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Anschläge von Paris: Terrorverdächtige könnten nach Deutschland geflohen sein

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Der schwarze VW Polo, den offenbar Salah Abdeslam anmietete, vor dem Tatort Bataclan in Paris (Archivfoto): Entkam der Terrorist nach Deutschland? Zur Großansicht
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Der schwarze VW Polo, den offenbar Salah Abdeslam anmietete, vor dem Tatort Bataclan in Paris (Archivfoto): Entkam der Terrorist nach Deutschland?

Die französischen Behörden suchen nach den Attentaten von Paris sieben mutmaßliche Terroristen. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen gibt es Hinweise, dass Salah Abdeslam und andere Verdächtige nach oder über Deutschland entkommen sein könnten.

Sicherheitsbehörden in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Belgien suchen derzeit im Zusammenhang mit den Anschlägen von Paris nach sieben mutmaßlichen Terroristen.

Wie aus vertraulichen Unterlagen der Polizei hervorgeht, die SPIEGEL ONLINE vorliegen, prüfen die Fahnder auch Hinweise, dass sich die Gesuchten möglicherweise in der Bundesrepublik aufgehalten haben oder noch aufhalten.

So wurde ein namentlich nicht bekannter Verdächtiger zwei Tage nach den Attentaten auf einem Rastplatz an der A4 nahe Frechen in Nordrhein-Westfalen gesehen. Er wurde dort von Überwachungskameras aufgezeichnet. Der Mann war in einem dunkelblauen BMW mit gestohlenen belgischen Nummernschildern unterwegs und fuhr in Richtung Köln davon. Die Behörden bringen ihn mit den Anschlägen von Paris in Verbindung und fahnden nach ihm.

Als wichtigster Gesuchter gilt der Polizei jedoch der belgische Islamist Salah Abdeslam, der sich auch Yassine Baghli nennt.

Gesuchter Verdächtiger Salah Abdeslam: Von Belgien Richtung Deutschland? Zur Großansicht
Police Nationale/ REUTERS

Gesuchter Verdächtiger Salah Abdeslam: Von Belgien Richtung Deutschland?

Der 26-Jährige soll den VW Polo angemietet haben, mit dem die Attentäter zur Konzerthalle Bataclan gefahren waren, zudem einen ebenfalls von den Tätern genutzten Renault Clio. Zuletzt war Abdeslam laut Fahndung in einem Mietwagen zusammen mit Mohamed A., 30, unterwegs und verließ Belgien in Richtung Deutschland, Frankreich oder Luxemburg.

Nach Erkenntnissen der Ermittler hatte Abdeslam am Tatabend von Paris aus seine Brüsseler Freunde Mohammed A., 27, und Hamza A., 21, angerufen, die ihn daraufhin abholten. Ihr grauer Golf wurde auf der Hin- und Rückfahrt im französischen Cambrai kontrolliert, die Polizei ließ den Wagen aber passieren, weil nach Abdeslam zu diesem Zeitpunkt noch nicht gefahndet wurde. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Attentäter auf der Fahrt eine Sprengstoffweste trug.

Fahndung nach französischen Islamisten

Zwei Monate zuvor war Abdeslam bereits mit zwei unbekannten Begleitern in einem Mercedes mit belgischem Nummernschild über Deutschland nach Österreich gefahren. Damals kontrollierten ihn Polizisten auf dem Rastplatz Aistersheim in Oberösterreich. Die Extremisten sagten, sie wollten für eine Woche in Wien Urlaub machen, und durften weiterfahren. Zuletzt hatte es in Nordrhein-Westfalen immer wieder Hinweise gegeben, dass sich Abdeslam dort aufhalte. Sie erwiesen sich aber ein ums andere Mal als unzutreffend.

Die Polizei sucht derzeit ebenfalls nach den Franzosen Charaffe E.-M., 26, und Samir B., 28. Die beiden Islamisten werden verdächtigt, womöglich eine zweite Anschlagswelle in Paris geplant zu haben. B. soll vor einigen Jahren gemeinsam mit dem mutmaßlichen Bataclan-Attentäter Samy Amimour, 28, nach Syrien ausgereist sein. Die französischen Behörden verloren den Islamisten seinerzeit aus den Augen. Ebenfalls zur Fahndung ausgeschrieben sind der Belgier Jamal I., 53, sowie der Franzose Baptiste B., 32.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE und SPIEGEL hatte sich der mutmaßliche Drahtzieher der Pariser Anschläge, der inzwischen getötete Belgier Abdelhamid Abaaoud, in den vergangenen Jahren mehrfach im Kölner Raum aufgehalten. In Syrien unterhielt seine Truppe von Dschihadisten im Frühjahr 2014 zudem enge Kontakte zu einer Gruppe Islamisten aus dem niederrheinischen Dinslaken.

Das Bundesinnenministerium wollte sich auf Anfrage nicht dazu äußern, ob gesuchte Terrorverdächtige derzeit in Deutschland sein könnten. Das Bundeskriminalamt teilte mit, es lägen "zahlreiche Hinweise" darauf vor, dass Gesuchte womöglich nach oder über Deutschland geflohen seien. Von diesen Hinweisen hätten sich "diverse" nicht bestätigt. Zu den übrigen könnten wegen der laufenden Ermittlungen keine Auskünfte erteilt werden, hieß es.

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