der Bank Rossija. Er soll laut "Guardian" eine Milliarde Dollar an ungesicherten Krediten von der staatlichen Russian Commercial Bank (RCB) auf Zypern organisiert und an die Offshorefirma Sandalwood Continental weitergeleitet haben. Von dort soll ein Teil des Geldes zu hohen Zinsen innerhalb Russlands verliehen worden sein. Die entstandenen Gewinne flossen laut "Guardian" auf Schweizer Konten.
  • Gennadij Timtschenko, ein Ölgroßhändler, seit 30 Jahren mit Putin befreundet.
  • Arkady und Boris Rotenberg, Kindheitsfreunde Putins und inzwischen milliardenschwere Bauunternehmer.

Die geleakten Dokumente stammen aus der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca in Panama, dem viertgrößten Anbieter für Offshorefirmen weltweit. Darunter versteht man Briefkastenfirmen, die ihren Sitz in Steueroasen haben und deren Besitzer unbekannt sind.

Die Daten wurden der "Süddeutschen Zeitung" von einer anonymen Quelle zugespielt. Der Zeitung zufolge handelt es sich um 2,6 Terabyte. Es sei das größte Datenleck, das es bislang gab. An der Auswertung beteiligten sich etwa 400 Journalisten aus fast 80 Ländern. In Deutschland waren an der Recherche auch NDR und WDR beteiligt.

Die Briefkastenfirmen, meist mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln, wurden von der Kanzlei Mossack Fonseca aus gegründet. Diese erklärte auf Anfrage, die Kanzlei arbeite seit 40 Jahren ohne jede Beanstandung. "Nie sind wir einer Straftat beschuldigt oder angeklagt worden."

Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow hatte laut "SZ" bereits am vergangenen Montag einige Journalisten in den Kreml bestellt, um sie vor einer bevorstehenden "Informationsattacke" auf Putin zu warnen.

Die Spuren führen auch zur Fifa-Affäre

Auch international sanktionierte Geschäftsleute wie ein Cousin des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad oder Monarchen wie der König von Saudi-Arabien haben den Unterlagen zufolge Offshorefirmen genutzt. Neue Vorwürfe gibt es durch das Datenleck laut "Süddeutscher Zeitung" auch gegen den argentinischen Fußballstar Lionel Messi, gegen den bereits wegen Steuerhinterziehung ermittelt wird. In den Unterlagen wird er als Begünstigter einer Offshorefirma geführt, von der die Staatsanwaltschaft bisher nichts wusste.

Laut "SZ" finden sich auch Spuren zur Fifa-Affäre. So soll der uruguayische Anwalt Damiani, Mitglied in der rechtsprechenden Kammer der Fifa-Ethikkommission, drei Angeklagten im Fifa-Skandal zu Offshorefirmen verholfen haben, über die möglicherweise Fußballfunktionäre bestochen worden sein sollen.

Auch in Deutschland steht die Kanzlei Mossack Fonseca seit einiger Zeit im Visier der Behörden. Nach Informationen der "SZ" wird gegen einen Mitarbeiter wegen des Verdachts auf Beihilfe zur Steuerhinterziehung ermittelt.

asc



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tommit 03.04.2016
1. Es wird gehen wie bei Snowden
alles was man früher als verschwörungstheorie abgetan hat wird einem vorkommen wie ein Kinderkarussel.. Die Schafe sind Shcafe weil sie immer davon träumen wollen dass ihre Kinder das Schafsein aufgeben zu schaffen...nur bei wem soll man sich in den Indschatten hängen wenn das eigene Können nicht reicht.... Vetternwirtschaft ist die älteste menschliche Betriebsart.. und wir sie auch immer bleiben....
vicy1404 03.04.2016
2. Warum dieses falsche Aufmacherbild??
Da gehört doch der amtierende Präsident der Ukraine hin: Petro Poroschenko! Putin selbst wird im Origial-Artikel bei der ARD nicht erwähnt. Es sind ggf. "Vertraute"! Persönlich ist aber der ukrainische Präsident dabei. Jetzt weiß man warum es dort mit der Korruptionsbekämpfung nicht so richtig klappt. Er sperrt sich ja nicht selbst ein... Armer Spiegel...entstellen durch weglassen...
j.vantast 03.04.2016
3. Das wird spannend
Die Sache an sich ist ja bei weitem nichts Neues. Aber welche Namen da in den nächsten Tagen noch auftauchen werden wird sicher recht interessant. Auch welche Leute diese Machenschaften überhaupt ermöglichen. Denn offenbar ist die britische Regierung da ja nicht unbeteiligt.
andreika123 03.04.2016
4. Super Artikel
Mit der Überschrift erwartet mann über Schwarze Machenschaften von Putin zu lesen. Da gib die aber nicht nur seine Freunde, jeder Präsident hat solche Freunde. Kein wort über der Ukrainische Präsident Poroschenko, der kommt in Listen persönlich vor und weitere westlichen Politiker. Das soll auch erwähnt werden, sonst ist es einseitig.
niklot1147 03.04.2016
5. Der gewöhnliche Kapitalismus
Zwar sind die 2 Milliarden der "Putin-Freunde" nichts gegen die 20 Milliarden von Chodorkowski, aber es sind, wenn es denn stimmt, 2 Milliarden zu viel, die dem Volk geklaut wurden. Ob nun mit Putins Hilfe, oder ohne. Seit Russland wieder kapitalistisch ist, ist jede Schweinerei möglich.
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