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Terror in Frankreich: Hollande spricht von Krieg

Von , Paris

DPA

"Wir werden gnadenlos reagieren": Frankreichs Präsident Hollande wählt drastische Worte im Kampf gegen den Terror. Der Papst spricht gar vom Dritten Weltkrieg.

"Es ist ein Akt der absoluten Barbarei", begangen durch "eine Armee von Terroristen", erklärte François Hollande nach dem Treffen des Nationalen Verteidigungsrats während einer kurzen TV-Ansprache. "Es ist ein Angriff des 'Islamischen Staates', wir werden gnadenlos reagieren - auf allen Ebenen, in Abstimmung mit unseren Partnern", so der Staatschef. Später sagte er direkt, was er meint: "Konfrontiert mit Krieg muss die Nation angemessene Maßnahmen ergreifen."

Hollande sieht sich im Krieg, Frankreichs Presse sieht die Nation im Krieg, der Papst spricht gar vom Dritten Weltkrieg. Auf die Frage des TV-Senders Tv2000, ob dieser durch Anschläge fortgesetzt werde, sagte Franziskus: "Das ist ein Teil davon."

Mit den brutalen Anschlägen, bei denen acht Terroristen mehr als 120 Menschen ermordeten und sich einige anschließend selbst in die Luft sprengten, hat der Kampf der Republik gegen den "Islamischen Staat" eine neue, fürchterliche Qualität erreicht. Mit Konsequenzen für das politische Selbstverständnis Frankreichs und seiner politischen Führung.

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38  Bilder
Anschläge in Frankreich: Der Horror von Paris
In den Planspielen von Frankreichs Sicherheitskräften war es das ultimative Albtraum-Szenario: Ein simultaner Terrorüberfall auf mehrere stark besuchte Knotenpunkte der französischen Hauptstadt - koordiniert, mörderisch, mit vielen Dutzend Toten und Verletzten.

Seit Freitagabend ist das oft durchgespielte Horrorszenario schreckliche Realität. Erst drei Explosionen rund um das Stade de France, ausgeführt von Selbstmordattentätern. Zudem mehrere Attacken mit Schusswaffen im belebtem Kneipenviertel des zehnten und elften Arrondissements zwischen dem Place de la République und dem Place Bastille. Und schließlich eine Geiselnahme im Konzertsaal Bataclan, wo die Kamikaze-Täter ein Blutbad anrichteten.

"Eine ähnliche Situation hat 2001 zum Bündnisfall geführt"

Inzwischen wird darüber debattiert, ob die Nato aktiv werden muss. Der frühere Nato-General Egon Ramms hält das nicht für ausgeschlossen: "Eine ähnliche Situation hat im Jahr 2001 zum Bündnisfall geführt. Der Nato-Rat müsste auf Antrag von Frankreich entscheiden, ob das nach den Anschlägen von Paris jetzt auch der Fall ist", sagt Ramms der "Bild"-Zeitung.

Hollande, gerade noch mit Steuerreformen, Regionalwahlen und dem Weltklimagipfel beschäftigt, ist jetzt in der Rolle des Staatsoberhaupts gefordert, wie sie in der Präsidialverfassung der V. Republik angelegt ist - zumal in Zeiten der Krise: Als Führer der Nation jenseits der Niederungen des Polit-Alltags, als verantwortungsvoller Beschützer seiner Mitbürger und vor allem als Oberkommandeur der Streitkräfte.

Der Staatschef reagierte mit hartem Durchgreifen und emotionaler Rhetorik. Zum ersten Mal seit dem Algerienkrieg wird landesweit der Ausnahmezustand verhängt, inklusive Grenzkontrollen: An den Flughäfen müssen sich einreisende EU-Bürger ausweisen, so wie in den Zeiten vor dem Schengenabkommen. Der Präsident mobilisierte die Armee, kasernierte die Bereitschaftspolizei und Gendarmerie, für die Krankenhäuser gilt der nationale Notfall. Per Dekret werden die Bürgerrechte eingeschränkt, die Bewegungsfreiheit etwa. Personalkontrollen sind ohne Anlass erlaubt, Durchsuchungen auch ohne Richterbeschluss.

"Frankreich ist stark. Nichts kann uns auslöschen."

Zugleich appelliert der Staatschef an die Einheit der Franzosen, die Parteien will er während einer außerordentlichen Sitzung beider Kammern der Nationalversammlung am Montag auf den Schulterschluss einschwören. "Frankreich ist stark. Doch selbst wenn das Land verletzt ist, steht es wieder auf. Nichts kann uns auslöschen."

Bewegende Worte, dennoch bleibt ein Gefühl von Unsicherheit, von "déja vu": Noch nicht mal ein Jahr nach den Mordanschlägen auf das Satireblatt "Charlie Hebdo" und den jüdischen Supermarkt ist Paris wieder vom Terror gepackt. Und trotz der Mobilisierung von Sicherheitskräften schlugen die Attentäter wieder zu, aber erbarmungsloser, schrecklicher. "Bei den Angriffen im Januar hatten wir es mit Amateuren zu tun, jetzt sind zu allem entschlossene Profis am Werk", resümiert ein Journalist im Nachrichtensender BFM TV.

Die gezielten Angriffe richteten sich auf Symbole der Nation. Weiche Ziele, sagen Experten, nicht die scharf bewachten Ministerien, Bahnhöfe oder Flughäfen: Stattdessen ein Sportstadion, ein Konzertsaal, Restaurants und Strassencafés. Es ist, so kommentieren die Medien am Tag danach, eine Attacke auf Frankreichs Zivilisation, seine Kultur, seine Lebensart.

Die Opposition gelobt staatsbürgerliche Geschlossenheit

Und auf Frankreichs Außenpolitik: Gemeint ist Frankreichs Engagement in Nahost, wo Kampfflugzeuge vom Typ Mirage und "Rafale" nicht mehr nur im Irak gegen die Truppen des "Islamischen Staates" (IS) vorgehen, sondern nun auch im Luftraum von Syrien ihre Angriffe auf IS-Ziele fliegen. Das militärische Engagement, gemessen an der Zahl der verfügbaren Flieger eher symbolisch, genügt, um Frankreich ins Fadenkreuz der IS-Terroristen zu rücken.

Terrorziele in Paris
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Fotos: AP, AFP, dpa
1
Stade de France
2
Rue Alibert
3
Rue de la Fontaine au Roi
4
Konzertsaal Bataclan
5
Boulevard Voltaire
6
Rue de Charonne

Die Politik reagiert mit reflexartiger Solidarität der etablierten Parteien, die Opposition gelobt staatsbürgerliche Geschlossenheit. Kritik wegen mangelnder Sicherheit kommt allein vom rechtsextremen Front National. Dennoch ist die Nation nach den Mordtaten im Mark getroffen. Nach den Attacken vom Januar hatte die massive Mobilisierung und die allgegenwärtige Präsenz von Polizei und Militär den Bürgern den Eindruck gefühlter Sicherheit vermittelt. Man hatte sich eingerichtet mit der Bedrohung. Jetzt sind die Franzosen einmal mehr gefordert: Über die dreitägige Staatstrauer hinaus, muss das Land in Zeiten einer existenziellen Bedrohung zusammenrücken, so hofft es Hollande.

Die Hauptstadt verbarrikadiert sich derweil, die traumatisierte Nation igelt sich ein. Eine Rückkehr zur Normalität? Vorläufig undenkbar.

Frankreich scheint tatsächlich im Krieg zu sein.

Video: SPIEGEL-Reporter berichtet vom Tatort am Club "Bataclan"

SPIEGEL ONLINE
Video: SPIEGEL-ONLINE-Reporter berichtet vom Anschlagsort am Stadion

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1. Krieg?
puqio 14.11.2015
Aber den Krieg hat Frankreich doch erklärt! Frankreich hatte am 29. September mit Bombardements auf den IS den Krieg erklärt. Ebenso wie später Russland dem IS den Krieg erklärt hatte. Deshalb wurde zuerst das russische Flugzeug in die Luft gesprengt und deshalb gab es jetzt diese Racheakte in Paris. Und alle Kriegsgegner des IS werden mit weiteren Kriegshandlungen rechnen müssen. Wenn Deutschland sich jetzt im Rahmen der NATO oder als Freund von Frankreich auch an mititärischen Schlägen gegen den IS beteiligen sollte, werden wir die gleichen Anschlägen auch in Deutschland rechnen müssen. Es gibt ja bereits mehr als genug nicht registrierte angebliche Syrer in Deutschland.
2. Dieser Krieg ist schon verloren!
AusVersehen 14.11.2015
Der NATO-Bündnisfall nutzt überhaupt nichts, denn das Problem ist nicht in Syrien zu suchen, der Feind ist bereits in unserem Land! Dieser Krieg wird hier stattfinden, in Europa. Wir haben ihn selbst herein gelassen, willkommen geheißen und finanziert wird er von unseren Steuergeldern.
3. NATO Bündnisfall oder auch nicht ...
syracusa 14.11.2015
NATO Bündnisfall oder auch nicht, das Attentat rechtfertigt und erzwingt geradezu, den IS nun auch militärisch mit allen notwendigen Mitteln zu bekämpfen. Bodentruppen nach Syrien zu entsenden, scheint mir unausweichlich. Wir bekommen nun die Quittung für unser Wegsehen. Besonders Deutschland hat mit seiner Weigerung, sich an der Militäraktion gegen Gaddafi mitzuwirken, schon viel Porzellan zerbrochen. Auch in Syrien wäre es unabdingbar notwendig gewesen, frühzeitig gegen Assad militärisch vorzugehen. Und sowohl für Libyen als auch für Syrien hätte der Westen eine langfristige Strategie für die Zeit danach haben müssen, hätte v.a. eine starke Zivilgesellschaft etablieren müssen, damit der IS nicht Fuß fassen kann. Nun kommen wir um diese Aufgabe dennoch nicht herum. Aber sie wird uns sehr viel mehr Geld und Blut kosten.
4. Nun sollte sich die Weltgemeinschaft...
hans-rai 14.11.2015
...endlich zusammenfinden und gemeinsam gegen den IS vorgehen und die Nickeligkeiten zwischen Amerikanern und Russen in Bezug auf Assad und Sysrien mal zurückstellen. Wie oft und wie intensiv wollen wir weiterhin in Kauf nehmen, dass unsere freie Lebensordnung durch diese Terrororganisation beeinträchtigt wird? Das unsägliche Hitler-Regime wurde doch auch durch eine übergreifende Zusammenarbeit der Nationen beendet. Das müsste doch auch gegenüber dem IS gelingen.
5. Rechtfertigen die Anschläge einen Nato-Bündnisfall?
Edelstoffl 14.11.2015
... ein selbsternanner Staat greift ein Natoland an und droht mit weiteren Anschlägen auch in den andern Ländern? - was für eine Frage! und sich jetzt mit der Argumentation rauszulavieren, der IS wäre kein offiziell anerkannzer Staat, nur um die eigene Passivität zu entschuldigen, wäre eine endgültige Selbstaufgabe.
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Hauptstadt: Paris

Staatsoberhaupt:
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