Papst mit historischem Auftritt vor Uno Franziskus mahnt die Welt zur Eile

Sein Auftritt war mit Spannung erwartet worden: Papst Franziskus hat vor den Vereinten Nationen in New York gesprochen. Er mahnte die Staaten der Welt zu schnellen Reformen.

Papst Franziskus vor den Vereinten Nationen: "Jeder Mensch hat ein Recht auf Leben"
AFP

Papst Franziskus vor den Vereinten Nationen: "Jeder Mensch hat ein Recht auf Leben"


Noch nie zuvor hat ein Papst vor so vielen Staats- und Regierungschefs gesprochen. Franziskus hielt eine Rede zum Auftakt des Nachhaltigkeitsgipfels der Vereinten Nationen in New York.

Im Publikum saß auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der Papst prangerte in seiner Rede vor allem die Umweltzerstörung an. Er kritisierte die von Menschen verursachte Zerstörung der Umwelt scharf. "Jede Schädigung der Umwelt ist eine Schädigung der Menschheit", sagte der Pontifex bei seiner mit Spannung erwarteten Rede.

Er ging dabei auch auf Atomwaffen ein und forderte ein weltweites Verbot. Den Atomvertrag mit Iran nannte er einen Beweis für den politischen guten Willen. Er hoffe, das Abkommen erweise sich als dauerhaft und wirksam.

In Bezug auf den "Islamischen Staat" (IS) sagte er, er verurteile jede Verfolgung von religiösen Minderheiten und jegliche Zerstörung von Kulturerbestätten.

Rüffel für die "Wegwerfkultur"

Der Uno-Gipfel will eine Agenda 2030 mit 17 Entwicklungszielen beschließen. Dazu gehört die völlige Eliminierung von Hunger und Armut bis 2030. Der Papst mahnte, jeder Mensch habe ein Recht auf Leben, was einem "Existenzrecht der menschlichen Natur selbst" entspreche. Die heute verbreitete "Wegwerfkultur" treffe die Ärmsten der Welt am härtesten. Er forderte die Weltgemeinschaft zur Eile auf.

"Tatsächlich führt ein egoistisches und grenzenloses Streben nach Macht und materiellem Wohlstand dazu, sowohl die verfügbaren materiellen Ressourcen ungebührlich auszunutzen als auch die auszuschließen, die schwach und weniger tüchtig sind", sagte der Papst. Bei dem Uno-Gipfel stehen über das Wochenende die sogenannten Nachhaltigkeitsziele auf der Agenda. Der Papst gab sich in seiner Rede überzeugt, dass die Uno-Klimakonferenz in Paris im Dezember Fortschritte bringe.

Vor 15 Jahren hatte die Uno die sogenannten Jahrtausendziele beschlossen, die eine drastische Senkung von Hunger, Armut, Kindersterblichkeit und anderen Punkten angehen sollten. Die Nachhaltigkeitsziele sollen nun darauf aufbauen.

Franziskus hat seinen ersten USA-Besuch am Dienstag in Washington begonnen. Am Mittwoch wurde er von Präsident Barack Obama im Weißen Haus empfangen. Dabei rief er zum Kampf gegen den Klimawandel und zur Aufnahme von Einwanderern auf.

Im Video: Stationen aus der USA-Reise des Pontifex

ler/dpa/Reuters

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insgesamt 48 Beiträge
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GinaBe 25.09.2015
1. Ist das nötig und gewollt?
Dem Papst Franziskus stimme ich zu, auch wenn ich Protestantin und keine Katholikin bin. Es ist allerhöchste Zeit, das Steuer umzuwenden, den Weg der Wirtschaft mit Wachstumsorientierung und stetem Tauschen aufzugeben und die vernünftige, nachhaltige Produktion aller Güter anzustreben, so, wie sie zu Zeiten MADE IN GERMANY hohe Qualität und lange Haltbarkeit versprochen hatte. Umweltschäden, Ressourcenverschwendung und nicht zuletzt Menschenverheizung auf subtile Art und Weise, sie billigst dem sogegannten Arbeitsmarkt zuzuführen und jederzeit ersetzbar zu machen, sind gesellschaftliche Folgen. zum Beispiel: LED, die energiesparende Beleuchtung der Zukunft? In anfänglicher Begeisterung hätte ich mich heute beinahe für eine neue LED- Lampe entschieden. Doch dann erfuhr ich gerade noch rechtzeitig, daß es keine Möglichkeit gibt, die Birne oder den Leuchtstoff auszutauschen. Die ganze Lampe müsse dann weggeworfen wäre, falls der seltene Fall einträte, daß die Lampe durch einen Stromschlag o.ä. kaputt gehe. Sonst könnte sie auch 10 Jahre oder länger brennen. Ist das alles genau so nötig und von der Wirtschaft aus so gewollt?
marcfettes 25.09.2015
2. Menschenrecht
Ich freue mich darauf,wenn dieser Papst sich für eine Aufnahme jedweger Geburtenreglung als Menschenrecht in die UN_Charta ausspricht.
chen-men 25.09.2015
3. Reformen: vor der eigenen Türe kehren
Die katholische Kirche ist eines der Bollwerke in der Welt gegen eine vernünftige Familienplanung, die angesichts der bei 7,3 Milliarden weiter wachsenden Weltbevölkerung dringends propagiert und unterstützt werden müßte. Die Nobel-Stiftung täte gut daran, China den Friedensnobelpreis zu verleihen für die vor Jahrzehnten eingeführte 1-Kind-Politik: Das könnte die bisher größte erfolgreiche Einzelmaßnahme zum Umweltschutz der Welt sein. Länder wie Indien oder Ägypten sind erschreckende Gegenbeispiele mit weitgehend ungebremstem Bevölkerungszuwachs, der auf eine Katastrophe zusteuert. Ich empfehle, "Die Grenzen des Wachstums" (D.Meadows ... Club of Rome 1972) und die Folgebände, etwa "2052" von Jorgen Randers 2012, zu lesen. Es ist bereits "5 nach 12", und wir haben wirklich keine Zeit mehr zu verlieren.
Pfaffenwinkel 25.09.2015
4. Jedes Papst-Wort
kann man nur unterstreichen. Er scheint mir der richtige Papst zur richtigen Zeit zu sein.
spiegkom 25.09.2015
5. Was für ein Humbug
Jemand, der selbst kaum Reformen zustande kriegt, Abtreibungen und Homosexualität bekämpft, mahnt die Welt zur Eile bei Reformen. Es soll Menschen geben, die so etwas ernst nehmen
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