Attentate in Paris Die Spur auf dem Smartphone

Ermittler haben in der Nähe des Musikklubs Bataclan ein verdächtiges Handy gefunden. Eine SMS deutet darauf hin, dass die Terroristen von Paris das Telefon benutzt haben. Womöglich führte es sogar zu dem Einsatz in Saint-Denis.

Ermittlungen am Klub Bataclan: Das Handy wurde in der Nähe gefunden
AP

Ermittlungen am Klub Bataclan: Das Handy wurde in der Nähe gefunden

Von


In Paris ist offenbar eines der Handys gefunden worden, das die Attentäter am vergangenen Freitag benutzt haben. Französischen Medien zufolge wurde es nahe dem Musikklub Bataclan in einem Mülleimer entdeckt. Auf dem Smartphone sollen sich den Berichten zufolge ein Plan von den Räumen des Bataclan und eine SMS befunden haben.

Der französischen Tageszeitung "Le Monde" zufolge lautete die SMS im Original: "On est parti on commence " ("Wir sind los, wir fangen an.").

Die Geodaten des Telefons sollen dem Bericht zufolge auch zu einem Hotel in dem nur wenige Kilometer südwestlich von Paris gelegenen Ort Alfortville geführt haben. Hier sollen insgesamt sechs Männer die Zimmer 311 und 312 gemietet haben. Zu der Gruppe soll auch Abdelhamid Abaaoud gehört haben, der als Drahtzieher der Anschläge gesucht wird. Die Männer sollen bis Freitag zwei Nächte dort verbracht haben. Das Hotel verfügt offenbar nicht über Überwachungskameras, die Bilder der Gruppe hätten liefern können.

Die Zeitung "Le Point" veröffentlichte inzwischen ein Video mit Innenaufnahmen aus einem der Hotelzimmer. Es zeigt ein schlichtes Apartment mit zwei Betten. Auf dem Schreibtisch ein Karton mit Pizzaresten. Auf einem runden Tisch liegen medizinische Gegenstände: Spritzen, Schläuche, Nadeln. Unklar ist den französischen Medien zufolge, ob die Utensilien zum Bombenbau dienten oder ob die Männer irgendeine Art von Drogen genommen haben.

Auf dem Video ist deutlich zu sehen, dass die Ermittler der Polizei bereits ihre Arbeit gemacht haben: Die Matratzen sind aus den Betten gezogen, auf dem Tisch ist schwarzes Pulver zu sehen, vermutlich wurde hier nach Fingerabdrücken gesucht.

Die Daten des in dem Mülleimer gefundenen Handys zeigen, dass der Besitzer des Telefons vor der Terrorserie vom Freitag in dem Hotel gewesen ist. Unklar ist allerdings den französischen Berichten zufolge noch, ob es die Daten auf diesem Telefon waren, die zu dem mehrstündigen Einsatz am Morgen in Saint-Denis geführt haben. Der Zugriff dort richtete sich gegen Abaaoud, berichteten mehrere französische Medien unter Berufung auf Ermittler.

Der 28-Jährige ist der meistgesuchte Islamist Belgiens. Er hat marokkanische Wurzeln und lebte früher in der Brüsseler Islamistenhochburg Molenbeek, zuletzt soll er sich in Syrien aufgehalten und für die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) gekämpft haben. Es wäre sehr überraschend, wenn er sich in Paris aufhalten würde.

Die französische Polizei sucht mit Hochdruck nach weiteren Verdächtigen, die an den Attentaten beteiligt waren: In Belgien wird nach dem 26-jährigen Salah Abdeslam gefahndet. Am Dienstagabend tauchte ein Video auf, das auf einen möglichen weiteren flüchtigen Attentäter hindeutet.

Belgischer Terrorist Abu Umar Al-Baljiki (aka Abdelhamid Abaaoud, aka AbuUmar Al-Baljiki)
Islamistisches Propaganda-Magazin

Belgischer Terrorist Abu Umar Al-Baljiki (aka Abdelhamid Abaaoud, aka AbuUmar Al-Baljiki)

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.