Datenleak Diese Mächtigen tauchen in den Panama Papers auf

Die Enthüllungen über Briefkastenfirmen in Panama setzen mehrere amtierende Staats- und Regierungschefs unter Druck. Sie müssen erklären, warum ihre Namen - oder die enger Vertrauter - in den Unterlagen auftauchen.


Durch ein enormes Datenleak sind sogenannte Briefkastenfirmen von Politikern und Prominenten aus aller Welt enthüllt worden. Insgesamt geht es um 11,5 Millionen Dokumente, die belegen dürften, wie die Mächtigen ihr Geld in internationalen Steueroasen angelegt haben.

Das berichten mehrere Medien, die an der Recherche beteiligt waren, darunter die "Süddeutsche Zeitung", der britische "Guardian" und die französische "Le Monde". Ihnen wurden bereits vor zwei Jahren umfassende Daten zugespielt, jetzt präsentierten sie erste Ergebnisse der Auswertung.

Die Namen von amtierenden Staats- und Regierungschefs tauchen in den Unterlagen auf. Einige sind direkt genannt, bei anderen sind es nahe Verwandte oder Vertraute. Ein Überblick:

Ukraines Präsident Petro Poroschenko

Petro Poroschenko
AFP

Petro Poroschenko

"Schokoladenkönig" nennen ihn die Ukrainer: Petro Poroschenko ist unter anderem mit Süßwaren reich geworden, bevor er im Sommer 2014 Präsident der Ukraine wurde. Doch das Vertrauen der Menschen in die politische Klasse ist seit seinem Amtsantritt dramatisch gefallen: Die Elite ist zerstritten, die Korruption allgegenwärtig. Die neuen Enthüllungen der Panama Papers dürften den Rückhalt für Poroschenko weiter schwächen.

Laut den Recherchen der "Süddeutschen Zeitung" besitzt Poroschenko eine Briefkastenfirma namens Prime Assets Partners Limited, die über die Kanzlei Mossack Fonseca auf den britischen Jungferninseln eingerichtet wurde. Heikel ist der Zeitpunkt der Gründung: Die Firma wurde im August 2014 - nur zwei Monate nach Poroschenkos Vereidigung als Präsident - etabliert. Er hatte im Wahlkampf versprochen, seinen Roshen-Konzern zu verkaufen, um Interessenskonflikte zu vermeiden und sich um das "Wohl des Landes" zu kümmern. Doch es ging ihm offenbar auch um sein eigenes Wohl: Auf Anfrage der "SZ" erklärte die Pressestelle des Präsidenten, die Firma sei Teil des Prozesses, Poroschenkos Vermögen in einen Trust zu überführen.

Damit, folgern die Journalisten, habe Poroschenko nicht nur versäumt, seine Firmen zu veräußern, sondern er habe mindestens eine neue gründen lassen. Die Gründung der Briefkastenfirma fiel zudem in eine Zeit, da der Präsident bedeutende Probleme zu meistern hatte: Im Osten des Landes tobten Kämpfe zwischen prorussischen Separatisten und Kiewer Truppen.

Islands Premierminister Sigmundur David Gunnlaugsson

Sigmundur David Gunnlaugsson
REUTERS/ Scanpix

Sigmundur David Gunnlaugsson

Der isländische Ministerpräsident Sigmundur David Gunnlaugsson soll zusammen mit seiner heutigen Ehefrau eine Briefkastenfirma besessen haben, in der unter anderem Anleihen wichtiger isländischer Banken deponiert waren. Laut "SZ"-Recherchen wurde er Ende November 2007 mit ihr als Anteilseigner einer Firma namens Wintris Inc. eingetragen, 2009 habe er demnach die Firma an seine Partnerin verkauft. Aus den Papers gehe hervor, dass sie dafür einen offenbar symbolischen Kaufpreis von einem US-Dollar bezahlt habe - für eine Firma mit Millionenwerten.

Gunnlaugssons politische Glaubwürdigkeit scheint erschüttert. Der Premier sagte am Sonntag, er habe nichts versteckt. Die Isländer reagieren zornig auf die Enthüllungen, oder zumindest fassungslos. Die Opposition will ihm diese Woche im Parlament die Vertrauensfrage stellen. Für Montag ist eine Demonstration angekündigt. 16.000 Menschen haben eine Petition unterschrieben, die den Rücktritt des Premier fordert.

Im Herbst 2008 brachen drei große Banken in Island zusammen, das Land schlitterte in die Finanzkrise. Zu diesem Zeitpunkt begann laut "SZ" Gunnlaugssons politischer Aufstieg in einer isländischen Graswurzelbewegung.

Argentiniens Präsident Mauricio Macri

Mauricio Macri
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Mauricio Macri

Argentiniens Präsident Mauricio Macri hat vergangenes Jahr sein Amt angetreten, mit dem Versprechen, die Wirtschaft zu liberalisieren und gegen Korruption vorzugehen. Unangenehm für Macri, dass sein Name auch in den Panama Papers auftaucht.

Macri soll den Unterlagen zufolge mit seinem Vater und seinem Bruder die Briefkastenfirma Fleg Trading Ltd geleitet haben, er war demnach als Direktor eingetragen. Die Firma mit Sitz auf den Bahamas wurde 1998 gegründet und 2009 aufgelöst. Macri war zu diesem Zeitpunkt Bürgermeister von Buenos Aires. Seine Beteiligung an Fleg Trading erwähnte er als Bürgermeister nicht - was sein Sprecher nun verteidigt. Macri sei nie finanziell involviert gewesen, daher habe er auch nichts verschwiegen.

König Salman von Saudi-Arabien

Salman von Saudi-Arabien
AFP/ SPA

Salman von Saudi-Arabien

König Salman von Saudi-Arabien hat im Januar 2015 sein Amt angetreten. Er wird in den enthüllten Papers genannt, im Zusammenhang mit einer Luxemburger Firma namens Safason Corporation SPF S.A., die wiederum Anteilseigner zweier anderer Firmen sein soll. Diese Unternehmen haben den Panama Papers zufolge Hypotheken aufgenommen, um Luxusvillen in London zu finanzieren. Die genaue Rolle des saudi-arabischen Königs könne nicht abschließend geklärt werden, aber beide Hypotheken werden demnach mit ihm "in Verbindung gebracht". Zudem werde er als Hauptnutzer einer Jacht beschrieben, die in London von einer Offshorefirma registriert worden sei.

Chalifa Bin Sajid al-Nahajan , Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate (UAE) und Emir von Abu Dhabi

Chalifa Bin Sajid al-Nahajan
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Chalifa Bin Sajid al-Nahajan

Der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Chalifa Bin Sajid al-Nahajan, gilt als einer der reichsten Männer der Welt. Den Unterlagen zufolge soll die Anwaltskanzler Mossack Fonseca mindestens 30 Unternehmen auf den britischen Jungferninseln gegründet haben, über die er Wohn- und Geschäftsgebäude in London gemanagt haben soll. Die Anteile an diesen Firmen hielt im Dezember 2015 den Recherchen zufolge Mossack Fonseca über Stiftungen, aber de facto begünstigt seien der Scheich, seine Frau und ihre Kinder gewesen.

Vertraute von Wladimir Putin

Wladimir Putin
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Wladimir Putin

Ein Netzwerk von Freunden des russischen Präsidenten Wladimir Putin soll dem "Guardian" zufolge in wenigen Jahren Offshoredeals in Höhe von zwei Milliarden Dollar gemacht haben. Die Freunde hätten Millionen an Deals verdient, die ohne die Gunst Putins wohl nicht möglich gewesen wären - wenngleich der Name des russischen Präsidenten in den Dokumenten nicht erwähnt wird. Schon seit Jahren wird spekuliert, dass Putin über ein geheimes Vermögen verfügen könnte. Doch noch nie führte die Spur des Geldes so nah an Putin heran wie durch die Panama Papers, schreibt die "SZ". Denn die Millionen aus dem Netz geheimer Offshorefirmen seien nicht nur an Putins engsten Zirkel gegangen, sondern auch seine Familie dürfte davon profitiert haben.

Konkret genannt werden in den Unterlagen demnach Sergeij Roldugin, angeblich Putins bester Freund und Taufpate seiner ältesten Tochter, der über mehrere Briefkastenfirmen ein Vermögen von mehr als 100 Millionen Dollar verwalten soll, sowie der Ölgroßhändler Gennadij Timtschenko, der seit 30 Jahren mit Putin befreundet ist. Erwähnt werden außerdem Arkadj und Boris Rotenberg, Kindheitsfreunde Putins und inzwischen milliardenschwere Bauunternehmer, sowie Jurij Kowaltschuk, Chef der Bank Rossija.

Kinder des pakistanischen Premier Nawaz Sharif

Nawaz Sharif
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Nawaz Sharif

In Pakistan sind Wirtschaft und Politik eng miteinander verflochten - so auch bei Pakistans Premierminister Nawaz Sharif. Er stammt aus einer Industriellenfamilie, arbeitete selbst als Manager, bevor er in die Politik wechselte und mehrmals Premierminister wurde. Er trieb Industrialisierung und Privatisierung voran, setzte sich dabei oft über Gesetze und Regeln hinweg - und sorgte dafür, dass seine Familie und seine Freunde gut wegkamen. Seit 2013 ist er erneut im Amt.

Auch seine Kinder sind umtriebig. Seine Tochter Mariam sowie seine Söhne Hasan und Hussein werden in den Panama Papers erwähnt: Ihnen gehörten demnach - oder sie hatten Entscheidungsgewalt über - zahlreiche Firmen. So sei Hasan etwa der Geschäftsführer von Hangon Property Holdings Limited gewesen, einer Firma mit Sitz auf den britischen Jungferninseln. Die Anwaltskanzlei Mossack Fonseca zog sich den Recherchen zufolge später aber als Mittler aus dem Vertrag mit Hangon zurück. Der Grund: Hasan Nawaz Sharif sei eine politisch exponierte Person gewesen, also politisch von Interesse. Die Familie von Sharif hat sich auf Anfragen der Rechercheure nicht geäußert.

Frau und Kinder von Aserbaidschands Präsidenten Ilcham Alijew

Ilcham Alijew
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Ilcham Alijew

Seit 13 Jahren regiert Ilcham Alijew als autoritäter Präsident Aserbaidschan. Seine Frau Mehriban stammt aus einer der prominentesten und einflussreichsten Familien des Landes. Als First Lady leitet sie nicht nur eine Stiftung, die kultur- und bildungspolitische Einrichtungen fördert, sondern wurde laut Panama Papers offenbar auch als Managerin einer Firma namens UF Universe Foundation eingesetzt. Über ein komplexes Geflecht, organisiert von Mossack Fonseca, soll sich diese Firma Kontrolle über den aserbaidschanischen Mischkonzern Ata Holding gesichert haben. Davon sollen neben führenden Finanzbeamten auch die drei Kinder von Alijew profitiert haben. Seine zwei Töchter würden den Berichten zufolge darüber hinaus drei weitere Firmen kontrollieren, die in Panama und den britischen Jungferninseln angesiedelt seien.

Sohn von Malaysias Premier Najib Abdul Razak

Najib Razak
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Najib Razak

Malaysias Premierminister Najib Abdul Razak sieht sich zurzeit selbst heftiger Kritik ausgesetzt, weil er in einen Finanzskandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB verwickelt sein soll. Ungeklärt ist zudem, von wem 681 Millionen US-Dollar stammen, die auf Najibs Privatkonto gelandet sein sollen. Die Staatsanwaltschaft sieht keine Hinweise auf Fehlverhalten, US-Ermittler interessieren sich dennoch dafür.

In diese Situation fallen die Enthüllungen der Panama Papers. Der Sohn des Premiers, Mohd Nazifuddin bin Mohd Najib, wird demnach mit Geschäftspartnern als Direktor von zwei Firmen geführt, die mithilfe von Mossack Fonseca auf den britischen Jungferninseln gegründet wurden. Eine davon sei inzwischen nicht mehr aktiv.

Vater des britischen Premier David Cameron

Ian Cameron (M.)
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Ian Cameron (M.)

Ian Cameron, Vater des britischen Premier David Cameron, war bis zu seinem Tod im Jahr 2010 beteiligt an dem Investmentfonds Blairmore Holdings. Er war demnach seit 1989 Geschäftsführer. Der Fonds warb damit, dass man Steuern in dem Vereinigten Königreiche vermeiden könne.

kgp/AFP/dpa

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Seite 1
creme 04.04.2016
1. alles in allem
bis jetzt nicht wirklich brisant, alles Personen, von denen ich persönlich auch nichts anderes erwarten würde. Bin gespannt auf den großen Knall. Der einzige wirkliche Knaller an den Panama Papers ist das, worüber natürlich nichts geschrieben werden darf: Die Quelle. Wikileaks schien es diesmal nicht zu sein, dann wüsste man das ja... Da wollte wohl jemand schmutzige Wäsche waschen, anstatt reinen Tisch. ;)
observer101 04.04.2016
2. Wenn man nun ließt, dass die Deutsche Bank
auch hier wieder verwickelt ist, muss man sich ernsthaft fragen, ob das noch eine Bank ist oder eine kriminelle Vereinigung. Aber solange die Regierung mit i Boot sitzt, wird sich diese Frage nicht stellen. Deutschland steht vor dem Abgrund und dem Bürger wird Wohlstand, Überschuss und eine solide Finanzierung vorgegaukelt. Bis die Blase platzt.
observer101 04.04.2016
3. Schon merkwürdig
das bei Geld die Religion keine Rolle zu spielen scheint. Dem Moslem ist per Islam verboten, Zinsen zu machen. Die schärfsten Glaubenskrieger, wie Saudi Arabien und VAI heucheln nur ihren Glauben, um endlos Macht aus zu üben. Ja, die Welt wird von Verbrechern und Heuchlern regegiert.
Onzlow 04.04.2016
4.
Schon mal Junta gespielt. Ziel des Spiels möglichst viel von den Entwicklungshilfegeldern aufs Schweizer Bankkonto zu bringen, bevor man weggerutscht oder erschossen wird. Mossack Fonseca bietet halt die Riesterrente für Potentaten.
deglaboy 04.04.2016
5. Die üblichen Verdächtigen, von denen man nichts anderes erwarten kann.
Kommt da nicht viel mehr? Vielleicht auch mal deutsche Oberschicht. Oder ist die viel, viel besser? Moralisch und steuerrechtlich sauber? Man würde es gerne glauben, so wie an allzu gerne an das Gute, Schöne und Wahre glauben möchte.
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