Explodierender IWF-Brief Vermeintlicher Absender soll Nea-Dimokratia-Sprecher sein

Am Sitz des Internationalen Währungsfonds in Paris ist ein Briefumschlag explodiert. Eine Frau wurde verletzt. Die Sendung kam offenbar aus Griechenland.


Im Pariser Bürogebäude des Internationalen Währungsfonds (IWF) ist ein Briefumschlag explodiert und hat eine Person leicht verletzt. Das bestätigte die Pariser Polizeipräfektur. Das Paket war an das Sekretariat des Vertreters des Fonds in Frankreich geliefert worden, dessen Büros sich nicht weit vom Prachtboulevard Champs Élysées befinden.

Die Assistentin eines leitenden Mitarbeiters habe im Gesicht und an den Händen Verletzungen erlitten, als sie die Sendung öffnete, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Polizeikreise. Es bestehe aber keine Lebensgefahr. Mehrere Mitarbeiter wurden vorsorglich aus dem IWF-Gebäude gebracht.

Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. Demnach handelte es sich um eine Art Feuerwerkskörper oder einen großen Böller und nicht um eine Bombe.

Das Paket kam aus Griechenland

Nach offizieller Darstellung aus Athen soll dieses Paket, ebenso wie zuvor eine Briefbombe an das deutsche Finanzministerium in Berlin, aus Griechenland verschickt worden sein. Laut den griechischen Behörden stecke dahinter ein organisierter Plan, der das Land und die Beziehungen zur EU destabilisieren soll. Die Polizei überprüft nach SPIEGEL-Informationen nun Kameraaufnahmen, um das Paket zurückzuverfolgen. Auch die griechische Post Elta untersucht den Fall. Der IWF und das Bundesfinanzministerium spielen beide eine wichtige Rolle bei den Verhandlungen der griechischen Regierung mit ihren internationalen Geldgebern.

Sofia Zaharalo von der liberal-konservativen Partei bestätigte gegenüber SPIEGEL, dass auf dem als Absender Vassilis Kikilias angegeben war. Kikilias ist der Sprecher der oppositionellen griechischen konservativen Partei Nea Dimokratia. Die Partei zeigte sich besorgt, über die Sicherheitslücken bei der Post, die Instabilität durch Terrorismus und das Zielen auf konservative Politiker.

Weitere Briefbomben

Kreise des Bürgerschutzministeriums schlossen nicht aus, dass auch andere ähnliche Briefbomben unterwegs sein könnten. Die linksterroristische Organisation der "Feuerzellen", wie sie in Griechenland genannt wird, hatte bereits 2010 Paketbomben an verschiedene Politiker verschickt, darunter an Kanzlerin Angela Merkel und den damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy sowie an den damaligen italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi. Die Bomben wurden rechtzeitig entschärft. Die Mitglieder der "Feuerzellen" wurden 2011 festgenommen, die Organisation galt seither als zerschlagen.

Der französische Präsident François Hollande sagte zum aktuellen Fall: "Wir müssen die Hintergründe aufklären und die Schuldigen finden." IWF-Chefin Christine Lagarde verurteilte die Tat und sprach von einem "feigen Akt der Gewalt". Der IWF arbeite eng mit den französischen Behörden zusammen, um die Tat aufzuklären und die Sicherheit der Mitarbeiter zu garantieren, teilte Lagarde mit.

Am Mittwoch war in der Poststelle des Berliner Bundesfinanzministeriums ein Paket mit einem explosiven Gemisch und scharfem Zünder entdeckt worden. Das sogenannte Blitzknallgemisch hätte laut Polizei beim Öffnen zu erheblichen Verletzungen führen können. Eine linksradikale Gruppe aus Griechenland gab an, den Umschlag abgesendet zu haben.

Nach dem Fund in Berlin wollen die Ermittler nun eng mit ihren griechischen Kollegen zusammenarbeiten. Man werde in Kontakt treten, um die Echtheit eines Bekennerschreibens der linken Untergrundorganisation "Konspiration der Feuerzellen" zu prüfen, sagte ein Polizeisprecher.

brk/koe/dpa/AFP



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