Bericht über "No-go-Areas" in Frankreich Paris verklagt Fox News wegen Rufschädigung

Paris, eine Stadt im Würgegriff der Islamisten, die ganze Viertel kontrollieren: So hatte der US-Sender Fox News über Frankreichs Hauptstadt berichtet. Bürgermeisterin Anne Hidalgo sieht den Ruf der Metropole beschädigt - und will den Kanal verklagen.

Pariser Bürgermeisterin Hidalgo: "Wir müssen vor Gericht ziehen, damit diese Worte zurückgenommen werden"
AFP

Pariser Bürgermeisterin Hidalgo: "Wir müssen vor Gericht ziehen, damit diese Worte zurückgenommen werden"


Paris - Zehn Tage sind vergangen, seit in Paris mehrere Millionen Menschen demonstrierten. Nach dem Terroranschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" setzten sie ein beeindruckendes Zeichen für das Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit. Doch nun will Bürgermeisterin Anne Hidalgo selbst gegen einen Fernsehsender vorgehen.

Die Stadt Paris verklagt den US-Kanal Fox News wegen Rufschädigung. Entsprechende Pläne der Bürgermeisterin bestätigte die Stadtverwaltung. Der konservative Nachrichtensender hatte nach den Anschlägen von Paris über angebliche "No-go-Zones" in der französischen Hauptstadt berichtet. Diese würden von Muslimen kontrolliert, selbst die Polizei traue sich nicht mehr in diese Gegenden, hieß es. Der Beitrag hatte in Frankreich für scharfe Kritik und beißenden Spott gesorgt.

Bürgermeistern Hidalgo sieht die Berichterstattung weniger gelassen. "Wir sind beleidigt worden", sagte sie dem US-Sender und Fox-News-Konkurrenten CNN. "Ich denke, wir müssen vor Gericht ziehen, damit diese Worte zurückgenommen werden." Die Ehre der Stadt sei verletzt worden, argumentierte die Politikerin.

Ein Vertreter von Fox News sagte, eine mögliche Klage gegen den Sender sei "fehl am Platze". Gleichwohl habe man Verständnis für die Befindlichkeiten der französischen Bürger nach den terroristischen Anschlägen.

Klage hat wenig Aussicht auf Erfolg

Fox News hatte nicht nur in Paris angebliche "No-go-Areas" identifiziert. "Es gibt ganze Städte wie Birmingham, die komplett muslimisch sind und die Nicht-Muslime einfach gar nicht erst betreten", sagte der Sicherheitsexperte Steve Emerson in einer Sendung. Nachdem sogar der britische Premierminister David Cameron den Mann als "totalen Idioten" bezeichnet hatte, nahm Emerson seine Worte zurück und entschuldigte sich.

Auch von dem Bericht über Paris hat sich Fox News inzwischen distanziert. Mehrere Moderatoren entschuldigten sich öffentlich für den Beitrag. Der CNN-Rechtsexperte Jeffrey Toobin gibt der Pariser Klage daher auch wenig Aussichten auf Erfolg. "Das System hat funktioniert", sagte er mit Blick auf die Entschuldigungen und die Häme, die wegen des Berichts über Fox News ausgeschüttet wurde. "Die Gerichte müssen da nicht mit hineingezogen werden." Auch Presserechtsexperte Jeff Hermes sagte: "Diese Klage hat in den USA überhaupt keine Aussicht auf Erfolg. Eine Stadt kann überhaupt gar nicht beleidigt werden."

Auch wenn die Pariser Stadtverwaltung vor einem französischen Gericht klagen sollte: Das US-Recht schützt amerikanische Medien vor den Urteilen ausländischer Gerichte.

syd/AFP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Seite 1
dennis3110 21.01.2015
1. eine Stadt kann nicht beleidigt werden,
ist die Stadt aber gleichzeitig eine der meist besuchten Städte der Welt, hat man sehr wohl ein Image ,welches man nicht für einen konservativen US Sender opfern will. Ist es Neid oder Blödheit?
bumminrum 21.01.2015
2. da schreibt
jemand die Wahrheit über die Pariser Vororte und wird nun verklagt. Wie lächerlich ist das denn??
spibufobi 21.01.2015
3. Es sind vielleicht
Keine Islamisten, die die Stadtviertel kontrollieren, sondern schwerkriminelle Migranten. No go Areas sind es aber vielleicht schon. Und wenn nicht in Paris, in Marseille auf jeden fall!
williherberthelmut 21.01.2015
4. No-Gos in Paris
Vielleicht sollten sich die Herrschaften bei Fox News einmal in Ruhe in ihrem eigenen Land umhören: Ich kenne größere Stadtteile in mehreren US-Städten, die man tunlichst laut Reiseführern und Tipps von Einwohnern meiden sollte, da es zu gefährlich sei, dort, auch als angepasster, Tourist herumzufahren oder gar zu laufen. Die Cops kämen dorthin nur in größerer Meute; wenn überhaupt. Dieses unsinnige Europa-Gebashe aus den USA ist genauso schwachsinnig wie der Anti-Amerikanismus, der hier bei uns jedes Mal bei GWB hochkam -und komischerweise bei Obama eher selten, wiewohl der auch nicht wirklich anders gestrickt ist-. Und gern von Leuten, die nie in den USA waren. Laßt Paris sein wie es will: Es ist eine tolle Stadt mit sehr viel Flair und eben den ganz normalen Großstadtproblemen. And US-Visitors: It is't more dangerous to walk around in Paris than walking around in NYC....
oberallgaeuer 21.01.2015
5. Hauptsache, es bleibt was hängen.
Das ist doch der Zweck dieser Fox-Nachrichten. Es wird nur kurze Zeit dauern bis die Pegida-Anhänger den Fox-Sender zitieren. Denn alles, was in ihr Weltbild passt, ist ja keine Lügenpresse. Fox hat sich auch in der Vergangenheit nicht als Hort der Glaubwürdigkeit gezeigt sonder hart an der Grenze zu Lüge und Rufmord berichtet.
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