Panne bei US-Vorwahlen Romney muss Sieg von Iowa mit Santorum teilen

Die US-Republikaner haben das Ergebnis der Zitterwahl von Iowa nachgezählt - mit überraschendem Ausgang. Der vermeintliche Zweite Rick Santorum liegt demnach 34 Stimmen vor dem ursprünglichen Sieger, Mitt Romney. Einen Gewinner gibt es trotzdem nicht: Die Stimmzettel aus acht Wahllokalen fehlen.

AP

Columbia - Der Caucus von Iowa ging als die wohl knappste Vorwahl aller Zeiten in die Geschichte der USA ein. Nun allerdings haben die Republikaner nachgezählt - und festgestellt: So knapp, wie ursprünglich gedacht, ging das Rennen zwischen den beiden bestplatzierten Kandidaten Mitt Romney und Rick Santorum offenbar doch nicht aus.

Die Zählung der Partei hat ergeben, dass Santorum (der vermeintlich Zweite, mit acht Stimmen Rückstand) im Gegenteil einen Vorsprung von 34 Stimmen gegenüber Romney hat. Eine offizielle Bestätigung für die Zahlen gibt es noch nicht, sie soll in Kürze folgen. Die Nachrichtenagentur AP und die Zeitung "The Register" aus Des Moines melden das Ergebnis aber übereinstimmend. Demnach entfielen auf Santorum 29.839 Stimmen, auf Romney, den derzeitigen Favoriten, 29.805. Als Sieger darf er sich dennoch nicht bezeichnen, denn aus ganzen acht Wahllokalen fehlen die Stimmen gänzlich.

Nach Angaben der Zeitung "The Register" fielen den Prüfern der Republikanischen Partei Unregelmäßigkeiten in insgesamt 131 Wahllokalen auf, aber nicht alle davon betrafen Romney und Santorum direkt.

Romney teilte in einer Stellungnahme mit, die Ergebnisse der Wahlnacht seien ein "echtes Unentschieden". Seinem Kontrahenten Santorum sprach er eine "starke Performance" zu.

Die Caucuses in Iowa markieren traditionell den Auftakt der Vorwahlen in den USA. Ihre Bedeutung ergibt sich vor allem durch das große Medieninteresse am Abschneiden der Bewerber im ersten wirklichen Test an der Wahlurne. Für die offizielle Kandidatenkür auf dem nationalen Parteitag Ende August hat das kleine Iowa nur wenige Delegierte zu vergeben. Dabei ist das Wahlergebnis vom 3. Januar für die Verteilgung der Delegiertenstimmen nicht einmal bindend.

Nächste Station South Carolina

In drei Tagen steht für die Republikaner die nächste Vorwahl an, diesmal in South Carolina. Romney einst komfortabler Vorsprung gegenüber seinem derzeit wohl schärfsten Konkurrenten Newt Gingrich ist laut einer CNN-Umfrage deutlich geschrumpft. Derzeit liegt Romney mit 33 Prozent Zustimmung vor Gingrich mit 23. Der Vorsprung hatte vor zwei Wochen noch bei 19 Punkten gelegen.

Romney beteiligte sich am Mittwoch dennoch nicht an einer Veranstaltung von Abtreibungsgegnern - im Gegensatz zu den vier übrigen Bewerbern. Der texanische Abgeordnete Ron Paul etwa, der über Video zugeschaltet war, verwies darauf, dass er wiederholt Frauen von einer Abtreibung abgehalten habe, indem er ihnen Ultraschallbilder des werdenden Lebens gezeigt habe.

Romneys Haltung zum Thema Abtreibung hat sich im Laufe der Jahre gewandelt. Der Vorsitzende der Vereinigung Personhood, Keith Mason, sagte, er habe auch Romney zu der Veranstaltung im Greenville Hotel vor mehreren hundert Zuschauern eingeladen. Romney habe aber "nicht kommen können".

Der ehemalige Chef des Repräsentantenhauses, Newt Gingrich, warf Romney vor, als früherer Gouverneur von Massachusetts ein Gesundheitssystem mitgetragen zu haben, in dem Abtreibungen "mit Steuergeldern bezahlt" worden seien. In South Carolina stellen evangelikale Christen die Mehrheit der republikanischen Wählerschaft.

Obamas Team stellt ersten Wahlkampfspot vor

Am Mittwoch stellte das Wahlkampfteam von US-Präsident Barack Obama den ersten Werbespot für dessen Wiederwahl vor. Der 30-Sekunden-Spot preist Obamas Einsatz dafür, die Abhängigkeit der USA von ausländischen Ölimporten zu verringern. Die Werbebotschaft soll zunächst über Stationen in den Bundesstaaten Iowa, North Carolina, Michigan, Ohio und Wisconsin verbreitet werden. Obama will sich im November für eine zweite, vierjährige Amtszeit wiederwählen lassen.

"Anonyme Milliardäre" aus dem Ölsektor griffen Obama an, heißt es in dem Spot. Dabei sei es ihm gelungen, erstmals seit 13 Jahren dafür zu sorgen, dass die USA zu weniger als der Hälfte von Öl aus dem Ausland angewiesen seien, um ihren Energiebedarf zu decken. Obama wird darüber hinaus zugute gehalten, er habe seit seinem Amtsantritt in "beispielloser" Weise für die Einhaltung ethischer Regeln in der Verwaltung gesorgt.

ffr/AP/Reuters/AFP

insgesamt 38 Beiträge
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Airkraft 19.01.2012
1. Probleme beim Zählen?
Ist ja nicht das erste Mal!
saarstudentin 19.01.2012
2. 8 Wahlkreise fehlen
WIE kann sowas passieren?
blindfisch2 19.01.2012
3. aha
Mit 8 Stimmen Vorsprung erklärt er sich zum Sieger, mit 34 Stimmen Rückstand sieht er ein Unentschieden. So sind sie, die Politiker.
Ollie_ 19.01.2012
4. Gegen Titelzwang!
Zitat von AirkraftIst ja nicht das erste Mal!
Ist aber auch wirklich schwierig. Ein Land wie die USA zu regieren ist da doch viel einfacher. ;-)
Alimentator 19.01.2012
5. Wahnsinn!
Ich bin total aufgeregt - dieser parteiinterne Vorwahlkampf ist doch wirklich wieder mal so spannend! Zum Glück bleibt das die nächsten fünf Monate noch so, denn es gibt ja noch einige Bundesstaaten in the US and A. Bitte immer schön jeden Tag berichten. Das hat so viel Auswirkungen auf uns. [/Ironie] (Was machen die Medien nur, wenn nachher ein Demokrat gewinnt?)
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