Papst Franziskus vor dem US-Kongress "Geld, das vor Blut trieft"

Vor dem US-Kongress hat Papst Franziskus Waffenlieferungen und die Todesstrafe angeprangert. Auch forderte er, Flüchtlinge als Menschen wahrzunehmen: "Wir dürfen nicht über ihre Anzahl aus der Fassung geraten."


Es war die erste Rede eines katholischen Kirchenoberhaupts vor dem US-Kongress, und Papst Franziskus scheute vor keiner brennenden politischen Frage zurück. Er forderte eine "menschliche, gerechte und brüderliche" Reaktion auf die Flüchtlingskrise. "Wir dürfen nicht über ihre Anzahl aus der Fassung geraten, sondern müssen sie vielmehr als Personen sehen, ihnen ins Gesicht schauen", verlangte der Pontifex am Donnerstag in seiner Rede in Washington.

"Wir müssen eine heute allgemeine Versuchung vermeiden: alles, was stört, auszuschließen", sagte Franziskus. Einwanderung ist in den USA ein großes Wahlkampfthema, vor allem wegen der Migration aus Lateinamerika an der mexikanisch-amerikanischen Grenze. Während Präsident Barack Obama Millionen illegale Einwanderer vor der Abschiebung bewahren will, wollen Republikaner wie Präsidentschaftsbewerber Donald Trump sie in ihre Heimatländer zurückschicken.

Scharf kritisierte der Papst Waffenlieferungen in Krisen- und Konfliktgebiete. Der Export von Waffen an Akteure, die planten, "Einzelnen und Gesellschaften unsägliches Leid zuzufügen", geschehe "einfach um des Geldes willen." "Für Geld, das von Blut - oft unschuldigem Blut - trieft", kritisierte er. Die USA sind der weltweit führende Exporteur von Waffen. Franziskus forderte, das "beschämende und schuldhafte Schweigen" über Waffenlieferungen zu beenden. Es sei eine "Pflicht, dem Problem entgegenzutreten und den Waffenhandel zu stoppen."

Franziskus forderte auch die Abschaffung der Todesstrafe. Die Todesstrafe steht in den Strafgesetzen von 32 der 50 US-Bundesstaaten.

Vor dem Kongress waren bei der Rede des Papstes auch die Richter des Supreme Court, US-Vizepräsident Joe Biden und weitere Regierungsvertreter anwesend. Der Papst bedankte sich für die Einladung. "Der Grund dafür liegt - so meine ich - darin, dass auch ich ein Sohn dieses großen Kontinents bin", sagte der 78-jährige Argentinier.

Vor der Ansprache war der Papst mit dem republikanischen Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, John Boehner, zusammengekommen. Auf der Prachtmeile National Mall im Herzen Washingtons warteten etwa 50.000 Menschen darauf, dass sich der Papst nach der Rede auf dem Balkon des Kongressgebäudes zeigt.

Franziskus hält sich seit Dienstag zu seinem ersten USA-Besuch in Washington auf. Am Mittwoch wurde er von Präsident Barack Obama im Weißen Haus empfangen. Dabei rief er zum Kampf gegen den Klimawandel und zur Aufnahme von Einwanderern auf - Positionen, die bei der im Kongress dominierenden republikanischen Partei nicht sonderlich beliebt sind. Eine weitere Station der Reise ist New York, wo der Papst am Freitag eine Rede vor der Uno-Vollversammlung hält.

anr/AFP/dpa

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insgesamt 137 Beiträge
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marcw 24.09.2015
1.
Sprach der absolute Monarch.
guki0340 24.09.2015
2. Habe ich da etwas verpasst?
Nimmt der Vatikan Flüchtlinge auf und fragt nicht wieviele es sind? Ich lese doch sonst immer alles.
bristolbay 24.09.2015
3. Es fehlen noch 2 Stationen
zum einen eine Reise in den Kreml und nach Saudi-Arabien, um auch dort klare Kante zu zeigen. Selten hat ein Papst so klare Worte gesprochen.
thelix 24.09.2015
4.
Ich - als Atheist - muss sagen: Mein Gott! Was für ein beeindruckender Mann!
it--fachmann 24.09.2015
5. Der Franziskus gefällt mir immer besser!
Es ist gut, dass das mal in den USA so angesprochen wird. Ich befürchte nur, dass es nicht viele Folgen haben wird. Dieses arrogante, imperiale Land muss wohl erst seinen eigenen Untergang erleben, damit die Menschen dort wieder auf den Teppich kommen.
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