Papst-Totenmesse Israels und Syriens Staatschefs reichen sich die Hand

Die Beerdigungsfeier für Papst Johannes Paul II. hat eine Verständigungsgeste zwischen Todfeinden möglich gemacht. Mosche Katzav und Baschar al-Assad, die Präsidenten von Israel und Syrien, reichten sich zum Gruß die Hände. Auch Irans und Algeriens Staatsoberhäuptern schüttelte Katzav die Hände.


Totenmesse für den Papst: Begegnung von Katzav (l.) mit Assad (3 v.l.)
AP

Totenmesse für den Papst: Begegnung von Katzav (l.) mit Assad (3 v.l.)

Rom - Zur Beerdigung von Papst Johannes Paul II. kamen Staats- und Regierungschefs aus 138 Länden nach Rom. Die Sitzordnung wurde vom Alphabet bestimmt - maßgeblich war der Name des jeweiligen Landes auf Französisch, der Sprache der Diplomatie. So kam es, dass der französische Staatspräsident Jacques Chirac fast direkt neben George W. Bush, dem Präsidenten der "Etats-Unis", Platz nahm, dazwischen saßen nur Bernadette Chirac und Laura Bush. In der gleichen Reihe stand auch der Stuhl des iranischen Präsidenten Mohammad Chatami, der zu Beginn den syrischen Staatschef Baschar al-Assad mit einem Wangenkuss begrüßte.

Das Requiem half dabei, tiefe diplomatische Gräben zu überbrücken: Der israelische Präsident Mosche Katzav schüttelte Assad und Chatami die Hand, obwohl Syrien und Iran als Erzfeinde Israels gelten. Assad habe während der Totenmesse eine Reihe hinter ihm gesessen, sagte Katzav der israelischen Zeitung "Maariv". "Der syrische Präsident saß in der Reihe hinter mir ... Wir haben uns zugelächelt und uns die Hände gereicht", zitierte die israelische Zeitung "Maariv" auf ihrer Internetseite das Staatsoberhaupt Katzav. Nach dem Ende der Zeremonie sei der syrische Politiker wiederum auf ihn zugekommen und habe ihm die Hand geschüttelt, fügte Katzav hinzu.

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Papst-Trauerfeier: Invasion der Staatsoberhäupter

Katzav berichtete der Zeitung zudem von einem Gespräch mit dem iranischen Staatsoberhaupt Mohammed Chatami, dessen Land offiziell die Zerstörung Israels fordert. "Der iranische Präsident streckte mir die Hand entgegen. Ich schüttelte sie und entgegnete ihm in (der Muttersprache) Farsi: Möge Frieden mit Ihnen sein!", berichtete Katzav, der selbst in Iran geboren wurde. Es dürfte das erste Mal gewesen, dass ein israelischer Staatschef seinem syrischen und iranischen Kollegen die Hand gereicht hat.

Der israelische Präsident umarmte nach TV-Berichten auch seinen algerischen Kollegen Abdelaziz Bouteflika. Zu Algerien unterhält Israel ebenfalls keine offiziellen Beziehungen.

Die Ehrengäste nahmen auf dem Petersplatz in einem abgetrennten Bereich auf rot gepolsterten Holzstühlen Platz. Vor US-Präsident Bush saß der spanische König Juan Carlos, dahinter der simbabwische Staatschef Robert Mugabe, der trotz eines Einreiseverbots der EU nach Rom kam. Zwei Sitze weiter hatte Prinz Charles seinen Platz, der heute ursprünglich seine Verlobte Camilla Parker Bowles heiraten wollte. Wegen der Trauerfeier wurde die Hochzeit auf Samstag verschoben.

Staatsgäste aus 138 Ländern fanden den Weg zum Vatikan, die Beerdigung war eine der größten religiösen Versammlungen der Moderne. Die deutsche Delegation führten Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzler Gerhard Schröder an. Zu den deutschen Trauergästen gehörten außerdem Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, Außenminister Joschka Fischer und die CDU-Vorsitzende Angela Merkel. Der Ratspräsident der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, nahm ebenso teil wie die Ministerpräsidenten von Bayern und Thüringen, Edmund Stoiber und Dieter Althaus.



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