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Attentate in Paris: Polizei kontrollierte offenbar Terrorverdächtigen und ließ ihn laufen

Salah Abdeslam ist international zur Fahndung ausgeschrieben, er soll an der Terrorserie in Paris beteiligt gewesen sein. Nun berichten Medien: Der 26-Jährige wurde wenige Stunden nach den Anschlägen in seinem Auto kontrolliert und durfte weiterfahren.

Verdächtiger    Abdeslam   : 1,75 Meter groß, braune Augen Zur Großansicht
AFP / POLICE NATIONALE

Verdächtiger Abdeslam : 1,75 Meter groß, braune Augen

Einer der Terrorverdächtigen von Paris ist Medienberichten zufolge am Samstag kontrolliert, aber nicht festgenommen worden. Die Zeitung "Le Monde" berichtet online, Salah Abdeslam sei von der Polizei im nordfranzösischen Cambrai im Zuge der verschärften Grenzkontrollen überprüft worden. Im Auto hätten noch zwei weitere Männer gesessen.

Salah hatte den schwarzen Polo gemietet, der vor der Konzerthalle Bataclan gesehen wurde. Dort hatten Attentäter mindestens 89 Menschen erschossen. Welche Rolle genau Salah inne hatte, ist noch unklar. Zum Zeitpunkt der Fahrzeugkontrolle sei er in keiner Kartei registriert gewesen, berichtet "Le Monde". Erst später hätten die Ermittler ihn mit den Attentaten in Verbindung gebracht.

Auch die Nachrichtenagentur AP berichtet, Salah sei nach den Anschlägen in der Nähe der belgischen Grenze kontrolliert worden. Ermittler hätten seinen Ausweis überprüft, anschließend habe er weiterfahren dürfen.

Im Video: Überblick über den Stand der Ermittlungen

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Dem Bericht der Agentur zufolge war den Behörden zum Zeitpunkt der Kontrolle bereits bekannt, dass Salah den Wagen gemietet hatte, den die Bataclan-Attentäter nutzten. Die Agentur beruft sich dabei auf vier Quellen in der Justiz, die jedoch anonym bleiben wollten, da sie nicht befugt sind, öffentlich über die Untersuchungen zu sprechen.

Polizei veröffentlicht Fahndungsfoto

Die belgische Justiz schrieb Salah am Sonntag international zur Fahndung aus. Die französische Polizei veröffentlichte ein Fahndungsbild und bat die Bevölkerung um Mithilfe: Wer Informationen über den Aufenthaltsort des in Brüssel geborenen Mannes habe, solle umgehend eine Notfallnummer wählen und keinesfalls selbst eingreifen. Der 26-Jährige sei gefährlich, heißt es seitens der Behörden.

Salah ist demnach etwa 1,75 Meter groß und hat braune Augen. Einer seiner Brüder soll sich während der Terrorserie in Paris am Boulevard Voltaire in die Luft gesprengt haben. Ein weiterer Bruder wurde demnach in Belgien festgenommen.

  Fahndungsfoto des Gesuchten: Umgehend eine Notfallnummer wählen  Zur Großansicht
AFP / POLICE NATIONALE

Fahndungsfoto des Gesuchten: Umgehend eine Notfallnummer wählen

Laut Bundesinnenminister Thomas de Maizière sind möglicherweise noch mehrere Terroristen auf der Flucht. "Am besorgniserregendsten ist die Information, dass möglicherweise noch eine Tätergruppe in Frankreich unterwegs ist", sagte der CDU-Politiker im ZDF. Deswegen sei es richtig, die Kontrollen an der Grenze zu Frankreich zunächst beizubehalten. "Wir untersuchen mit Hochdruck alle möglichen Deutschland-Bezüge", sagte de Maizière. "Es wird jetzt jeder Stein umgedreht, ob es irgendeinen Bezug gibt."

Sieben Attentäter, drei identifiziert

Nach Angaben der Pariser Staatsanwaltschaft waren bis zum Montagmorgen die Leichen von vier der sieben Selbstmordattentäter identifiziert worden. Bei zwei Männern handle es sich um Franzosen im Alter von 20 und 31 Jahren, die zuletzt in Belgien gelebt hätten, sagte Staatsanwalt François Molins. Sie seien anhand von Fingerabdrücken identifiziert worden. Gegen einen weiteren identifizierten Attentäter war laut Staatsanwaltschaft 2012 in Frankreich ein Ermittlungsverfahren wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung eingeleitet worden.

Bereits am Samstag war ein anderer Täter identifiziert worden, der 29-jährige Franzose Ismail Omar Mostefaï. Sein abgetrennter Finger war im Konzertsaal Bataclan gefunden worden, er hatte sich dort nach dem Anschlag in die Luft gesprengt. Über den polizeibekannten Kleinkriminellen weiß man inzwischen, dass er als Sohn algerischer Einwanderer im Pariser Vorort Courcouronnes geboren wurde und später in Syrien war.

Rätsel um syrischen Pass

Zudem gibt es weitere Hinweise zu dem syrischen Pass, der in der Nähe eines der Selbstmordattentäter vom Stade de France gefunden wurde. Das Dokument ist auf den Namen Ahmed Almohammad ausgestellt, geboren am 10. September 1990. Der Mann soll am 3. Oktober gemeinsam mit 198 anderen Flüchtlingen auf der Insel Leros angekommen sein - seine Fingerabdrücke wurden damals erfasst.

Mutmaßlichen Täter Almohammad: Fingerabdrücke erfasst Zur Großansicht
DPA

Mutmaßlichen Täter Almohammad: Fingerabdrücke erfasst

"Es sieht so aus, als sei der Mann, der in Leros registriert wurde, derjenige, der nun tot aufgefunden wurde und einer der Pariser Attentäter sein soll", sagte der griechische Minister für Migration, Yannis Mouzalas. Zuvor hieß es allerdings, dass das Dokument eine Fälschung sein könnte. Eine endgültige und verlässliche Bestätigung, ob es sich bei einem der Attentäter tatsächlich um einen als Flüchtling in die EU eingereisten Syrer handelt, gibt es bisher nicht.

aar/joe/dpa/AP/Reuters

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