Anschläge von Paris Franzose als Sprecher einer IS-Audiobotschaft identifiziert

Ermittler haben den Sprecher einer IS-Audiobotschaft zu den Pariser Anschlägen identifiziert: Nach Informationen des SPIEGEL handelt es sich um einen französischen Islamisten. Die Aufnahme erhärtet die These, dass der Terror aus Syrien gesteuert worden ist.

Kämpfer in IS-Hochburg Rakka: Aus Syrien gesteuerter Terror
Islamistische Propagandawebsite/ AP

Kämpfer in IS-Hochburg Rakka: Aus Syrien gesteuerter Terror

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Die französischen Behörden sind auf eine weitere Spur gestoßen, die darauf hindeutet, dass die Anschläge in Paris aus Syrien gesteuert wurden. Nach Informationen des SPIEGEL identifizierten Ermittler den Sprecher einer IS-Audiobotschaft, die nach den Anschlägen verbreitet wurde. Der Franzose ist den Ermittlern seit Langem bekannt - und soll sich derzeit in der syrischen Stadt Rakka aufhalten, der Hochburg des "Islamischen Staates" (IS).

Nach Erkenntnissen der Ermittler handelt es sich bei dem französischen Sprecher um Fabien Clain, der seit mehr als einem Jahrzehnt in der islamistischen Szene aktiv ist und in Frankreich im Gefängnis saß, ehe er sich nach Syrien absetzte. Er gilt als Mitglied einer Zelle, die regelmäßig IS-Propaganda produziert und über das Internet verbreitet.

Die Identität des Sprechers ist ein weiterer Beleg für die These, dass die Attacken vom vergangenen Freitag von IS-Kadern in Syrien gesteuert worden sein könnten.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Audiobotschaft im Gebiet des IS produziert und dort in mehrere Sprachen übersetzt worden ist. Wann genau sie aufgenommen wurde, ist unklar. Obwohl in der Aufnahme kein Insiderwissen preisgegeben wird, haben die Ermittler mittlerweile nur noch wenig Zweifel, dass sie als authentisches Bekenntnis des IS anzusehen ist. In der Aufnahme ist auch der jüngere Bruder von Clain zu hören, der ein für den IS typisches Kampflied, einen sogenannten Nashid, singt. Jean-Michel Clain soll sich seit Februar 2014 in Syrien aufhalten.

Fünf Jahre Haft wegen der Gründung einer Terrorzelle

Fabien Clain, 35, galt den französischen Behörden als eine zentrale Figur der Islamistenszene von Toulouse. Bereits im April dieses Jahres soll er versucht haben, von Syrien aus einen Anschlag auf eine Kirche in dem Dorf Villejuif südlich von Paris zu steuern. Mittels verschlüsselter Nachrichten radikalisierte er damals zunächst einen jungen Islamisten algerischer Abstammung. Dieser sollte den Anschlag ausführen.

Die Kommunikation aus Syrien führte Clain äußerst professionell. Mit Codewörtern dirigierte er den Attentäter zu einem Renault Mégane, in dem ein anderer Komplize Waffen für den geplanten Angriff versteckt hatte. Der Plan scheiterte nur, weil der Attentäter sich mit dem Gewehr selbst ins Bein schoss und sich dabei so schwer verletzte, dass er die Attacke nicht ausführen konnte.

Clains Radikalisierung soll bereits Ende der Neunzigerjahre begonnen haben. Nach Erkenntnissen der Behörden gründete er in Toulouse nach den Anschlägen vom 11. September 2001 gemeinsam mit seinem Bruder eine Salafisten-Gruppe. 2009 wurde er wegen der versuchten Gründung einer Terrorzelle, die von Frankreich aus in den Irak ziehen wollte, zu fünf Jahren Haft verurteilt. Nach seiner Freilassung 2014 setzte er sich nach Syrien ab.

Die Personalie Clain zeigt, wie eng verwoben das Netz von Islamisten in Frankreich ist. In der Vergangenheit hatten französische Medien berichtet, dass Clain auch in Kontakt mit Mohamed Merah gestanden habe. Merah hatte 2012 in Südfrankreich bei drei Angriffen französische Soldaten und jüdische Einwohner erschossen und sich nach einer stundenlangen Belagerung seines Verstecks durch die Polizei selbst getötet.

Korrektur: In einer ersten Version dieses Textes hieß es irrtümlich, Clain sei Sprecher einer Videobotschaft. Es handelt sich jedoch um eine Audiobotschaft.

Terrorziele in Paris
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Fotos: AP, AFP, dpa
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insgesamt 61 Beiträge
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windpillow 17.11.2015
1. Wer noch?
Anschläge wurden aus Syrien gesteuert? Ich versteh es nicht -USA, Russland, Frankreich, Briten und die Türkei also -5- Nationen bombardieren nun schon seit geraumer Zeit auf Teufel komm raus diesen IS in Syrien und es zeigt sich keine Wirkung -im Gegenteil, wie Paris gerade gezeigt hat.
maxmaxweber 17.11.2015
2. Grenzkontrollen sind alternativlos
Was spricht denn jetzt noch gegen Grenzkontrollen? Wenn Menschen aus Syrien ohne jede Kontrolle nach Griechenland kommen, dann ohne Kontrolle weiter durch verschiedene Länder nach Deutschland gebracht werden, dann müssen wir dringend an der deutschen Grenze kontrollieren. Sonst machen wir es dem IS viel zu einfach Attentäter in unser Land zu schleußen. Die Alternative wäre eine effektive Kontrolle der EU Außengrenzen. Aber solange Deutschland im "Refugees ohne Obergrenze welcome" Modus ist, werden sich die Länder an den Außengrenzen nicht die Arbeit machen. Für Griechenland und die Durchreiseländer ist es wesentlich billiger den kostenfreien Transfer von Flüchtlingen und anderen Menschen nach Deutschland reibungslos sicherzustellen.
taipan61 17.11.2015
3. Mein Beileid an die Bürger Frankreichs
Frankreich beginnt einen richtigeren Weg zu gehen, nämlich derjenige der Moscheen schliesst und Prediger ausweist. In unserer Kultur toleriert und respektiert man andere Religionen. Da aber dies einigen Vertretern des Islams nicht genügt...was bleibt da den Politikern übrig die dem Wähler verpflichtet sind. Wir brauchen schon lange ein starkes Zeichen das es so sicherlich nicht geht. Es liegt nun an allen Islamisten in Ihren Reihen für Frieden zu sorgen und danach nach einiger Zeit kann es erst wieder Vertrauen geben. Nicht Mohamed will das aber es ist bedenklich was Menschen aus dieser Religion machen. Wir leben im Jahre 2015 und auch Religionen sollten etwas mehr mit der Zeit gehen und sich weiter entwickeln.
megamekerer 17.11.2015
4. Falling Down
Die meisten diese Terroristen sind Menschen gewesen die von Gesellschaft abgeschoben, vernachlässigt und diskriminiert worden sind! Es sollte für uns ein Lehre sein, die junge Generationen der Migranten mehr Aufmerksamkeit zu schenken und deren beruflichen, politischen, gesellschaftlichen Laufbahn durch Anwendung von gnadenlose Justiz, rechtsradikale Politik und Vorurteile nicht zu kriminalisieren und nicht zu sabotieren! Ich könnte gestern Abend im Fernsehen Berichte aus amerikanischen Quellen sehen, was bisher in Deutschland verheimlicht worden war, ich könnte sehen, dass IS über moderne amerikanische Kriegswaffen verfügt, ich frage mich, woher haben diese Leute solche Waffen bekommen?! Haben Amerikaner in Irak solche moderne Panzer einfach der irakischen unausgebildete Armee hinterlassen?! Das kann doch nicht zutreffen, solche Waffen sollten gemäß internationale Vereinbarungen und amerikanischen Gesetze unter bestimmte Verträge zum Verkauf genehmigt und dafür Vorsorge treffen, dass sie nicht in der Hände des Feind fallen! ICh vermute diese Waffen kommen aus genauso wie die Gelder aus Saudi Arabien! Die Saudis haben durch Salafisten viele IS Leute in Europa angeworben! Wir sollten die Augen aufmachen und nicht zulassen, dass die Gesellschaft sich noch weiter polarisiert und radikalisiert! Denn es sind nicht mehr 5 Millionen Juden die man vergasen könnte, sondern mehr als 16 Millionen Migranten die hier ihre Wurzeln haben und unsere Gesellschaft bilden! Diese Menschen werden in irgendeine radikale Richtung angeworben wenn wir sie weiterhin diskriminieren, ablehnen und verteufeln!
darthmax 17.11.2015
5. Jihadisten
gibt es leider nicht nur mit französischen Wurzeln, es soll sogar US Amerikaner geben, die Soldaten des IS sind. Was immer wieder bedenklich ist, ist die doch nicht zu vernachlässigende Zustimmung, die der IS von Ultrakonservativen Moslems erhält. Will man nun Europa in den Bodenkampf hineinziehen damit aus der Zustimmung aktive Beteiligung dieser Gruppe wird ? Es ist doch bezeichnend , dass die sunnitischen Staaten offensichtlich keine Probleme damit haben in Jemen Krieg ( gegen Schiiten ) zu führen, nicht aber bereit sind aktiv gegen den IS in Syrien und Irak vorzugehen. In Deutschland sprechen wir von etwa 1000 Gefährdern, die wir nicht ´´rund um die Uhr´´ bewachen können, in Frankreich sind es 10 000 . Wieso werden Rückkehrer nicht sofort bei Rückkehr interniert ? Das macht man doch ´´im Krieg´´ so mit den Feinden.
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