Spekulationen um Motiv der Terroristen Warum ausgerechnet das Bataclan?

Warum wählten die Terroristen von Paris ein Konzert im Bataclan als Anschlagsziel aus? Weil dort laut IS-Bekennerschreiben eine "perverse Feier" stattfand. Doch es gibt auch Spekulationen über antisemitische Motive.

Tatort Bataclan, Paris: Mehrfach Drohungen gegen den Klub
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Tatort Bataclan, Paris: Mehrfach Drohungen gegen den Klub


Der Angriff auf das Pariser Bataclan-Theater hat womöglich auch einen antisemitischen Hintergrund. Das Konzerthaus habe jahrzehntelang jüdische Eigentümer gehabt, schreibt unter anderem das französische Magazin "Le Point". Demnach habe es in den vergangenen Jahren mehrfach Drohungen gegen das Lokal gegeben.

In dem von anderen Zeitungen zitierten Bericht berufen sich die Autoren unter anderem auf Aussagen eines Islamisten der Gruppe Jaish al-Islam (Armee des Islam). Farouk Ben Abbes soll dem französischen Inlandsgeheimdienst DCRI 2011 gesagt haben: "Wir haben einen Angriff auf das Bataclan geplant, weil die Besitzer Juden sind." Der Satz fiel laut der französischen Wochenzeitschrift in einem Verhör von Terrorverdächtigen.

Zum Zeitpunkt des Anschlags am Freitagabend wurde das Bataclan offenbar aber nicht mehr von jüdischen Eigentümern geführt. Im September habe er das Theater nach 40 Jahren verkauft, sagte der frühere Besitzer Pascal Laloux laut der "Times of Israel" am Samstag dem israelischen Sender "Channel 2 News". Der frühere Miteigentümer, sein Bruder Joel, war demnach bereits nach Israel emigriert. Dem Sender sagte er, dass er am Freitagabend aus dem Bataclan angerufen worden sei - "und ich konnte die Gewehrschüsse hören".

Über Drohungen gegen die 1865 erbaute Konzerthalle am Boulevard Voltaire gibt es noch weitere Berichte. So schreibt etwa die französische Zeitung "Le Figaro", bereits Anfang 2007 und Ende 2008 hätten die Besitzer entsprechende Botschaften erhalten - unter anderem wegen einer jährlichen Gala der jüdischen Organisation Migdal zugunsten der israelischen Grenzschutzpolizei Magav.

Eine dieser antisemitischen Nachrichten ist ein Video, das Ende 2008 auf YouTube veröffentlicht wurde und das die jüdische Organisation StayWithUs auf Facebook übersetzt hat. Darin stehen vermummte Männer vor dem Konzerthaus und sprechen in die Kamera. "Ihr werdet für die Konsequenzen eures Handelns zahlen", sagen sie, und: "Nächstes Mal kommen wir nicht, um zu reden." Ein weiteres Video zeigt eine ähnliche Aktion aus dem Januar 2008.

Und es gibt noch weitere Hinweise, die womöglich auch antisemitische Motive der Terroristen erkennen lassen: So hatte sich die Band Eagles Of Death Metal, die am Abend des Anschlags im Bataclan auftrat, seit Langem freundlich gegenüber Israel geäußert. Noch im Juli war die Band in Tel Aviv aufgetreten. Forderungen, das politisch umstrittene Konzert abzusagen, hatte die Band laut einem Bericht der "Jerusalem Post" mit deutlichen Worten ("Fuck You!") zurückgewiesen.

Welche Rolle antisemitische Motive bei der Planung der Terrorserie letztendlich gespielt haben und ob überhaupt, bleibt dennoch zunächst unklar. Zwar gab es am Freitagabend in Paris noch andere Großveranstaltungen, was auf eine gezielte Wahl des Bataclan als Ziel hindeutet. Allerdings hatte die Terrormiliz IS in ihrem Bekennerschreiben eine andere Begründung für die Attacke auf das Theater genannt: das Konzert selbst, das sie in dem Schreiben "eine perverse Feier" nennen.

Übersicht: Die Anschlagsorte in Paris
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mxw

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