Frankreich Weniger Gelbwesten auf den Straßen

Nur wenige Tausend Menschen demonstrierten am Samstag in Paris und anderen Städten gegen die Reformen von Frankreichs Präsident Macron. Mancherorts gerieten die Proteste außer Kontrolle.

Proteste in Paris
IAN LANGSDON/EPA-EFE/REX

Proteste in Paris


Bei Protesten der französischen Gelbwesten-Bewegung hat es in Paris am Samstag erneut Zusammenstöße mit der Polizei gegeben. Wie die französische Nachrichtenagentur AFP berichtet, wurden aus den Reihen der zunächst friedlich marschierenden Demonstranten in der Nähe des Rathauses Flaschen und Steine in Richtung der Polizisten geworfen. Die Polizei setzte Tränengas ein und wurde später durch Bereitschaftspolizisten verstärkt. Nach dem Vorfall setzten die Demonstranten ihren Protestmarsch vom Rathaus bis zum Parlament fort.

In der Nähe des Parlaments setzte die Polizei erneut Tränengas ein. Touristen rannten in Scharen davon. Spezialeinheiten blockierten einige Brücken über die Seine.

Zuvor hatten sich auch vor dem Sitz der AFP mehr als tausend Gelbwesten versammelt. Bei der etwa halbstündigen Kundgebung riefen sie Parolen gegen die Regierung von Präsident Emmanuel Macron sowie gegen die Medienberichterstattung über die Protestbewegung. Dann setzte sich der Zug in Richtung Rathaus in Bewegung.

Eine weitere Kundgebung gab es am späten Vormittag auf den Champs-Élysées, einige Meter vom Triumphbogen entfernt. Dort sagte eine Rednerin der Gelbwesten, die bisherigen Zugeständnisse der Regierung reichten nicht aus. Es werde noch das ganze Jahr über Protestaktionen geben.

Kundgebungen der Gelbwesten gab es den achten Samstag in Folge unter anderem auch in Bordeaux, Grenoble, Lyon, Nantes, Rouen und Toulouse. Der Nachrichtensender FranceInfo berichtete von Ansammlungen von einigen Dutzend bis zu etwa 1200 Gelbwesten in diesen Städten.

Macrons Zugeständnisse reichen vielen nicht aus

Die Gelbwesten-Bewegung setzt der Regierung von Staatschef Emmanuel Macron seit November zu. Bei ihren landesweiten Kundgebungen demonstriert sie gegen Steuer- und Preiserhöhungen.

Ursprünglich hatte sich die Bewegung gegen hohe Spritpreise und die geplante Ökosteuer auf Diesel gerichtet. Später mischte sich in den Protest allgemeiner Unmut über die Politik der Regierung. Die reagierte mit milliardenschweren Zugeständnissen - unter anderem soll es mehr Geld für Mindestlohnbezieher und Entlastungen für Rentner geben.

Die Demonstranten weisen das als ungenügend zurück. Viele fordern weitere Steuersenkungen, Volksabstimmungen nach schweizerischem Vorbild sowie den Rücktritt Macrons.

Bei den Protesten gab es mehrfach - auch auf den Champs-Elysées - gewaltsame Zusammenstöße mit der Polizei. Ihren bisherigen Höhepunkt hat die Bewegung am 17. November erreicht, als sich nach Angaben der Behörden landesweit 282.000 Menschen an den Kundgebungen beteiligten. Mittlerweile sind die Proteste deutlich abgeflaut.

stk/AFP/dpa



insgesamt 4 Beiträge
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Nordstadtbewohner 05.01.2019
1. Unnützer "Protest"
Wem in Frankreich die Regierung und Präsident nicht passt, kann ja zur nächsten Wahl geeignete Gegenkandidaten aufstellen. Das ist in Demokratien so üblich. Wer aber wie die Gelbwesten versucht, seine Minderheitenmeinung mit Gewalt durchzusetzen, der gehört konsequent ins Gefängnis. Ich kann nur hoffen, dass die französische Regierung endlich durchgreift. Der wirtschaftliche Schaden, den diese Bewegung verursacht, ist ja mittlerweile beträchtlich.
WarumDenn 06.01.2019
2. Weiter so liebe Demonstanten
Die Minderheitenmeinung ist die aktuelle Regierung, die wirtschaftlichen Schaden im Millardenhöhe anrichtet, weil Unternehmenssteuern grundlos gesenkt werden.
Duggi 06.01.2019
3.
Man kann den Gelbwesten in Frankreich nur massenhaften Zulauf und Disziplin zu friedlichem Protest mit langem Atem gegen die Lobby-Regierung in Paris wünschen.
ulrich-lr. 06.01.2019
4. Eines schickt sich nicht für alle
Zitat von NordstadtbewohnerWem in Frankreich die Regierung und Präsident nicht passt, kann ja zur nächsten Wahl geeignete Gegenkandidaten aufstellen. Das ist in Demokratien so üblich. Wer aber wie die Gelbwesten versucht, seine Minderheitenmeinung mit Gewalt durchzusetzen, der gehört konsequent ins Gefängnis. Ich kann nur hoffen, dass die französische Regierung endlich durchgreift. Der wirtschaftliche Schaden, den diese Bewegung verursacht, ist ja mittlerweile beträchtlich.
Es ist durchaus nicht in allen Demokratien üblich, Wahlergebnisse einfach zu akzeptieren und auf die nächste Wahl zu warten. Es ist nur einen Frage, wie wutentbrannt die Vertreter der unterlegenen Seite sind - und wie stark. Das ist von Land zu Land unterschiedlich. Und wie weit sie gehen. In Frankreich ist ja nicht einmal auszuschließen, dass unter den Gelbwesten viele enttäuschte Macron-Wähler sind, die sich total verraten vorkommen.
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