Falsche Fotos Marokkanerin beklagt Verwechslung mit Terror-Cousine

Die Fotos gingen um die Welt: Hasna Aït Boulahcen, die mutmaßliche "Terror-Cousine" von Paris, wurde als Selfie-besessene Partymaus beschrieben. Doch die lasziven Bilder zeigten offenbar eine unschuldige Marokkanerin.

Von , New York

Korrektes Foto: Hasna Aït Boulahcen, die Cousine von Abdelhamid Abaaoud, dem Drahtzieher der Anschläge von Paris
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Korrektes Foto: Hasna Aït Boulahcen, die Cousine von Abdelhamid Abaaoud, dem Drahtzieher der Anschläge von Paris


Die englischsprachige Boulevardpresse ist nicht gerade zimperlich bei der Verteufelung erwiesener wie mutmaßlicher Übeltäter. Im Fall der Terroristen von Paris jedoch haben sich einige Blätter jetzt verstiegen - und scheinen dabei auf einen Schwindel hereingefallen zu sein.

"Schlampige Selbstmordattentäterin war mal Selfie-besessene Partymaus", titelte die "New York Post" am Freitag über einem angeblichen Foto von Hasna Aït Boulahcen, der im Pariser Vorort Saint-Denis durch einen Sprengsatz getöteten Cousine des Islamisten Abdelhamid Abaaoud. Aït Boulahcen habe "gesoffen, sich mit Drogendealern herumgetrieben und für Nacktbilder im Schaumbad posiert", schrieb die Zeitung und unterstrich das mit einem zweiten, lasziven Cover-Foto und der Schlagzeile: "Thug in a Tub" - in etwa: Gangsterbraut in der Wanne.

Die Fotos stammten von der britischen "Daily Mail", die sie ähnlich sensationslüstern verkaufte: Aït Boulahcen "las nie den Koran, trank gerne und rauchte und hatte den Ruf, dass sie viele Liebhaber hatte".

Allerdings haben die Boulevard-Berichte - die das furchterregende Klischee des "Terroristen von nebenan" propagierten - ein Problem: Die Fotos zeigten offenbar gar nicht Aït Boulahcen - sondern eine unbeteiligte, unschuldige und durchaus lebendige Frau.

"In dauerhafter Angst"

Ihr Name ist Nabila Bakkatha, sie stammt aus Marokko und beklagte sich jetzt in einem CNN-Interview über die ihren Angaben zufolge keineswegs zufällige Verwechslung: Eine ehemalige Bekannte, mit der sie sich überworfen habe, habe die beiden Fotos "nach den Pariser Anschlägen aus Rache an einen französischen Journalisten verkauft".

Die Berichte in der "Post" und der "Daily Mail" belasteten sie sehr, sagte Bakkatha, die nach Angaben von CNN von 1998 bis 2007 in Nordfrankreich wohnte: "Mein Leben hat sich drastisch verändert, ich gehe nicht mehr arbeiten und ich kann nicht mehr auf die Straße gehen, weil ich in dauerhafter Angst lebe." Sie sei deshalb jetzt im Begriff, die Ex-Bekannte und den französischen Journalisten zu verklagen.

Die beiden Zeitungen haben die Fotos mittlerweile aus ihren Onlineausgaben entfernt und durch andere ersetzt. Die Berichte über Aït Boulahcens mutmaßlichen Lebenswandel blieben jedoch unverändert.

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