Gedenken an Terroropfer Um 12 Uhr am Montag schweigt Europa

Alle Europäer sollen ein Zeichen gegen den Terror setzen: Die Staats- und Regierungschefs der EU rufen jeden einzelnen EU-Bürger zu einer Schweigeminute auf. Die Innenminister vereinbarten ein Sondertreffen.

Kondolenzkerzen für Opfer von Paris: "Angriff gegen alle EU-Staaten"
REUTERS

Kondolenzkerzen für Opfer von Paris: "Angriff gegen alle EU-Staaten"


Die Staats- und Regierungschefs der EU haben für diesen Montag um 12 Uhr alle Europäer zu einer Schweigeminute aufgerufen. "Das Gute ist stärker als das Böse", schrieben sie am Wochenende in einer gemeinsamen Stellungnahme mit den EU-Institutionen. "Wir werden alles Notwendige tun, um Extremismus, Terrorismus und Hass zu bekämpfen." Die Anschläge von Paris seien ein Angriff gegen alle EU-Staaten.

Am kommenden Freitag wollen außerdem die Innen- und Justizminister der EU-Staaten auf einem Sondertreffen über die Konsequenzen aus den Anschlägen beraten. Ziel des Treffens sei es, die "europäische Reaktion zu verstärken" und die Umsetzung beschlossener Maßnahmen zu sichern, erklärte die luxemburgische EU-Ratspräsidentschaft.

Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve hatte das Treffen gefordert. Der Kampf gegen den Terrorismus müsse "auf allen Ebenen noch verstärkt werden und besonders auf der europäischen und der internationalen Ebene", erklärte sein Ministerium. Dabei gehe es auch um mögliche Änderungen am Schengen-Abkommen über offene Grenzen.

Nach der Terrorserie von Paris hat EU-Ratspräsident Donald Tusk die G20 zu konkreten Taten im Kampf gegen den internationalen Terrorismus aufgerufen. "Frankreich erwartet Taten", sagte Tusk kurz vor Beginn des G20-Gipfels im südtürkischen Belek bei Antalya. "Das kann nicht nur ein weiterer Gipfel sein." Die G20 hätten eine "besondere Verantwortung", die internationalen Finanzsysteme zu bekämpfen, die Terrornetze mit Geldern ausstatteten.

Tusk forderte "jeden der G20-Regierenden" dazu auf, sich bei militärischen Operationen in Syrien auf die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zu konzentrieren. "Sie sind der wahre Feind der freien Welt, nicht die moderate syrische Opposition." Russland wird vorgeworfen, Gegner des Regimes von Baschar al-Assad anzugreifen.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker rief dazu auf, die Terroristen von Paris nicht zu verwechseln mit den "Asylsuchenden, mit den Migranten, die gute Gründe haben, an unsere Tür zu klopfen". Er sagte weiter: "Es sind diejenigen, die diese Angriffe organisieren und ausgeführt haben, vor denen die Flüchtlinge fliehen."

ssu/lov/AFP/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
hektor2 15.11.2015
1. Tragik
Eine Katastrophe schlimmsten Ausmaßes. Es wirft bei mir jedoch die Frage auf, wie das passieren konnte - trotz der totalen Überwachung, der Vorratsdatenspeicherung und Kameras. Es scheint, als wäre dies nicht das geeignete Mittel, um irgendetwas zu verhindern. Ein schwarzer Tag.
aprilapril 15.11.2015
2. Zeichen der Solidarität...
mit unseren französischen Nachbarn sind absolut in Ordnung und ein wenig Balsam für deren geschundene Seelen. Aber Zeichen ändern gar nichts an den herrschenden Zuständen, Taten sind jetzt gefordert.
butterbrote_fuer_alle 15.11.2015
3. Fragezeichen
Ich frage mich gerade, ob man Betroffenheit tatsächlich anordnen kann und ob solch verordnete Zeichen auch wirklich zur Sensibilisierung der Gesellschaft (welcher Gesellschaft auch immer) beitragen können. So nach dem Motto: "Jetzt reiß' Dich mal zusammen und entspanne Dich."
hockeyversteher 15.11.2015
4. Selbstverständlich ...
... braucht es Orte und Zeiten der Trauer. Aber wem dient diese Form von Gefühlsäußerungen? Allein den Hinterbliebenen. Natürlich darf jeder der will beten. Jeder der daraus Hilfe schöpft soll es tun. Aber es ist noch nicht lange her, da waren alle Charly. Heute sind wir alle Paris. Wann beginnt sich diese Form der Artikulation von Emotionen abzunutzen? Ab wann wird daraus nahezu Routine? Dies waren unsere Reaktionen nach dem Anschlag auf Charlie. Mit welchem Ergebnis? Nach etwas mehr als einem halben Jahr gibt es noch viel mehr Opfer islamistischer Gewalt. Nun sind wir wieder alle betroffenen und verleihen unserem Mitgefühl Ausdruck. Was wird das daraus resultierende Ergebnis sein? Überall hören wir, dass wir durch das Zeigen unserer Emotionen stärker werden. Sind wir das aber wirklich? Haben wir die Islamisten damit beeindruckt? Wirkt diese Stärke schützend? Oder haben wir denen nur ein Bild präsentiert, das diese uns als Opferlämmern ansehen lässt? Lachen die uns nicht einfach aus? Was heißen die Ankündigungen der Bundeskanzlerin, Frankreich JEDE Unterstützung zukommen zu lassen? Was ist JEDE oder ALLES? Oder wird auch hier nur kurzfristig auf Emotionen gesetzt denen keinerlei konkrete Taten folgen werden? Es ist anrührend, wenn auf der ganzen Welt Gebäude in Blau-Weiß-Rot erstrahlen. Aber schützt uns das besser? Ist das nicht auch ein Ausdruck von Hilflosigkeit, der den Mördern zeigt, dass sie ihr Ziel erreicht haben und auf diesem Weg ungehindert weiter machen können.
adal_ 15.11.2015
5. Totale Kontrolle, was soill das sein?
Zitat von hektor2Eine Katastrophe schlimmsten Ausmaßes. Es wirft bei mir jedoch die Frage auf, wie das passieren konnte - trotz der totalen Überwachung, der Vorratsdatenspeicherung und Kameras. Es scheint, als wäre dies nicht das geeignete Mittel, um irgendetwas zu verhindern. Ein schwarzer Tag.
Die Polizei - in Deutschland wie in Frankreich - konnte sehr wohl eine ganze Reihe von Terroranschlägen verhindern. Die absolute Sicherheit gegen konspirative Attentäter kann es naturgemäß nicht geben. Mindestens einer der Paris-Attentäter war als sog. Gefährder registriert, so wie auch der Zugattentäter, der vor einigen Wochen von 2 GIs überwältigt werden konnte. In Frankreich gibt es *5.000 Gefährder*, die unmöglich alle rund um die Uhr überwacht werden können. Allein dafür bräuchte man zigtausende Beamte. Die "totale Kontrolle" findet nicht statt.
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