Panne in Cattenom: Atomkraftwerk nach Brand abgeschaltet

Im französischen Atomkraftwerk Cattenom hat es erneut einen Zwischenfall gegeben. Ein Brand und eine große Rauchsäule sorgten für Alarm. Laut Betreiber bestand für die Menschen keine Gefahr - doch im nur wenige Kilometer entfernten Deutschland wachsen die Sorgen.

Cattenom - Ein Brand im nichtnuklearen Teil des französischen Atomkraftwerks Cattenom hat am Freitag auf deutscher Seite erneut für Unruhe und heftigen Protest gesorgt. Nach Angaben des Kraftwerksbetreibers EDF schaltete sich Block 1 automatisch ab, nachdem ein Transformator zu brennen begonnen hatte. Das Feuer, das für eine weithin sichtbare Rauchsäule über dem AKW sorgte, wurde nach Angaben der französischen Atomaufsicht ASN rasch gelöscht. Nach EDF-Angaben bestand für die Bevölkerung keine Gefahr. Verletzt wurde niemand.

Die Regierungen in Rheinland-Pfalz und Saarland forderten eine lückenlose Aufklärung des Vorfalls. Sie bekräftigten ihre Forderung, das grenznahe AKW abzuschalten. In dem lothringischen Atomkraftwerk war es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Pannen gekommen. "Cattenom ist ein für uns nicht akzeptables Risiko in der Großregion", sagte die saarländische Umweltministerin Anke Rehlinger (SPD). "Cattenom ist und bleibt ein Pannen-AKW", sagte die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne). Die Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion im Saarland, Simone Peter, nannte Cattenom eine tickende Zeitbombe.

Nach Angaben des saarländischen Umweltministeriums war in dem AKW Öl in Brand geraten. Das Feuer war nach EDF-Angaben nicht groß, verursachte aber viel Rauch, der noch aus großer Entfernung zu sehen war. Die französische Atomaufsicht ASN teilte mit, zwei ihrer Vertreter seien auf dem Gelände, um den Zwischenfall zu untersuchen.

ler/dpa

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1. Tihange
rotertraktor 08.06.2013
Wegen eines ähnlich gelagerten Falles, des in dieser Woche erfolgten Wiederhochfahrens des maroden belgischen Reaktors Tihange 2 nur gut 50 km von Aachen entfernt, findet heute am Dreiländereck eine internationale Demo von deutschen, belgischen und niederländischen Anti-AKW-Gruppen statt: Stop Tihange – Home (http://www.stop-tihange.org/index.html) Interessant in diesem Zusammenhang auch die Reportage der ARD zu Tihange: moma-Reporter - moma-Reporter: Belgische AKW Tihange soll wieder ans Netz - Morgenmagazin - ARD | Das Erste (http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/morgenmagazin/reportagen/moma-Reporte-Tihange-soll-wieder-ans-Netz-100.html) ...und die Meinung des ehemaligen Leiters der deutschen Atomaufsicht: Stop Tihange – Ehemaliger Leiter der Aufsicht über kerntechnische Einrichtungen in Deutschland hält das Wiederanfahren der Atomreaktoren Tihange 2 und Doel 3 für unverantwortlich - News (http://www.stop-tihange.org/news.html/-/asset_publisher/441fZxMydcgs/content/ehemaliger-leiter-der-aufsicht-uber-kerntechnische-einrichtungen-in-deutschland-halt-das-wiederanfahren-der-atomreaktoren-tihange-2-und-doel-3-fur-unv) Beim Betrieb dieses Reaktors mit Tausenden (!) ungeklärten Rissen im Reaktordruckbehälter steht zu befürchten, dass uns weit mehr als nur ein Trafo wie in Cattenom um die Ohren fliegt, und bei den üblichen Westwinden dann über Aachen nach Köln, Düsseldorf oder ins Ruhrgebiet zieht.
2. es ist
stussnet 08.06.2013
nur eine Frage der Zeit, wann wieder der nächste große Unfall in einem AKW irgendwo auf der Welt passiert. Das ist einfache kühle mathematische Statistik.
3. Leute - so weit geht die
Badischer Revoluzzer 08.06.2013
deutsch-französische Freundschaft ja nun doch nicht, als daß die Franzosen auf das Geld aus diesen AKW vderzichten möchten. Außerdem, wenns kracht, trifft es ja nur zur Hälfte Franzosen !
4. Keine Gefahr?
Cornelia 08.06.2013
Laut Betreiber bestand oder besteht für Menschen keine Gefahr, woher weiß er das? In Fukushima wurde auch so einiges verherrlicht.
5.
no-panic 08.06.2013
Zitat von CorneliaLaut Betreiber bestand oder besteht für Menschen keine Gefahr, woher weiß er das? In Fukushima wurde auch so einiges verherrlicht.
Naja, der Brand war ja nicht im sogenannten "atomaren Teil" sondern "nur" in der Peripherie. Also irgendwas unwichtiges wie die Kühlpumpen oder so. Da kann ja nix passieren, ist ja alles redundant. Hat sich eben mal abgeschaltet, der Block. Sowas geht in deutschen AKW schon mal schief, dann gehen kurz die Pulse der Bediener in schwindelerrregende Höhen, aber der Betreiber kann sagen,. das nie eine Gefahr für die Bevölkerung bestanden hat. Ich meine, selbst wenn so ein Ding hochgeht, stirbt ja keiner, siehe Fukushima. Das bisschen unbewohnbare Landfläche und so, pillepalle. Geschredderte Vögel sind ein Drama, tausende umgesiedelter Menschen sind --------naja, nichts! Die Urururururenkel können die Häuser ja wieder bewohnen. Inzwischen kaufen die Franzosen wieder "Zufallsstrom" aus Deutschland.
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Grafiken: So steht es um die globale Atomindustrie

Kernreaktoren
Thermischer Reaktor
DPA
In einem Kernreaktor kommt die Kettenreaktion durch Neutronen zustande, die bei der Kernspaltung entstehen und ihrerseits weitere Urankerne spalten. Dazu müssen sie allerdings abgebremst werden. Dazu ist ein sogenannter Moderator notwendig, bei dem es sich in den meisten thermischen Reaktoren um gewöhnliches Wasser handelt, manchmal auch um sogenanntes schweres Wasser oder Grafit.
Brutreaktor
In Brutreaktoren wird ein Gemisch von Uran- und Plutoniumoxid, der sogenannte Mox-Brennstoff, verwendet. Natürliches Uranerz besteht nur zu 0,7 Prozent aus dem spaltbaren Isotop Uran-235, den Rest macht das nicht spaltbaren Uran-238 aus. In einem Brutreaktor wird aber Uran-238 zu Plutonium-239 umgewandelt. In Wiederaufbereitungsanlagen kann das Plutonium abgetrennt und dann als Kernbrennstoff wiederverwendet werden. Auf diese Weise gewinnen Brutreaktoren aus dem vorhandenen Uran in etwa 30 Mal mehr Energie als Leichtwasserreaktoren.

Zur Kernspaltung werden nicht abgebremste, sondern schnelle Neutronen verwendet, weshalb auch vom "schnellen Reaktor" die Rede ist. Da sie allerdings mit geringerer Wahrscheinlichkeit neue Kernspaltungen auslösen, muss das Spaltmaterial im Vergleich zum thermischen Reaktor höher konzentriert werden - was wiederum dazu führt, dass es im Inneren von Brutreaktoren heißer wird als etwa in Leichtwasserreaktoren. Deshalb wird als Kühlmittel auch nicht Wasser, sondern in der Regel flüssiges Natrium verwendet.

Dies führt gemeinsam mit der enorm hohen Giftigkeit von Plutonium zu großen Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Brutreaktoren. Hinzu kommt das zusätzliche Risiko der Transporte von strahlendem Material zwischen den Schnellen Brütern, Aufbereitungsanlagen und thermischen Reaktoren.
Uran und Plutonium in Atomwaffen
DPA
Bei einer Uranbombe, wie sie die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg über Hiroshima gezündet haben, reichte es bereits, eine Halbkugel des spaltbaren Materials auf einen Dorn zu schießen, die zusammen die kritische Masse für eine Atomexplosion erreichten. Mit Plutonium aber funktioniert dieses sogenannte Kanonenprinzip nicht.

Terroristen müssten stattdessen zum technisch weit anspruchsvolleren Implosionsprinzip greifen: Um eine Kugel aus spaltbarem Material sind mehrere Schichten Sprengstoff angeordnet. Die Explosionsenergie komprimiert das Plutonium so stark, dass die erforderliche Dichte erreicht und die Kettenreaktion eingeleitet wird.

Ob Plutoniumdioxid aus einem Kernreaktor für eine solche Bombe geeignet wäre, hängt von mehreren Faktoren ab. "Für die Qualität für die Waffennutzung ist es zum Beispiel wichtig, wie lange der Brennstoff im Reaktor war", sagt der deutsche Atomexperte Egbert Kankeleit. Im Grunde müssten die Terroristen in der Lage sein, das Pulver in Plutoniummetall umzuwandeln. "Wer die entsprechenden chemischen Kenntnisse hat, kann das schaffen." Die größere technische Hürde sieht Kankeleit in der Konstruktion einer Implosionsbombe. "Aber wenn man Hilfe von der richtigen Seite bekommt, etwa aus Pakistan, wäre auch das kein Problem.